Archivierter Artikel vom 04.08.2020, 07:00 Uhr
Mainz

Trockenheit macht Moorfrosch und Vögeln zu schaffen

Dem Wald geht es schlecht. Manche Vögel und Insekten finden nur schwer Wasser. Die Wiesen sind verdorrt. Die Trockenheit in Rheinland-Pfalz hinterlässt überall gravierende Spuren.

dpa/lrsLesezeit: 5 Minuten
Ein Waldweg ist durch herumliegend Äste und Baumstämme blockiert
Ein Waldweg ist durch herumliegend Äste und Baumstämme blockiert.
Foto: Andreas Arnold/dpa

Mainz (dpa/lrs). Die anhaltende Trockenheit bedroht das Leben vieler Pflanzen und Tiere in Rheinland-Pfalz. Zugleich steigt die Waldbrandgefahr – und die Wasserpegel sinken. Der BUND fordert die Menschen zum Schutz des Klimas auf – etwa mit einem Wassereimer im Homeoffice. Ein Überblick.

WALD: „Die anhaltende Trockenheit macht dem Wald immer mehr zu schaffen“, heißt es im Umweltministerium. Die Bäume könnten sich noch weniger gegen den Borkenkäfer und andere Schädlinge wehren. Rund zwei Millionen Bäume mussten daher 2020 schon notgefällt werden, etwa doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Zudem steigt die Waldbrandgefahr. Nicht nur Grillfeuer und Zigarettenkippen, sondern auch heiße Katalysatoren von Fahrzeugen auf trockenen Wiesen könnten zum Problem werden. Betroffen sind längst nicht nur Fichten. „Es gibt auch schon Standorte mit heimischer Buche, die Probleme haben“, sagt die BUND-Landesvorsitzende Sabine Yacoub. „Es herrscht relativ große Ratlosigkeit, wie man damit umgehen soll.“

TIERE: Insekten und Vögel finden nach Einschätzung von Fachleuten schlechter genügend Wasser. Viele Arten – etwa Insekten oder Reptilien – hätten wegen des Wassermangels auch in diesem Jahr weniger oder gar keinen Nachwuchs, heißt es im Umweltministerium. Die BUND-Landesvorsitzende Yacoub rät dazu, Wasserschalen aufzustellen. „Mit einem Stein oder einem Rand, damit Tiere nicht darin ertrinken.“ Die Trinkstellen sollten nicht am Boden stehen, damit sich die Vögel besser vor Fressfeinden wie Katzen schützen können, ergänzt eine Ministeriumssprecherin.

Amphibien, die auf Kleinstgewässer wie Pfützen oder Tümpel zum Laichen angewiesen sind, leiden auch, heißt es im Ministerium. Der Moorfrosch beispielsweise müsse jetzt in Überflutungsgewässern ablaichen. „Trocknet dann das Gewässer zu schnell aus, verliert er seinen Nachwuchs.“

WETTER: Der Juli 2020 war in Rheinland-Pfalz der zweittrockenste seit 1881. Der Sommermonat sei auch in den vergangenen Jahren immer relativ niederschlagsarm gewesen, sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdiensts (DWD). Januar, April, Mai, Juni und Juli waren laut DWD zu trocken. In den anderen beiden Monaten fiel hingegen mehr Regen als üblich. Der Februar war sogar der zeitfeuchteste seit 1881. Von Januar bis Juli fielen im Schnitt 395 Liter Regen pro Quadratmeter. Im langjährigen Mittel waren es im gleichen Zeitraum 440 Liter.

GRUNDWASSER: Die Trinkwasserversorgung in Rheinland-Pfalz wird zu 95 Prozent aus dem Grundwasservorkommen gespeist. Dafür braucht es Regen. Die Zeit der Grundwasserbildung für 2020 sei weitgehend abgeschlossen. Im günstigsten Fall sei mit einer durchschnittlichen Neubildung zu rechnen, weil es eben im Januar und Februar vergleichsweise viel geregnet hatte.

Die mittlere jährliche Neubildung des Grundwassers ist dem Umweltministerium zufolge in den vergangenen 15 Jahren gegenüber dem langjährigen Durchschnittswert aber um etwa 25 Prozent zurückgegangen. „Bei gleichbleibenden klimatischen Verhältnissen muss auch für die kommenden Jahre mit einer defizitären jährlichen Grundwasserbildungsrate gerechnet werden“, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums. Die könne zum Anstieg der Nitratkonzentration führen.

FLUSSPEGEL: Die haben nach Darstellung des Umweltministeriums in allen Regionen die mittleren Niedrigwasserstände (MNW) erreicht oder sogar unterschritten. Wenn die Trockenheit anhalte, sei es durchaus denkbar, dass die Flüsse ähnlich trocken werden wie im Ausnahmejahr 2018. Der bisher niedrigste beobachtete Wasserstand (NW) wurde bislang nur am Pegel Oberstein/Nahe erreicht. „Bei weiter anhaltender Trockenheit ist damit zu rechnen, dass die Wasserstände in den kommenden Tagen weiter fallen werden und dann die NW-Werte an weiteren Pegeln erreicht oder sogar unterschritten werden“, sagte die Sprecherin des Umweltministeriums.

VERKEHRSADER RHEIN: Im Lauf des Julis habe sich am Rhein eine grundsätzlich fallende Tendenz gezeigt, sagte Hydrologe Jörg Uwe Belz von der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz. „Die Wasserstände sind im Großen und Ganzen als Niedrigwasser zu bezeichnen.“ Am Pegel Kaub im Rhein-Lahn-Kreis gebe es noch 30 Zentimeter Spielraum bis zum sogenannten gleichwertigen Wasserstand. Dieser Wert ist bei Niedrigwasser eine Orientierungshilfe für die Schiffsführer.

BALKONE UND GÄRTEN: Der BUND rät, den Rasen nicht mehr zu wässern. „Das ist eher Wasserverschwendung.“ Bei der Wahl der Pflanzen für Garten und Balkon seien zudem zunehmend Kräuter aus mediterranen Gefilden gefragt oder einheimische Arten, die nicht viel Wasser brauchen. Salbei, Lavendel und Thymian nannte Yacoub als Beispiel.

STÄDTISCHES GRÜN: Einige Städte wie die Landeshauptstadt Mainz haben ihre Bürger bereits im April aufgefordert, Bäume zu gießen. „Trotzdem leiden die Bäume massiv“, sagt Yocoub vom BUND. Es fehlten Konzepte für die nächsten Jahre, denn trockene Sommer würden ja voraussichtlich häufiger.

In MAINZ ist das Grünamt mit Wasserwagen mehrfach am Tag unterwegs. Für jede ergänzende Wasserspende von Bürgern sei die Stadt dankbar, sagte Sprecher Ralf Peterhanwahr. Die Trockenheit belaste die rund 150 000 Bäume in Mainz extrem. 149 Bäume hätten im laufenden Jahr bereits gefällt werden müssen – weil sie unter der Trockenheit seit 2018 litten. Betroffen waren mehr als 20 verschiedene Arten, besonders Ahorn und Robinien. Nachgepflanzt wird vor allem an den Straßen in der Innenstadt sowie in den Parks, dabei sollen neue Arten helfen, wie etwa der Säulen-Ahorn, die Esskastanie, die Winter-Linde oder die rotblühende Rosskastanie.

In LUDWIGSHAFEN werden seit Anfang April rund 2000 Bäume gewässert – drei Viertel davon von externen Firmen. In diesem Jahr kamen an etwa 1500 Bäumen Bewässerungssäcke mit einem Fassungsvermögen von 75 Litern dazu, die je nach Wetterlage einmal pro Woche oder alle zwei Wochen befüllt werden, wie Stadtsprecher Florian Bittler sagte. Die Bürger werden dennoch gebeten, die Stadtbäume vor ihrem Grundstück während der Trockenperioden selbst zu gießen, täglich mit zehn Litern Wasser. Die städtischen Beschäftigten müssen mit Blick auf die Sicherheit einfach mehr Zeit damit verbringen, Bäume auf ihren Zustand zu kontrollieren.

Die Gießliste der Stadt TRIER umfasst derzeit 2774 Baum-Standorte, wie Stadtsprecherin Petra Lohse sagt. „Die Wässerung ist nach Prioritäten gestaffelt, da es die Kapazitäten es nicht mehr zulassen, alle Jungbäume gleichermaßen zu wässern.“ Die im Herbst 2019 und im Frühjahr 2020 gepflanzten Bäume haben Vorrang, weil bei ihnen das Risiko am größten sei, dass sie sterben. „Insgesamt sind täglich zwei eigene Fahrzeuge und drei eines externen Dienstleisters im Einsatz.“ An bald sechs repräsentativen Standorten in der Stadt werde zudem mit Sensoren die Trockenheit überprüft.

KLIMASCHUTZ: Yacoub vom BUND appelliert an die Rheinland-Pfälzer, selbst für den Klimaschutz aktiv zu werden. Dazu gehöre auch, die Klimaanlage im Büro nicht ständig laufen zu lassen und auf stromfressende Klimageräte auch zu Hause möglichst zu verzichten. Viele Menschen seien ja noch im Homeoffice und könnten gut ihre Füße in einem Eimer Wasser kühlen oder nasse Tücher verwenden.

Bundesanstalt für Gewässerkunde

Wasserstände Kaub

Wasserstände Bingen

Wasserstände Mainz

Wasserstände Koblenz

Wasserstände Maxau

Waldbrandgefahrindex

Wasserpegel in Rheinland-Pfalz