Archivierter Artikel vom 21.08.2021, 16:10 Uhr
Mainz

Trauer um früheren CDU-Landeschef Johannes Gerster

Johannes Gerster gestaltete viele Jahre Bundes- und Landespolitik mit. Das höchste Amt in Rheinland-Pfalz blieb dem nun gestorbenen CDU-Politiker zwar verwehrt. Viel beachtet wurde aber sein späteres Engagement.

Johannes Gerster
Johannes Gerster, damaliger Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, lacht.
Foto: Boris Roessler/dpa/Archivbild

Mainz (dpa/lrs). Der frühere rheinland-pfälzische CDU-Chef Johannes Gerster ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Der Mainzer sei am Samstag „nach langer schwerer Krankheit im Kreis seiner Familie friedlich entschlafen“, teilten seine Angehörigen mit. Die CDU-Landesvorsitzende und Agrarbundesministerin Julia Klöckner betonte: „Mit Johannes Gerster verlieren wir einen großartigen Menschen, ein Urgestein der CDU, einen Vollblutpolitiker und Vorbild.“ Er sei ein Charaktermensch gewesen. Auch Politiker anderer Parteien würdigten den Christdemokraten.

Gerster war zwischen 1993 und 1997 Vorsitzender der CDU in Rheinland-Pfalz. Bei der Landtagswahl 1996 trat der Jurist als Spitzenkandidat für seine Partei an, unterlag aber damals dem SPD-Kontrahenten und amtierenden Ministerpräsidenten Kurt Beck.

Viele Jahre war Gerster auch als Bundestagsabgeordneter aktiv, 1972 zog er erstmals in das Parlament ein. In der CDU/CSU-Bundestagsfraktion war der gebürtige Mainzer zwischen 1987 und 1992 innenpolitischer Sprecher und stellvertretender Fraktionschef. 1994 schied er aus dem Bundestag aus. Drei Jahre später zog er sich auch aus der Landespolitik zurück, zwischenzeitlich hatte er im Landtag in Mainz den Posten des Fraktionsvorsitzenden übernommen.

Gerster engagierte sich dann als Büroleiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Jerusalem für eine Aussöhnung im Nahen Osten. Nach seiner Rückkehr war er von 2006 bis 2010 Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Er wurde für seine Arbeit mehrfach geehrt. Gerster war verheiratet, mit seiner Frau hatte er drei Kinder.

CDU-Landeschefin Klöckner sagte, Gerster sei geradeheraus, klar und herzlich gewesen. „Johannes Gerster war ein Mann mit vielen Facetten und einem reichhaltigen Erfahrungsschatz. Ob in der Fastnacht als Mitglied der Mainzer Ranzengarde, deren Ehrengeneralfeldmarschall er war, oder in seinem Engagement für Israel“, ergänzte Klöckner. „Sein Ringen um die Verständigung von Israelis und Palästinensern wurde zu Recht vielfach ausgezeichnet.“ CDU-Fraktionschef Christian Baldauf sagte: „Johannes Gerster war Volksvertreter mit Leib und Seele – wir verlieren eine Persönlichkeit mit großer politischer Gestaltungskraft.“

SPD-Fraktionschefin Sabine Bätzing-Lichtenthäler reagierte bestürzt auf den Tod von Gerster. „Johannes Gerster war ein großer Christdemokrat, der sich um Rheinland-Pfalz und seine Menschen verdient gemacht hat“, sagte sie. Grünen-Fraktionschef Bernhard Braun sagte, Gerster habe sich besonders um die deutsch-israelische Freundschaft verdient gemacht. „Er wird lange in Erinnerung bleiben.“

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