Mainz

Sven Plöger sah „extremes Ereignis“ vor Flutkatastrophe

Zwei Tage vor der Flutkatastrophe im Ahrtal war nach Darstellung des Meteorologen Sven Plöger klar, „da kommt ein extremes Ereignis“. „Das Potenzial war bekannt“, er sei von Regenmengen von 100 bis 200 Liter pro Quadratmeter im Westen Deutschlands ausgegangen, sagte der Fernsehmoderator am Freitag im Untersuchungsausschuss des rheinland-pfälzischen Landtags in Mainz.

Von dpa/lrs
Untersuchungsausschuss zur Flutkatastrophe im Ahrtal
Der Meteorologe Sven Plöger im Plenarsaal des Landtags.
Foto: Arne Dedert/dpa

Allerdings hätte dies genauso gut den Schwarzwald wie die Ahr-Region und das Sauerland treffen können. Der Regionaleffekt sei bis zum 13. Juli noch nicht ablesbar gewesen, sagte Plöger.

Er habe aber zwei Tage vor der Katastrophe bereits gewarnt: „Achtung an den Flüssen, beobachten Sie die Pegel, gehen Sie von den Flüssen weg“, sagte Plöger. Dass der Ahr-Pegel über neun Meter steigen werde, „habe ich nicht gewusst, und ich behaupte, das hat auch keiner gewusst“. Am 14. Juli sei er nicht im Dienst gewesen und könne zu dem Tag nur wenig sagen, am Ahr-Pegel sei aber am Vormittag dieses Tages „noch wenig zu sehen gewesen“.

„Temperaturen können Sie wesentlich länger und besser vorhersagen als Niederschlagsmengen“, sagte Plöger. Das verantwortliche Tiefdruckgebiet „Bernd“ habe sowohl langanhaltenden großflächigen Dauerregen als auch Schauer und Gewitter gebracht.

Möglicherweise seien Teile der Niederschläge auf dem Boden, der seit 2018 unter Trockenheit litt, auch abgeflossen. Die Ahr-Region und ihre Zuflüsse seien zudem sehr kleinteilig. Aus Tälern, die sonst kein Wasser hätten, sei plötzlich ganz viel Wasser gekommen.

„Wir müssen alle lernen, es werden immer Wahrscheinlichkeiten und Unsicherheiten bleiben“, sagte Plöger. Tief „Bernd“ sei sehr langsam gezogen. Solche langsamen Hoch- und Tiefdruckgebiete hätten zugenommen und führten häufig zu Starkregen-Ereignissen.

Bei der Flutkatastrophe vor genau einem halben Jahr – vom 14. auf 15. Juli – sind im nördlichen Rheinland-Pfalz insgesamt 135 Menschen gestorben, davon 134 im Ahrtal. Hunderte wurden verletzt und weite Teile des Tals verwüstet. Im Untersuchungsausschuss sollten am Freitag zehn Sachverständige gehört werden.

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