Archivierter Artikel vom 15.12.2019, 09:50 Uhr
Mainz

Stadtrat entscheidet über Abschaffung des Gelben Sacks

Gelbe Säcke sind praktisch und leicht. Sie können allerdings kaputt gehen, dann fliegt der Müll umher. In Mainz sollen die Gelben Säcke abgeschafft werden – aber nicht nur, weil sie reißen können.

dpa/lrsLesezeit: 3 Minuten
Gelbe Säcke liegen auf einem Fußweg vor einem Haus
Gelbe Säcke liegen auf einem Fußweg vor einem Haus.
Foto: Robert Michael/zb/dpa/Archivbild

Mainz (dpa/lrs). In der Stadt Mainz könnten die Gelben Säcke bald durch Gelbe Tonnen ersetzt werden. Eine Begründung: Die relativ leichten Säcke machen den Müllwerkern nach Angaben des Entsorgungsbetriebes körperlich mehr zu schaffen als die Tonnen, obwohl diese schwerer sind. „Aufgerissene oder unzureichend verschnürte Gelbe Säcke führen dazu, dass die Einsammlung der auf Gehwegen und Straßen verteilten Verpackungsabfälle zu erheblichem Mehraufwand und zusätzlicher körperlicher Belastung beim händischen Entfernen in gebückter Haltung führt“, schreibt der städtische Entsorger.

Über eine entsprechende Beschlussvorlage will der Stadtrat am Mittwoch (18. Dezember) entscheiden. Mit einer Zustimmung ist zu rechnen. Andere Städten halten aber meist am Gelben Sack fest. Meist fehlt der Platz für Tonnen. Manchmal sind sie zu schwer.

„In Anbetracht von mehreren Tausend zu verladenen Säcken pro Tag bedeutet diese Tätigkeit eine starke Belastung auf den gesamten Bewegungsapparat der Mitarbeiter“, heißt es in Mainz. Zudem kämen vermehrt „Erkältungen der in diesem Arbeitsbereich eingesetzten Mitarbeiter“ hinzu. Denn: „Hinzu kommt, dass die am Vorabend herausgestellten Gelbe Säcke ... oftmals nass sind und somit Arbeitskleidung und Handschuhe sehr schnell durchnässen.“ Daher seien Behälter aus Sicht des Arbeitsschutzes der Sacksammlung vorzuziehen. Gedacht ist an eine Einführung der Tonnen in ganz Mainz ab 2021.

Manchmal kommen Gelbe Tonnen nicht infrage, weil sie schwerer sind als Säcke. Die Stadt Trier ist so ein Beispiel, dort gibt es ausschließlich Sacksammlung. Für den Zweckverband Abfallwirtschaft liegen die Gründe auf der Hand. „Trier ist eine alte Stadt, da stehen Tonnen im Keller“, sagt Sprecherin Kirsten Kielholtz. „Die Bereitschaft ist nicht hoch, dass man auch noch zusätzlich eine Gelbe Tonne hochhieven muss.“ Eine Umfrage im vergangenen Jahr habe ergeben, dass die meisten Kunden lieber Gelbe Säcke hätten.

Auch Kaiserslautern nutzt den Gelben Sack. Dessen Abtransport übernimmt seit 2018 die Jakob Becker Entsorgungs-GmbH. Wäre eine Tonne besser? Diese Entscheidung müsste die Stadt treffen – nicht das Unternehmen. Jedoch werde der Sack in letzter Zeit oft für die kostengünstige Entsorgung von Restabfällen genutzt, sagt Prokurist Marc Grutza. Die durchsichtigen Säcke seien da die beste Möglichkeit für Fahrer und Lader, mögliche Störstoffe zu erkennen.

„Bei uns sind keine Gelben Tonnen geplant. Wir haben noch die Gelben Säcke“, sagt der Koblenzer Stadtsprecher Heiko Breitbarth. Der auch für die Müllabfuhr zuständige Kommunale Servicebetrieb Koblenz sehe vor allem einen Nachteil: Platzmangel. „Viele hätten gar nicht den Platz für Gelbe Tonnen“, sagt Breitbarth. „Bei Mehrfamilienhäusern müssten es dann mehrere Gelbe Tonnen sein.“ Laut dem Kommunalen Servicebetrieb gibt es in Koblenz schon Graue Tonnen für Restmüll, Braune Tonnen für Bioabfälle und Blaue Tonnen für Altpapier.

Bad Kreuznach macht es anders. Es gibt zwar Ausnahmen, die Stadt nutzt aber meistens die Gelbe Tonne. „Die sind einfacher wegzubringen“, sagt Bürgermeister Wolfgang Heinrich (SPD). „Nur in den kleinen, verwinkelten alten Gassen können Sie die Tonne nicht hinstellen.“ Heinrich schätzt, dass etwa zu 90 Prozent Tonnen verwendet werden, sonst Säcke.

In Mainz gibt es auch jetzt schon Gelbe Tonnen, wie Stadtsprecher Ralf Peterhanwahr sagt – zum Beispiel in großen Wohnanlagen. Wenn der Stadtrat der Beschlussvorlage zustimmt und es dann nur noch Tonnen geben soll, „werden wir mit dem Dualen System Deutschland reden und uns abstimmen müssen“.

Schon andere Städte seien auf die Gelbe Tonne umgestiegen, heißt es in der Beschlussvorlage. Beispielsweise Münster und Osnabrück. Stadtsprecher Peterhanwahr geht davon aus, dass es bei entsprechender Entscheidung auch in Mainz klappt – und auch ohne Mehrkosten für den Bürger. Laut Entsorgungsbetrieb ist „der Abfallgebührenhaushalt nicht von den Kosten der Einsammlung von Verpackungsabfällen betroffen“.

Infos zum gelben Sack in Mainz

Zweckverband Abfallwirtschaft Region Trier

Stadt Mainz

Stadt Kaiserslautern

Jakob Becker Entsorgungs-GmbH

Stadt Bad Kreuznach

Stadt Trier

Tagesordnung Stadtrat Mainz (18. Dezember 2019), die gelbe Tonne ist Punkt 51

Entsorgungsbetrieb der Stadt Mainz