Archivierter Artikel vom 03.02.2021, 05:40 Uhr
Kaiserslautern

Stadtplaner: Pandemie auch Chance zum Gestalten für Kommunen

Der Stadtplaner Holger Schmidt sieht in der Corona-Pandemie auch eine Chance zum Gestalten für Kommunen. „Wenn Läden durch die Krise schließen müssen und die Einkaufsstadt damit ein Stück weit verschwindet, sollten Kommunen überlegen, wie die Innenstadt künftig aussehen soll“, sagte der Professor für Stadtumbau und Ortserneuerung an der TU Kaiserslautern. „Vielleicht kommen ja Wohnen, Verwaltung, Dienstleistung und Kultur zurück, die der heute noch dominante Handel einst verdrängte, und bilden eine neue Symbiose“, sagte Schmidt der Deutschen Presse-Agentur.

Von dpa/lrs
Innenstädte
Leer steht ein ehemalige Reisebüro in der Mainzer Innenstadt.
Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/Symbolbild

Natürlich würden heute viele Menschen im Internet einkaufen. „Dieses Rad kann eine Stadt nicht mehr zurückdrehen“, betonte er. Wichtig sei aber die Botschaft, keine funktionsgetrennte Innenstadt mehr zu haben, sondern eine gemischte. „Also ein Stadtzentrum, in dem wieder jemand wohnt oder eine Gaststätte hat. Erlebnisse stärken eine Innenstadt. Das kann das Internet nicht bieten.“ Dass Büros durch verstärktes Homeoffice wegfallen werden, schloss Schmidt nicht aus. „Kann sein. Vielleicht brauchen Sie die Türme in der Innenstadt von Frankfurt nicht mehr, wenn viele Menschen künftig zuhause arbeiten.“

Wichtig sei, die Entwicklung nicht allein dem Markt zu überlassen, ohne aber gleichzeitig die Innenstadt zu verstaatlichen. Dafür gebe es in Rheinland-Pfalz kluge Beispiele. „Landau macht hier eine ganz aktive Politik, auch Trier mit seinen Touristen. Und Koblenz hat im Zuge der Bundesgartenschau viel getan.“ All dies sei aber kein Selbstläufer, unterstrich Schmidt. „Strukturierte Veränderung setzt voraus, dass Kommunen sagen: Hier habe ich einen Gestaltungswillen. Dafür benötigen sie natürlich auch die notwendige Finanzausstattung und einen personellen Sachverstand in Rat und Verwaltung.“

Innenstädte effizient aufzuwerten, gilt auch als ein Thema rund um die Landtagswahl am 14. März. Erst vor wenigen Tagen beschloss der Landtag in Mainz parteiübergreifend eine Änderung des sogenannten Landesgesetzes über lokale Entwicklungs- und Aufwertungsprojekte. Es gilt als erfolgreiches Instrument zur Innenstadtgestaltung.

© dpa-infocom, dpa:210203-99-278613/2

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