St. Johannis vom Innenputz befreit: Raum für Spiritualität

Wissenschaftler und Archäologen haben den alten Dom verlassen, jetzt kümmern sich Bauarbeiter um die Stabilisierung. Die evangelische Kirche muss nun entscheiden, wie der besondere Raum dauerhaft gestaltet werden soll.

In der Kirche St. Johannis in Mainz befindet sich ein Gerüst
In der Kirche St. Johannis in Mainz befindet sich ein 15 Meter hohes Gerüst.
Foto: Peter Zschunke/dpa-Zentralbild/dpa

Mainz (dpa/lrs). Nach Abschluss der jahrelangen Grabungen in der Mainzer Johanniskirche treten die Planungen für die künftige Gestaltung in eine entscheidende Phase. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) habe die Corona-Zeit genutzt, um die statische Sicherung des Kirchengebäudes voranzutreiben und im Innenraum den Putz aus den 1950er Jahren zu entfernen, sagte Dekan Andreas Klodt am Donnerstag. Für diese Arbeiten wurde bis unter die Decke ein 15 Meter hohes Gerüst eingezogen, das bis Ende des Jahres wieder entfernt werden soll.

Im Augenschein der dann sichtbaren Gesamtwirkung von St. Johannis soll dann entschieden werden, „ob das Ganze steinsichtig bleibt“, ob also das Mauerwerk unverputzt bleiben soll, wie Klodt erklärte. Landeskirche, Dekanat und Kirchengemeinde wollten zusammen mit Experten sorgfältig überlegen, wie der endgültige Zustand der Kirche aussehen solle.

Auch nach dem Abschluss der im Sommer 2013 begonnenen Grabungen werde noch baubegleitend geforscht, sagte Klodt. Ein ursprünglich geplantes wissenschaftliches Symposium konnte wegen der Pandemie bislang nicht stattfinden, die umfassende Dokumentation der Ergebnisse ist noch im Gange.

Die Grabungen konnten nachweisen, dass die heute evangelische Johanniskirche der erste Dom der Bischofsstadt war – vor dem später erbauten heutigen Dom, der seit 1036 Bischofssitz ist. Bei den Grabungen wurde ein Sarkophag im Boden entdeckt und 2019 geöffnet. Fünf Monate danach gab Forschungsleiter Guido Faccani bekannt, dass es sich bei dem Toten „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ um Erzbischof Erkanbald handelt, der im Jahr 1021 starb.

Am Bauzaun erhalten Passanten Informationen und Einblicke zu den Grabungsergebnissen. Auch soll es mit Entspannung der Corona-Situation zunehmend mehr Möglichkeiten für Besuche und Gottesdienste geben. „Wir halten die Kirche offen, wir laden die Menschen ein“, sagte Klodt. „Spiritualität ist hier in jeder Ecke möglich.“

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