Archivierter Artikel vom 08.08.2020, 09:50 Uhr

Spenden für Schifferstadt: Hoffnung für Ringermuseum

Ein deutschlandweit einzigartiges Museum dokumentiert in der Pfalz die Glanzzeiten des Ringens. Schifferstadt hat einen festen Platz auf der Weltkarte des Sports – auch wegen der Kampflegende Wilfried Dietrich. Aktuell muss das Haus jedoch eine schwere Krise schultern.

RingermuseumLesezeit: 2 Minuten
Deutsches Ringermuseum
Kleidungsstücke hängen in den Räumen des Deutschen Ringermuseums.
Foto: Uwe Anspach/dpa/Archivbild

Schifferstadt/Oer-Erkenschwick (dpa/lrs) – Nach der Schließung wegen eines Wasserschadens soll eine Spendenaktion nun Deutschlands einziges Ringermuseum retten helfen. „Das Ziel lautet: Das Deutsche Ringermuseum eröffnet spätestens 2021 wieder in Schifferstadt“, sagte der Präsident des Ringerverbands Nordrhein-Westfalen, Jens-Peter Nettekoven. Der CDU-Landtagsabgeordnete ist Initiator eines Projekts zugunsten des Ausstellungshauses in der Ringerhochburg Schifferstadt (Rheinland-Pfalz). Die Nutzung der dortigen Räume war im Frühjahr wegen eines Wasserschadens und einer Kündigung unmöglich geworden.

Nettekovens Idee: Wer Geld für Schifferstadt spendet, erhält drei spezielle Armbänder. „Die Bänder sollen das Bewusstsein für das Museum stärken“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Wenn 1000 Freunde der schönsten Sportart der Welt je 10 Euro spenden, würden diese 10 000 Euro bereits eine große Unterstützung für den Umbau und so weiter bedeuten. Aber da viele deutlich höhere Beträge gespendet haben, werden wir bis Ende 2020 mehr als 10 000 Euro erzielen.“

Das Museum war 2010 eröffnet worden. In einem Fachwerkhaus waren auf rund 140 Quadratmetern Pokale und Medaillen sowie Ringerkleidung und historische Exponate zu sehen. Sie stammen überwiegend aus der Sammlung des Schifferstadter Kürschnermeisters Jürgen Fouquet. Rheinland-Pfalz hat über Jahrzehnte Ringer-Größen wie den „Kran von Schifferstadt“, Wilfried Dietrich (1933-1992), hervorgebracht.

In Schifferstadt freut man sich über die Spendenaktion. „Aber das Wichtigste ist: Wir brauchen ein Gebäude“, sagte Schatzmeisterin Claudia Detroy. Das Museum benötige ein langfristiges Konzept – und eben ein Haus in der Ortsmitte. „Ein Museum am Stadtrand macht keinen Sinn. Aber der Immobilienmarkt ist leer. Und Corona erschwert die Suche zusätzlich“, klagte Detroy. Ein Wasserschaden hatte zunächst Urkunden und seltene Bücher zerstört, dann erhielt das Museum noch die Kündigung wegen Eigenbedarfs für Ende 2020. Schifferstadts Bürgermeisterin Ilona Volk (Grüne) unterstützt die Suche nach einer Bleibe. „Wir legen unsere Hände nicht in den Schoß“, betonte sie.

Nettekoven sagte, als Ringer und Verbandspräsident habe ihm das Herz geblutet, als er erfahren habe, dass das Museum schließe und die Erinnerungen in Umzugskisten verpackt in einer Lagerhalle stünden. Der Mensch lebe auch von Erinnerungen. „Damit diese Erinnerungen für alle sichtbar werden und bleiben, ist ein Museum wichtig.“ Der Abgeordnete will zur Rettung nun Verein, Kommune, Land und Bund ins Boot holen. Schließlich sei Ringen eine der ältesten olympischen Sportarten der Welt – und Deutschland habe viele Erfolge vorzuweisen.

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