Archivierter Artikel vom 25.02.2020, 07:40 Uhr

Sozialmediziner sieht Distanz in Politik zu sozial Schwachen

Mainz (dpa/lrs) – Der Mainzer Sozialmediziner Gerhard Trabert sieht eine Entfremdung der Politik vom Alltag sozial schwacher Menschen. „Da ist häufig so eine große Distanz zu der Lebensrealität der Menschen, die von Transferleistungen leben müssen“, sagte Trabert in einem Redaktionsgespräch der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Er glaube, dass Parteien mit dem Thema soziale Gerechtigkeit sehr wohl punkten könnten, auch wenn etwa SPD und früher auch Grüne damit weniger erfolgreich gewesen seien.

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Sozialmediziner Gerhard Trabert
Gerhard Trabert, Sozialmediziner, fasst sich an den Kopf.
Foto: Andreas Arnold/dpa

„Ich habe schon das Gefühl, dass sich was ändert“, sagte Trabert. „Der soziale Absturz kommt immer näher, immer mehr in die Mittelschicht, immer mehr Menschen spüren, es gibt nicht diese Sicherheit.“ Wenn das noch mehr gesehen werde, werde der Zuspruch für eine Politik der sozialen Gerechtigkeit größer. Davon profitierten dann auch die Parteien, die das Thema schon lange betont hätten.

Trabert ist Vorsitzender des Vereins Armut und Gesundheit in Mainz und Professor für Sozialmedizin und Sozialpsychiatrie an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden. Vom Deutschen Hochschulverband wurde er zum Hochschullehrer des Jahres 2020 gekürt, den Preis wird der im April in Berlin erhalten.

Trabert forderte im Gespräch mit der dpa eine deutliche Anhebung der Hartz-IV-Sätze in Deutschland. Gegner einer Erhöhung argumentierten, dass es einen Abstand zwischen Hartz IV und dem Mindestlohn geben müsse. Er stehe wie zahlreiche Wohlstandsverbände dafür, dass es 30 Prozent mehr sein müssten, um Betroffenen ein menschenwürdiges, partizipatives Leben zu ermöglichen. „Dieses Abstandsargument sagt nur etwas darüber aus, wie gering der Mindestlohn ist.“ Momentan habe er eher wenig Hoffnung, dass sich bei dem Thema politisch etwas tue.

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