Archivierter Artikel vom 04.03.2021, 18:30 Uhr

Schulcampus bringt digitales Lernen in Rheinland-Pfalz voran

Mehr als 100 Schulen sind schon dabei, für das nächste Schuljahr werden doppelt so viele erwartet: Nach dem Ende der Pilotphase ist die neue Bildungsplattform im pädagogischen Alltag angekommen.

Stefanie Hubig lächelt
Stefanie Hubig (SPD), Bildungsministerin in Rheinland-Pfalz, lächelt.
Foto: Michael Kappeler/dpa/Archivbild

Mainz (dpa/lrs). Schülerinnen und Schüler führen Protokoll über eigene Lernfortschritte, Lehrer klicken sich vom Lehrplan zum nächsten Fortbildungskurs. Der neue Schulcampus Rheinland-Pfalz bündelt diese und weitere Werkzeuge rund ums digitale Lernen. Zum Abschluss der Pilotphase sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Donnerstag in Mainz, die Schulplattform im Netz biete viele Vorteile für den pädagogischen Alltag und greife bereits Erfahrungen der Pandemie-Zeit mit dem Fernunterricht auf.

Der Schulcampus integriert bislang sechs Bausteinen mit jeweils eigenen Aufgaben. Neben der für Lernkurse entwickelten Plattform moodle@RLP lädt die Startseite unter anderem zu einer Mediathek mit 27 000 geprüften Medien und Materialien ein. Ein Datei-Manager unterstützt gängige Office-Programme wie Word und Excel. Texte oder Tabellen können in Echtzeit gemeinsam bearbeitet werden. Lehrerinnen und Lehrer greifen auf Lehrpläne zu und erhalten von dort aus einen Zugang zu passenden Fortbildungsangeboten.

Eine Curriculum-Anwendung ermöglicht Schülerinnen und Schülern eine Selbsteinschätzung, wie weit sie den geforderten Lehrstoff bereits beherrschen. Integriert ist ebenfalls das Videokonferenzsystem BigBlueButton, wie Moodle eine Open-Source-Lösung, also Software, deren Quellcode von allen weiterentwickelt werden kann. Auch Eltern sollen einzelne Teile der Plattform nutzen können, etwa einen noch zu entwickelnden Messenger-Dienst für die Kommunikation mit der Schule.

Mit dem Schulcampus und der damit möglichen einmaligen Anmeldung (Single Sign-On) für unterschiedliche digitale Werkzeuge stehe Rheinland-Pfalz zusammen mit Bayern an der Spitze der Bundesländer, sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). Die Direktorin des Pädagogischen Landesinstituts, Birgit Pikowsky, fügte hinzu, der Schulcampus sei so entwickelt worden, dass auch eine Zusammenarbeit mit anderen Bundesländern möglich sei. Dies geschehe bereits insbesondere mit Bayern und Baden-Württemberg – „wir arbeiten eng zusammen und denken über Weiterentwicklungen nach“.

Im Anschluss an die 48 Schulen der Pilotphase haben bislang 276 Schulen einen Zugang beantragt. Seit dem 1. März wurden 91 Schulen neu angeschlossen. Hubig erwartet, dass sich die Nutzerzahl im kommenden Schuljahr verdoppeln wird. Viele Schulen hätten sich für ein Startdatum im Sommer entschieden, um nicht im laufenden Schuljahr auf ein neues System einzusteigen. Die Entscheidung dafür liegt bei jeder einzelnen Schule.

Der Schulcampus bringe die Digitalisierung in der Bildung mit einem riesigen Schritt weiter voran, sagte Dreyer, die die Plattform als ihr persönliches Lieblingsprojekt bezeichnete. Der Schulcampus werde das digitale Lernen auch über die Corona-Zeit hinaus enorm erleichtern.

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