Archivierter Artikel vom 08.08.2020, 10:40 Uhr

S-Bahnen im Rhein-Main-Gebiet bei Pünktlichkeit ganz hinten

Warten macht den wenigsten Fahrgästen Spaß, besonders wenn im Berufsverkehr die Zeit knapp wird. Im Rhein-Main-Gebiet sind Pendler mehr als in den meisten anderen Städten von Verspätungen betroffen.

Lesezeit: 2 Minuten
S-Bahn in Frankfurt
Eine S-Bahn steht im Frankfurter Hauptbahnhof.
Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/Archivbild

Berlin/Hofheim (dpa) – Im Rhein-Main-Gebiet haben S-Bahn-Kunden im vergangenen Jahr besonders häufig auf einen verspäteten Zug warten müssen. Das geht aus Zahlen der Deutschen Bahn zum Jahr 2019 hervor. Die Bahnen im Rhein-Main-Gebiet landeten demnach gemeinsam mit denen aus dem Rhein-Neckar-Gebiet bundesweit hinten mit einer Pünktlichkeit von nur gut 92 Prozent. Als verspätet zählt die Bahn in der Regel nur Züge, die mindestens sechs Minuten überfällig sind.

In Rostock blieben 99,2 Prozent der S-Bahnen darunter. Es folgen Berlin mit 98 Prozent sowie Dresden, Hamburg, Nürnberg und die S-Bahn Mitteldeutschland mit jeweils rund 97 Prozent. München ließ deutlich nach und erreicht noch gut 93 Prozent.

Für den Nahverkehr seien die Länder zuständig, antwortete der Bahnbeauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann, auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag. Jährlich erhielten sie dafür mehr als neun Milliarden Euro vom Bund. Was unternommen werde, um Verspätungen zu vermeiden, hänge vom Einzelfall ab.

„Die Pünktlichkeitswerte sind in jenen Städten gut, in denen die S-Bahn nicht ihr Gleis mit zahlreichen Fern- und Güterverkehrszügen teilen muss“, sagte Matthias Gastel, der Verkehrspolitiker der Grünen. Mischverkehre müssten entzerrt werden. „Es sollte möglich sein, die großen Knoten im Schienennetz mit zielgerichteten Ausbaumaßnahmen zu entlasten.“

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) verwies auf Anfrage ebenfalls auf „die extrem hoch ausgelastete Infrastruktur“. Im Rhein-Main-Gebiet seien die S-Bahnen nur auf etwa einem Drittel ihrer Strecke auf eigenen Gleisen unterwegs, die Berliner S-Bahn dagegen fahre nahezu ausschließlich auf eigenen Gleisen. Mit der Corona-Pandemie seien die Bahnen pünktlicher geworden, da auch die Auslastung der Strecken sank: Zwischen Mitte März und Anfang Mai seien Werte von mehr als 96 Prozent, teilweise sogar mehr als 97 Prozent erreicht worden.

Der RMV setze auf mehrere Maßnahmen, um die Pünktlichkeit auch im Normalbetrieb zu verbessern, wie etwa Einstiegslotsen und die Anschaffung von 21 zusätzlichen Zügen bis 2023. Zudem müsse der Ausbau des Schienennetzes vorangetrieben werden, forderte eine Sprecherin.