Archivierter Artikel vom 12.05.2021, 10:30 Uhr
Saarbrücken

Saar-Regierung plant Impfangebot für Kinder ab zwölf Jahren

Bislang dürfen Kinder noch nicht gegen Corona geimpft werden. Das könnte sich bald ändern: Das Saarland bereitet Impfungen von Kindern schon mal vor. Und darüber wird gestritten.

Von dpa/lrs
Impfung
Eine Flüssigkeit tropft aus der Kanüle einer Spritze.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Illustration

Saarbrücken (dpa/lrs) – Im Saarland sollen Kinder ab zwölf Jahren noch im Sommer ein Impfangebot gegen Covid-19 bekommen. „Unser Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen so schnell es geht ein Impfangebot zu machen“, sagte Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) am Mittwoch vor dem Landtag in Saarbrücken. Dieses Impfangebot solle erfolgen, sobald die europäische Arzneimittelbehörde EMA einen Impfstoff dafür freigegeben haben. Sie hoffe, dass das Impfangebot bis spätestens August erfolgen könne. Im Saarland wären davon etwa 60 000 Kinder ab zwölf Jahren betroffen.

Die beiden Oppositionsparteien im saarländischen Landtag, die Linke und die AfD, lehnen eine mögliche Impfung von Kindern gegen Covid-19 ab. „Das halten wir für nicht verantwortlich“, sagte der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, Oskar Lafontaine. „Wir sind strikt gegen eine Zwangsimpfung von Kindern. Und wir sind strikt dagegen, überhaupt Kinder zu impfen, bis gesicherte Ergebnisse vorliegen“, sagte der AfD-Fraktionschef Josef Dörr.

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA prüft derzeit in einem Eilverfahren die Zulassung des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer für Kinder zwischen zwölf und 15 Jahren. Im knapp eine Million Einwohner zählenden Saarland haben nach Bachmanns Angaben bisher 500 000 Menschen die Erstimpfung erhalten. 100 000 sind zum zweiten Mal geimpft. Bachmann teilte mit, sie wolle noch im Mai einen „runden Tisch“ einberufen, bei dem alle Fragen der Impfung von Kindern erörtert werden sollten.

Lafontaine verwies auf Bedenken von Ärzten gegen eine in den USA und Kanada bereits erfolgte Zulassung des Corona-Impfstoffs für Jugendliche unter 16 Jahren: „Die vorliegenden Zahlen sind nicht ausreichend, um ein abschließendes Urteil zu haben.“ Vielmehr müsse im Saarland die Impf-Priorisierung eingehalten werden: „Wir müssen dafür sorgen, dass die älteren Menschen nicht erkranken und dann den Tod finden.“ Er könne die Impfung von Kindern nach derzeitigem Wissen „nicht empfehlen“. Den Eltern riet er: „Lassen Sie sich nicht ins Bockshorn jagen, lassen Sie sich nicht verängstigen. Prüfen Sie das sorgfältig. Bei den meisten Kindern ist es nun einmal gesichert, dass kein schwerer Krankheitsverlauf eintritt.“

Der Abgeordnete Hermann Scharf (CDU) mahnte, „etwas abzurüsten“ und „zur Sachlichkeit und Redlichkeit zurückzukehren“. Er fügte hinzu: „Wir brauchen gar keinen Druck zu machen bei Kindern und Jugendlichen. Noch ist der Impfstoff für unter 16-jährigen nicht zugelassen in Deutschland. Er befindet sich im Moment im Prüfverfahren.“

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Ulrich Commerçon sagte, eine Impfung dürfe auf keinen Fall Voraussetzung für Kinder sein, um Bildungs- und Freizeiteinrichtungen zu besuchen oder soziale Kontakte zu haben. „Es darf keine Impfpflicht durch die Hintertür geben.“ Wenn man sicher sein könne, einen guten und sicheren Impfstoff für Kinder und Jugendliche zu haben, „dann sollten wir auch dazu einladen“. Die Abgeordnete Martina Holzner (SPD) betonte, „unabdingbar“ sei eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko): „Diese muss abgewartet werden und vorher kann kein Konzept vorgelegt werden.“ Ein Impfangebot könne es nur geben, wenn es seitens der EMA und der Ständigen Impfkommission keine Einwände gebe.

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