Archivierter Artikel vom 25.05.2020, 01:30 Uhr
Mainz

Rheinland-Pfalz setzt auf Wasserstoff-Verbrennungsmotor

Wissing sieht in mit Wasserstoff betriebenen Verbrennungsmotoren eine Riesenchance für die rheinland-pfälzische Nutzfahrzeugbranche. Ein neuer Teststand soll die Entwicklung der Technologie beschleunigen, die Opposition sieht keinen allzu großen Wurf des Ministers.

dpa/lrsLesezeit: 2 Minuten
Zapfhahn einer Wasserstoffzapfsäule
Ein Mann hält den Zapfhahn einer Wasserstoffzapfsäule an den Stutzen eines Wasserstoffautos.
Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

Mainz (dpa/lrs). Um die Nutzfahrzeug-Branche in Rheinland-Pfalz zukunftsfest zu machen, will die Landesregierung die Entwicklung von Motoren für die Direktverbrennung von Wasserstoff vorantreiben. Ein Teil einer Wasserstoff-Strategie für den im Land starken Nutzfahrzeugsektor, die Wirtschaftsminister Volker Wissing (FDP) am Montag in Mainz vorstellte, ist die Förderung eines technischen Prüfstands für genau solche Motoren an der Technischen Universität Kaiserslautern mit 400 000 Euro. Hier solle geprüft werden, wie Verbrennungsmotoren für den Betrieb mit Wasserstoff modifiziert werden müssten. Die Opposition spricht von einem „Einstieg in das Thema“, vermisst aber eine echte Strategie.

Wissing erklärte, es gehe bei Nutzfahrzeugen darum, einerseits Kohlenstoffdioxid einzusparen und zum anderen hohe Leistungen, wie sie Bau- oder Landmaschinen brauchen, zu ermöglichen. Das sei mit der Wasserstoff-Brennstoffzelle oder einem Batteriebetrieb nicht möglich, könnte aber mit der Direktverbrennung von Wasserstoff gelingen. Ob die Technik auch mal für Autos interessant werde, müsse abgewartet werden.

„Es sieht momentan so aus, als dass das die Alternative für die Nutzfahrzeugbranche ist“, erklärte Martin Thul vom Commercial Vehicle Cluster (CVC) Südwest in Kaiserslautern mit Blick auf den Wasserstoff-Verbrennungsmotor. CVC ist eine Art Netzwerk von in der Nutzfahrzeugbranche tätigen Akteuren. Auf dem Wege könnten Wirkungsgrade wie bei einem Dieselmotor erreicht werden, als Abgas entstehe nur Wasserdampf. Es gebe schon einzelne Motoren, die so arbeiteten, hier müsse nun die weitere Forschung ansetzen.

Der wirtschafts- und verkehrspolitische Sprecher der oppositionellen CDU-Landtagsfraktion, Helmut Martin, sagte, Rheinland-Pfalz sei weiter „meilenweit“ von einer echten Strategie entfernt. Noch seien viele Fragen offen, etwa woher der Wasserstoff bezogen werden könne und wie die rheinland-pfälzischen Ideen mit denen des Bundes und der angrenzenden Länder vernetzt werden könnten.

Ausgangspunkt der von Wissing vorgestellten Wasserstoffstrategie für Nutzfahrzeuge war eine vom Ministerium 2019 in Auftrag gegebene Studie zu Stärken und Schwächen des Nutzfahrzeug-Standortes Rheinland-Pfalz. Dazu waren zwischen November 2019 und März 2020 sowie nochmals Anfang April Gespräche mit rund 40 Vertretern aus der Fahrzeugbranche, der Wissenschaft sowie mit Verbänden und Initiativen geführt worden.

Als Stärken machte die Studie etwa eine starke mittelständische Wirtschaft aus sowie eine hohe Exportorientierung. Zu den Schwächen zählte sie unter anderem eine „ausbaufähige“ auch digitale Infrastruktur sowie eine „geringe Sichtbarkeit des Landes als Industrie- und Technologiestandort“. Dabei sitzen in Rheinland-Pfalz Größen der Nutzfahrzeugbranche wie Daimler mit seinem größten Lkw-Werk in Wörth, das Entwicklungszentrum des Landmaschinenherstellers John Deere in Kaiserslautern und der Arbeitsmaschinen-Produzent Bomag in Boppard.