Regierung: Felssturz auf Gleise verursacht Millionenkosten

Rund ein Viertel aller rechtsrheinischen Güterzüge zwischen Wiesbaden und Koblenz wird sehr weiträumig umgeleitet. Heruntergekrachtes Schiefergestein blockiert weiter die Gleise nahe der Loreley.

Tabea Rößner (Bündnis90/ Die Grünen)
Tabea Rößner (Bündnis 90/Die Grüne), Mitglied des Deutschen Bundestags.
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Kestert (dpa). Nach dem Felsrutsch auf Europas meistbefahrener Güterzugstrecke Mitte März rechnet die Bundesregierung mit Folgekosten in Millionenhöhe. Laut Deutscher Bahn sei „nach ersten groben Schätzungen von Gesamtkosten in Höhe von mehreren Millionen Euro auszugehen“, erklärte das Bundesverkehrsministerium auf Anfrage der Mainzer Bundestagsabgeordneten Tabea Rößner (Grüne). Der betroffene Steilhang im Mittelrheintal bei Kestert nahe dem berühmten Loreley-Felsen sei im Eigentum der Bahntochter DB Netz AG. „Ein Versicherungsschutz besteht nicht“, teilte das Ministerium mit.

Am 15. März waren hier schwere Schieferplatten auf die Schienen am Rhein gekracht. Verletzte gab es nicht. Die rechtsrheinischen Gleise sind laut Deutscher Bahn Teil von Europas meistbefahrener Güterzugstrecke zwischen Genua und Rotterdam. Sie bleiben vorerst gesperrt. Die Deutsche Bahn war nach eigenen Worten Ende März davon ausgegangen, „den Betrieb noch im April wiederaufzunehmen“. Experten arbeiten unter Hochdruck an der Hangsicherung mit riesigen Netzen.

Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums vom Dienstag werden derzeit jeden Tag durchschnittlich 85 der 114 normalerweise rechtsrheinisch verkehrenden Güterzüge auf die linksrheinische Strecke umgeleitet. Daraus folgt, dass täglich etwa 29 Güterzüge noch größere Umwege fahren müssen. Auf den linksrheinischen Gleisen kommt es wegen der hohen Auslastung dem Ministerium zufolge „vor allem in der Hauptverkehrszeit morgens und abends zu einigen Verzögerungen“. Für rechtsrheinische Bahnreisende gibt es bei Kestert Ersatzbusse. Gewöhnlich fahren hier täglich etwa 56 Regionalzüge mit Fahrgästen.

Rößner kritisierte am Donnerstag: „Das Mittelrheintal ist überlastet und der Felssturz war ein Schuss vor den Bug.“ Letztlich sei eine schon seit langem diskutierte Alternativtrasse unausweichlich – auch im Sinne einer Verkehrswende in der Klimakrise. Dabei müssten „Folgekosten durch mögliche Störungen wie dem Felssturz infolge fehlender Ausweichmöglichkeiten angemessen“ berücksichtigt werden.

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