Archivierter Artikel vom 18.02.2021, 11:20 Uhr
Fischbach

Polizei sucht nach Sprengfallen

Ein Holzscheit explodiert im Kamin eines Wohnhauses, eine Frau wird verletzt. Gibt es einen Zusammenhang mit Sprengfallen von vor zwei Jahren? Am Donnerstag fährt deswegen die Polizei in einem kleinen Ort in der Pfalz vor – im Gepäck ein ganz besonderer Apparat vom BKA.

Von dpa/lrs
Polizei-Illustration
Ein Streifenwagen der Polizei steht mit eingeschaltetem Blaulicht auf der Straße.
Foto: Carsten Rehder/dpa/Illustration

Fischbach (dpa/lrs) – Ein Kriminalfall mit tödlichen Sprengfallen sorgte vor zwei Jahren in Rheinland-Pfalz für Aufregung – nun haben Ermittler nach weiteren heimtückischen Explosionsvorrichtungen gesucht. Mit Hilfe eines mobilen Röntgengeräts durchleuchtete die Polizei am Donnerstag mehrere Stunden lang einen verdächtigen Brennholzstapel in Fischbach (Kreis Kaiserslautern) Stück für Stück. Den Beamten wurde der Spezialapparat vom Bundeskriminalamt (BKA) zur Verfügung gestellt, wie das Polizeipräsidium Westpfalz mitteilte.

Anlass für die ungewöhnliche Aktion war die Explosion eines Holzscheits im Kamin eines Wohnhauses am 12. Februar. Bei dem Zwischenfall in Otterberg war eine Frau von einem umherfliegenden Ofenteil leicht verletzt worden. Das womöglich mit Sprengpulver manipulierte Holzscheit weckte bei Ermittlern die Erinnerung an einen Fall von 2019, der seinerzeit bundesweit für Aufsehen gesorgt hatte.

Ein 59 Jahre alter Landschaftsgärtner hatte damals hinterlistige Explosionsvorrichtungen ausgelegt – drei Menschen wurden verletzt, als ein mit Schwarzpulver präpariertes Holz explodierte. Zudem tötete er einen Arzt mit einer Sprengfalle aus einer Handgranate und Stahlkugeln. Hintergrund war demnach privater und geschäftlicher Streit. Der mutmaßliche Täter starb während der Ermittlungen.

Ist nun ein bisher schlummerndes Überbleibsel explodiert, und warten in Holzstapeln in Rheinland-Pfalz weitere unentdeckte Sprengfallen? Das manipulierte Stück in Otterberg stammte aus dem Holzlager in Fischbach, dort rückten die Ermittler nun an. Zwar hatte ein Spezialhund den Stapel abgesucht und nichts Verdächtiges gefunden. Aber die Behörden wollten ganz sicher sein. Sorgsam lief jedes Scheit durch das in einem Kleinbus montierte Röntgengerät. Die Polizei prüfte etwa, ob sich in gebohrten Hohlräumen Schwarzpulver befinden könnte. Beamte fuhren die gescannten Stücke in einer Schubkarre weg.

„Sämtliche Holzstücke wurden durchleuchtet“, teilte die Polizei nach der Aktion mit. „Weitere manipulierte Holzscheite oder andere verdächtige Gegenstände wurden nicht gefunden.“ Die Ermittler betonten aber, dass eine Verbindung zum gestorbenen Landschaftsgärtner aus Mehlingen, der vor zwei Jahren einzelne Sprengfallen auslegte, weiterhin nicht ausgeschlossen werden könne. „Die Polizei ermittelt in alle Richtungen.“

Das Ehepaar aus Otterberg, in deren Haus das Holzscheit am 12. Februar explodierte, kannte den Landschaftsgärtner nicht. Der Besitzer des Stapels, von dem das präparierte Stück stammte, kann keine Auskunft mehr geben: Er ist der Polizei zufolge gestorben.

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