Archivierter Artikel vom 25.05.2020, 10:10 Uhr
Mainz

Nächste Stufe der Schulöffnungen

An den weiterführenden Schulen sind jetzt auch die Räume der unteren Klassen wieder besetzt. „Sehr diszipliniert“ seien die Schülerinnen und Schüler gewesen, sagte eine Rektorin. GEW und CDU fordern Corona-Tests für Lehrkräfte.

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Grundschule
Eine Schülerin sitzt zu Beginn des Unterrichts auf ihrem Platz.
Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Mainz (dpa/lrs). Mehr als zwei Monate nach Schließung der Schulen wegen der Corona-Pandemie sind am Montag bis zu 107 000 weitere Kinder und Jugendliche in Rheinland-Pfalz in die Schulen zurückgekehrt. Damit erhalten jetzt seit Beginn der schrittweisen Öffnung der Schulen am 27. April etwas mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler an den allgemeinbildenden Schulen wochen- oder phasenweise Präsenzunterricht. Die nächste Stufe der schrittweisen Schulöffnungen ist für den 8. Juni geplant.

An den Grundschulen begann am Montag der Präsenzunterricht in den dritten Klassen – dort sind die Viertklässler bereits am 4. Mai zurückgekehrt. Wieder in der Schule sind auch die Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 und 6 an den Realschulen plus, den Integrierten Gesamtschulen und den Gymnasien. Die höheren Klassen der weiterführenden Schulen haben bereits am 4. Mai den Präsenzunterricht wieder aufgenommen.

„Die Fünft- und Sechstklässler sind gut angekommen“, sagte die Leiterin des Gymnasiums am Kurfürstlichen Schloss in Mainz, Karin Ding. „Sie sind sehr diszipliniert gewesen.“ Zur Pause sollen Abstandsmarkierungen auf dem Schulhof dabei helfen, die Hygieneregeln einzuhalten. Auch gibt es nach Angaben der Schulleiterin verstärkte Pausenaufsichten, die Schülerinnen und Schüler der fünften und sechsten Klassen werden von Lehrkräften in die Pause geführt und auch wieder abgeholt.

Im Wochenrhythmus wird nun abwechselnd Fern- und Präsenzunterricht erteilt. Für die fünften und sechsten Klassen stehe es jetzt im Mittelpunkt, das Schuljahr in der Klassengemeinschaft gut abschließen zu können. Vor allem für den Unterricht in den Fremdsprachen sei es nun auch wichtig, wieder im Klassenraum zu lernen. „Da hat beim Fernunterricht einfach das freie Sprechen gefehlt, was den Fremdsprachenunterricht prägt“, sagte Karin Ding.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE), dessen Mitglieder zumeist an Grundschulen unterrichten, warnte am Montag vor einem zunehmenden Risiko von Corona-Infektionen. Wenn jetzt weitere Schülerinnen und Schüler in ihre Schulen zurückkehrten, erhöhe sich damit das Risiko, „weitere Corona-Fälle in den Schulen zu haben“, erklärte der Landesvorsitzende Gerhard Bold. Inzwischen seien Corona-Fälle an elf rheinland-pfälzischen Schulen bekannt, eine Schule sei weiterhin geschlossen. Mit Blick auf das kommende Schuljahr 2020/21 forderte Bold „eine solide Personalisierung, die alle Eventualitäten berücksichtigt“. Neben einem Konzept für den weiterhin erwarteten Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht müssten Schulen auch mit dem entsprechenden Personal ausgestattet werden.

Die Gewerkschaft GEW zeigte sich am Montag besorgt, dass die Corona-Krise Bildungsungerechtigkeit verstärke. „Kinder mit Lernproblemen sind durch die Schulschließungen besonders betroffen.“ Der Landesvorsitzende Klaus-Peter Hammer kritisierte in einer Mitteilung: „Wir stellen fest, dass der Einsatz digitaler Werkzeuge in erster Linie nicht nur an der mancherorts fehlenden digitalen Infrastruktur der Schulen scheitert, sondern häufig an den sozialen Verhältnissen in den Familien.“

Die GEW Rheinland-Pfalz sprach sich dafür aus, auf freiwilliger Basis in allen Bildungseinrichtungen wöchentliche Tests auf den Corona-Virus möglich zu machen. Die Landesregierung müsse dazu entsprechende Schritte einleiten. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Christian Baldauf forderte am Montag flächendeckende Tests von Erzieherinnen und Erziehern an den Kitas sowie allen Lehrkräften an den Schulen.

An der Nelson-Mandela-Schule in Trier, einer Realschule plus, wurde Schülern und Lehrkräften ein Corona-Test angeboten, nachdem vor zwölf Tagen bei einer Lehrerin eine Corona-Infektion bekannt geworden war. Von bislang 90 Testergebnissen waren alle negativ, wie der Landkreis Trier-Saarburg am Montag mitteilte.

Unterdessen bereiten die Kommunen die Umsetzung der gemeinsam mit dem Bildungsministerium vereinbarten Leitlinien für die Kitas vor – ab Anfang Juni soll dort ein eingeschränkter Regelbetrieb beginnen. Ziel sei es, dass ab Juni alle Kinder wieder in die Kitas kommen könnten, wenn auch zeitlich eingeschränkt, erklärte die Stadt Mainz am Montag zu ihrem Stufenkonzept. Gleichzeitig müssten Kinder und ihre Familien sowie Erzieherinnen und Erzieher so gut wie möglich vor Infektionen geschützt werden.

Stufenplan Schulöffnung