Mordprozess ohne Leiche vor Abschluss: Plädoyers erwartet

Eine Leiche wurde nie gefunden, Spuren nach Frankreich brachten keinen Durchbruch: Nach monatelanger Gerichtsverhandlung stehen nun die Schlussvorträge von Verteidigung und Anklage in einem besonderen Prozess in Saarbrücken an.

Justitia
Eine Statue der Justitia hält eine Waage und ein Schwert in der Hand.
Foto: Arne Dedert/dpa/Symbolbild

Saarbrücken (dpa/lrs) – Der Prozess um einen knapp 30 Jahre zurückliegenden Todesfall in Saarbrücken neigt sich dem Ende entgegen. Nach 21 Verhandlungstagen werden an diesem Freitag (26.11./9.00 Uhr) vor dem Landgericht die Plädoyers erwartet. Nach Angaben einer Gerichtssprecherin hatte die Kammer beim vergangenen Verhandlungstermin bekanntgegeben, dass beabsichtigt sei, die Beweisaufnahme zu schließen. Eine Leiche ist in dem Fall bis heute nicht gefunden worden.

Die beiden deutschen Angeklagten im Alter von 56 Jahren müssen sich wegen gemeinschaftlichen Mordes verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, im September 1991 mit einem Mittäter einen 27-Jährigen aus Völklingen heimtückisch getötet zu haben. Sie sollen ihn wegen eines angeblichen Drogengeschäftes in einen Wald bei Wadgassen gelockt, dort erschlagen und in einer vorbereiteten Grube vergraben haben. Der dritte der mutmaßlichen Täter, die Anfang August 2020 zunächst in Untersuchungshaft gekommen waren, hatte sich Anfang Januar in seiner Zelle das Leben genommen.

Für den Prozess, der am 1. Februar begonnen hatte, waren ursprünglich sieben Verhandlungstage vorgesehen. Die Haftbefehle gegen die beiden Angeklagten waren am 30. September außer Vollzug gesetzt worden, da laut Gerichtssprecherin zu diesem Zeitpunkt nicht gewährleistet werden konnte, ob der Beschleunigungsgrundsatz eingehalten werden kann.

Die Kammer hatte auf Erkenntnisse aus Frankreich gewartet, nachdem von den Verteidigern Beweisanträge zu einem Schädelfund gestellt worden waren. Nach Angaben der Gerichtssprecherin war jener Fund von den französischen Behörden etwa zehn Jahre nach dem Verschwinden des Opfers als mögliche Spur mitgeteilt worden. „Wobei nach Mitteilung der französischen Behörden nicht von einer so langen Liegezeit des Schädels auszugehen war“, so Christiane Schmitt.

Ob von Seiten der Verteidigung am Freitag noch Anträge gestellt werden, sei nicht bekannt. Als weiterer denkbarer Hauptverhandlungstermin ist der 10. Dezember vorgesehen.

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