Archivierter Artikel vom 15.08.2020, 09:30 Uhr
Homburg

Missbrauchsverdacht an der Uniklinik: Kritik an Aufarbeitung

Der Aufsichtsrat des Universitätsklinikums des Saarlandes (UKS) ist unzufrieden damit, wie der Gesamtvorstand einen Missbrauchsverdacht aufklärt. Der Prozess verlaufe „nicht in der erwarteten Weise“ und sei „kritisch zu bewerten“, teilte der Aufsichtsrat am Freitagabend nach einer Sondersitzung mit. Er habe den Vorstand deshalb aufgefordert, externe Experten für die interne Aufklärung hinzuzuziehen. Auch die Akten auf den Stationen der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie sollten intensiver und zeitnah geprüft werden.

dpa/lrsLesezeit: 1 Minuten

Ende Juni 2019 war bekanntgeworden, dass ein 2016 gestorbener Assistenzarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie von 2010 bis 2014 mehrere Kinder bei Untersuchungen sexuell missbraucht haben soll. Die Eltern der insgesamt 34 möglicherweise betroffenen Kinder waren erst im vergangenen Sommer informiert worden. Die Staatsanwaltschaft hatte damals wegen der Verdachtsfälle ermittelt – das Verfahren aber nach dem Tod des Arztes eingestellt.

Der Saar-Landtag setzte einen Untersuchungsausschuss ein. Seit September 2019 ermittelt er, wie die zum jeweiligen Zeitpunkt beteiligten Stellen mit Verdachtsmomenten und Anhaltspunkten umgegangen sind. Er soll auch klären, warum die Klinikleitung die Eltern nicht informierte, nachdem sie den Arzt 2014 entlassen hatte.

„Trotz einer Fehleinschätzung des Vorstandsvorsitzenden in einer Einzelbewertung“ spreche der Aufsichtsrat diesem sein Vertrauen aus, hieß es am Freitag weiter. Er wolle aber „unverzüglich“ über weitere Schritte und Erkenntnisse informiert werden. Kontroll- und Überwachungsmechanismen sollen zudem als Beitrag zur Prävention weiter gestärkt werden. Der Aufsichtsrat will sich Anfang September wieder mit dem Thema beschäftigen.