Mainzer Schloss knüpft an lange bürgerliche Tradition an

Von der herrschaftlichen Residenz zur Heimstatt der Kulturen – diese Entwicklung hat das Mainzer Schloss schon vor dem Berliner Schloss begonnen. Die Sanierung im kommenden Jahr bildet den nächsten Schritt, wie eine Tagung deutlich macht.

Mainzer Schloss
Mainzer Schloss.
Foto: Peter Zschunke/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Mainz (dpa/lrs). Im Namen weist das Kurfürstliche Schloss auf seine jahrhundertelange Obrigkeit hin, die Kurfürsten und Erzbischöfe von Mainz. Eine geschichtswissenschaftliche Tagung hat jetzt den Blick auf die lange Zeit der bürgerlichen Nutzung gelenkt. Dazu passt die Absicht der Stadt, das Gebäude nach der ab kommendem Jahr geplanten Sanierung vor allem für Kongresse und andere Veranstaltungen zu nutzen.

Die lange Transformation des Schlosses begann 1792/93 mit den Sitzungen des Jakobinerclubs – revolutionär gestimmte Mainzer diskutierten im Akademiesaal der Kurfürsten. In den Wirren danach diente das Schloss mal als Lazarett, mal als Warenlager, 1803 auch als Schauplatz des Tribunals gegen den Räuberhauptmann Schinderhannes. Auf dem Schlossgelände wurde eine Lagerhalle errichtet, die bis zur Fertigstellung des Zollhafens 1887 von der Zollbehörde genutzt wurde.

„Von nachhaltiger Wirkung, auch für die Entwicklung des Schlosses zur guten Stube der Mainzer, war dessen Transformation zu einem Zentrum von Wissenschaft und Kultur“, sagt der Historiker Michael Matheus. Er initiierte die Tagung als Mitglied des Expertengremiums zur anstehenden Sanierung, das Konzept erstellte er zusammen mit Georg Peter Karn von der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz.

Meilensteine dieser Entwicklung waren erst die Gründung des bis heute bestehenden Mainzer Altertumsvereins (1844), dann die des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) im Jahr 1852. Auch die Anfänge des Naturhistorischen Museums und des Gutenbergmuseums lagen im Schloss.

Matheus macht auf „bemerkenswerte Parallelen zwischen den Schlössern in Berlin und Mainz“ aufmerksam. Auch das Berliner Schloss war erst Sitz der Kurfürsten, dann der preußischen Könige und deutschen Kaiser. Später als in Mainz wurde auch das Berliner Schloss zum Kultur-, Kunst- und Wissenschaftszentrum – eine Tradition, an die nun das neue Humboldt-Forum anknüpft.

Für die bevorstehende Sanierung des Mainzer Schlosses empfiehlt der Historiker, „den Aspekt des bürgerschaftlichen Engagements zusammen mit den architekturgeschichtlichen und denkmalpflegerischen Anliegen angemessen zu berücksichtigen“. Auch als Kulturzentrum – eine Bezeichnung, der Matheus den Vorzug gibt vor einem Kongresszentrum – „sollte das Schloss als ein Haus der Mainzer Bürger wahrgenommen werden“.

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