Mainzer Fastnachtsbrunnen feiert närrischen Geburtstag

Helau-Rufe trotz Corona: Die Karnevalshochburg am Rhein bringt zum 55-jährigen Bestehen bunte Farben in das Bronze-Grün des Denkmals. „Die Fastnacht lässt sich nicht absagen“, versichert der Oberbürgermeister.

Fastnachtsbrunnen in Mainz
Der Fastnachtsbrunnen in Mainz.
Foto: Peter Zschunke/dpa-Zentralbild/dpa

Mainz (dpa/lrs). Die Corona-Maske verdrängt den Mummenschanz – aber allen Einschränkungen zum Trotz hat der Mainzer Fastnachtsbrunnen am Freitag Geburtstag gefeiert: Das Wahrzeichen der fünften Jahreszeit am Rhein wurde am 14. Januar 1967 eingeweiht und somit fünf mal elf Jahre alt. Die Elf ist Symbolzahl der Fastnacht, als Abkürzung für die Ideale der Französischen Revolution: Égalité, Liberté, Fraternité (Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit).

Der Präsident des Mainzer Carneval-Vereins (MCV), Reinhard Urban, und Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) schmückten als erste einzelne Figuren des Denkmals mit einem Schal und dem „Zugplakettche“, einer Figur zur Feier der aktuellen Fastnachtskampagne. „Der Fastnachtsbrunnen schafft es, Lebensfreude einzufangen“, sagte Ebling. „Er zeigt uns das Brauchtum in all seinen Facetten.“ Das Denkmal stehe auch für den Wiederaufbau der Stadt nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg. „Die Fastnacht lässt sich nicht absagen“, versicherte Ebling. Mainz werde sich auch unter den Corona-Bedingungen die Freude nicht nehmen lassen.

Anlässlich des närrischen Jubiläums steht die Fastnachtskampagne 2022 in Mainz unter dem Motto: „Des Fastnachtsbrunnens bunte Pracht, strahlt wie ganz Mainz, wenn's singt und lacht.“ Allerdings fiel am Neujahrstag der traditionelle Gardenumzug zum Auftakt der Kampagne aus. Auch der Höhepunkt des Rosenmontagszugs wurde wegen der Corona-Pandemie das zweite Jahr in Folge abgesagt. Was bleibt, ist das Lachen, etwa bei zahlreich geplanten Online-Sitzungen der Fastnachtsvereine.

Das rund neun Meter hohe Bronze-Denkmal am zentralen Schillerplatz in Mainz erschließt sich mit seiner Vielfalt von 200 kleinen Bronzefiguren erst auf den zweiten Blick. Der Münchner Künstler Blasius Spreng (1913-1987) hat in dem Brunnen Gestalten der Fastnacht wie der Stadtgeschichte zusammengeführt, darunter Possenreißer, Gaukler, den Bajazz mit der für Aufklärung sorgenden Laterne, Till Eulenspiegel und die Stadtgöttin Moguntia. Am Fuß des Denkmals sitzt ein Gardist und wäscht seinen Geldbeutel im Brunnenwasser aus – weil am Aschermittwoch alles vorbei ist.

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