Archivierter Artikel vom 16.06.2014, 02:55 Uhr
Mülheim-Kärlich

Lemke: Kein Zwischenlager auf Gelände des Akw Mülheim-Kärlich [Update]

Am Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich soll kein verstrahltes Material zwischengelagert werden. „Das Gelände wird nie ein Zwischenlager werden“, sagte die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) am Montag in Mülheim-Kärlich.

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Mülheim-Kärlich (dpa/lrs) – Der Abbau des Atomkraftwerks Mülheim-Kärlich trifft in der Region auf Zustimmung, es gibt aber vor der entscheidenden Phase auch reichlich Bedenken. Diese werden drei Tage lang bis Mittwoch in Mülheim-Kärlich zwischen Vertretern von Bürgerinitiativen, des Landes Rheinland-Pfalz und des Betreibers RWE erörtert.

Der Rückbau des Akw Mülheim-Kärlich läuft schon . Das Bild zeigt den Abtransport eines 106 Tonnen schweren Wasserbehälters im Frühjahr 2012. Foto: Damian Morcinek
Der Rückbau des Akw Mülheim-Kärlich läuft schon . Das Bild zeigt den Abtransport eines 106 Tonnen schweren Wasserbehälters im Frühjahr 2012.
Foto: Damian Morcinek

Zum Auftakt am Montag sagte Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne), deren Haus für die Genehmigung des Abbaus zuständig ist, die Sicherheit habe bei dem Vorhaben oberste Priorität. Zudem betonte die Ministerin, dass es um einen Rückbau bis zur grünen Wiese gehe. «Das Gelände wird nie ein Zwischenlager werden», sagte sie.

Es dürfe nur zu einer Pufferlagerung zwischen der Zerlegung von Teilen und dem Abtransport kommen. Auch weil das Gelände über einer Erdbebenspalte liege, würde sie ein Zwischenlager nicht genehmigen. Das Akw nahe Koblenz wird seit 2004 rückgebaut, schon 2002 wurden die letzten Brennelemente abtransportiert.

Laut RWE werden insgesamt 500.000 Tonnen Material weggeschafft, der weitaus größte Teil ist nicht radioaktiv belastet. Vom Netz ging die Anlage nach nur 13 Monaten Betrieb 1988 – nach einer Verfügung des Bundesverwaltungsgerichts.

Der Grund: Unter dem Meiler verläuft eine unterirdische Verwerfungslinie – eine Bruchstelle im Gestein. Wann der Rückbau endet, ist noch nicht klar. Das hängt auch davon ab, wann ein Zwischen- oder ein Endlager für den radioaktiven Müll bereitsteht. Der soll in den Schacht Konrad in Salzgitter, das Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle. Dort dürfte frühestens 2019 die Einlagerung beginnen. Sollte es mit Blick auf Schacht Konrad oder ein anderes Lager unerwartet zu Verzögerungen kommen, müsse dies berücksichtigt werden, sagte Lemke.

In Mülheim-Kärlich steht demnächst der Abbau des Herzstücks samt Reaktordruckbehälter an, des sogenannten Primärkreislaufes. Nachdem die Unterlagen für die Genehmigung dieser finalen Abbauphase 2b mehrere Wochen öffentlich ausgelegen worden waren, hatten 267 Menschen fristgerecht Einwände erhoben, die nun diskutiert werden.

Elke Sodemann-Müller von der Bendorfer Umweltinitiative etwa sagte, es dürfte kein verstrahltes Material in den Stoffkreislauf gelangen. «Auch Niedrigstrahlung unterhalb gesetzlicher Grenzwerte gefährdet unser aller Gesundheit.» Die Bevölkerung müsse sich darauf verlassen können, dass ihre Lebensumgebung so wenig wie nur irgend möglich radioaktiv belastet werde.

Der Landesverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnte, große Mengen radioaktiver Stoffe könnten unkontrolliert in die Umwelt abgegeben werden. Markus Storcz, der die Anlage für RWE leitet, sagte, Sicherheit gehe beim Rückbau vor Wirtschaftlichkeit. Die gesetzlichen Regelungen für das Vorhaben stellten die Basis dar, den Schutz der Bevölkerung und der Arbeiter sicherzustellen.

Lemke sagte, notwendig sei ein klug durchdachter Abbauplan. Dafür brauche es die Kenntnis von Fachleuten, die die Anlage kennen. Die gingen irgendwann in Rente, auch das müsse berücksichtigt werden. «Wir brauchen deren Knowhow», sagte sie. Die Genehmigung für die Phase 2b könnte in den kommenden Monaten erfolgen. Definitiv sei das aber noch nicht, möglicherweise seien weitere Erörterungen nötig.