Landtagswahl färbt Karte von Rheinland-Pfalz rot ein

Nur in 4 der 52 Wahlkreise kann sich die CDU bei den Zweitstimmen vor der SPD platzieren. Die Grünen bauen ihre städtischen Hochburgen weiter aus und holen erstmals ein Direktmandat.

Malu Dreyer gibt ein Pressestatement
Malu Dreyer gibt ein Pressestatement.
Foto: Arne Dedert/dpa

Mainz (dpa/lrs). Rheinland-Pfalz ist bei den Zweitstimmen der Landtagswahl fest in SPD-Hand: Die SPD erreichte in 48 der 52 Wahlkreise die meisten Stimmen, wie aus einer Analyse des Landeswahlleiters vom Montag hervorgeht. Die CDU liegt bei den Zweitstimmen nur in 4 Wahlkreisen vorn, die alle im Norden des Landes liegen.

SPD-Hochburgen mit einem Zweitstimmenanteil von mehr als 40 Prozent sind der Landkreis Kusel (41,8), der Rhein-Lahn-Kreis (40,5) und der Landkreis Trier-Saarburg (40,1). Anders als bei der Wahl vor fünf Jahren schneiden die Sozialdemokraten diesmal in Landkreisen (36,1 Prozent) besser ab als in den kreisfreien Städten (34,5 Prozent). „Die SPD siegt in so vielen Landkreisen wie bei keiner der letzten zehn Landtagswahlen“, heißt es in dem Bericht des Landeswahlleiters. Erstmals erreichte die Partei auch eine Mehrheit im Landkreis Vulkaneifel, in dem zuvor seit 1979 die CDU stärkste Partei war.

So muss die CDU diesmal in den Landkreisen höhere Verluste hinnehmen als in den kreisfreien Städten. Allein im Eifelkreis Bitburg-Prüm verliert die Partei 11,2 Prozentpunkte im Vergleich zur Wahl von 2016. Wie bei allen Landtagswahlen seit 1991 erzielen die Christdemokraten im Landkreis Cochem-Zell ihr bestes Ergebnis mit 38,9 Prozent, danach folgt der Kreis Ahrweiler mit 33,8 Prozent. Von den kreisfreien Städten kann die CDU nur in Koblenz und Frankenthal – dem Heimatwahlkreis von Spitzenkandidat Christian Baldauf – einen höheren Anteil an Zweitstimmen erreichen als im Landesdurchschnitt.

Die Grünen finden in den kreisfreien Städten mit 13,7 Prozent weiterhin mehr Unterstützung als in den Landkreisen (8,0 Prozent). Ihre besten Ergebnisse erreicht die Partei in der Landeshauptstadt Mainz (18,7 Prozent) sowie in Trier (17,2) und Landau (16,7). Am schlechtesten schneiden die Grünen in der Stadt Pirmasens und im Kreis Südwestpfalz ab, dort sind es jeweils 5,1 Prozent.

Die AfD erreicht in den kreisfreien Städten ebenso 8,3 Prozent wie in den Landkreisen und bleibt überall hinter ihrem Ergebnis von 2016 zurück. Am größten sind die Verluste in Ludwigshafen mit 7,4 Prozentpunkten, am geringsten in der AfD-Hochburg Pirmasens mit 1,2 Prozentpunkten. Über dem Landesdurchschnitt schneidet die Partei vor allem im südlichen Rheinhessen und in der Pfalz ab.

Auch bei der FDP gibt es kaum Unterschiede zwischen Landkreisen (5,5 Prozent) und Städten (5,4 Prozent). Die meisten Stimmen erhalten die Liberalen im Rhein-Hunsrück-Kreis mit 6,7 Prozent, die wenigsten im Kreis Kusel (4,0 Prozent).

Hingegen sind die erstmals im Landtag vertretenen Freien Wähler auf dem Land (5,9 Prozent) stärker präsent als in den kreisfreien Städten (3,6 Prozent). In der Landeshauptstadt Mainz kommen sie nur auf 1,9 Prozent der Zweitstimmen. Ihr mit Abstand bestes Ergebnis erreichen die Freien Wähler im Eifelkreis Bitburg-Prüm mit 21,3 Prozent.

Bei den Erststimmen kann die SPD fünf Direktmandate mehr gewinnen als die CDU. Die Sozialdemokraten sichern sich 28 der 52 Wahlkreismandate, die CDU 23. Zum ersten Mal können auch die Grünen ein Direktmandat holen. Im Wahlkreis Mainz I schlägt Katharina Binz knapp den SPD-Kandidaten Johannes Klomann.

Das höchste Erststimmenergebnis erzielt Ministerpräsidentin Malu Dreyer für die SPD mit 47,7 Prozent in Trier. Danach folgen der CDU-Kandidat Dennis Junk im Wahlkreis Wittlich (45,4 Prozent), der CDU-Kandidat Horst Gies in Bad Neuenahr-Ahrweiler (45,2 Prozent) und Denis Alt für die SPD im Wahlkreis Kirn/Bad Sobernheim (42,5 Prozent).

Sowohl die niedrige Beteiligung als auch der hohe Anteil an Briefwahlstimmen bei der Landtagswahl am Sonntag sind nach Einschätzung des Landeswahlleiters deutliche Auswirkungen der Corona-Pandemie. Die Zahl der Nichtwähler stieg um etwa 203 500 Menschen. „Die Corona-Pandemie dürfte dazu einen entscheidenden Beitrag geleistet haben“, schrieb Landeswahlleiter Marcel Hütter. Die Wahlbeteiligung von 64,4 Prozent blieb um sechs Prozentpunkte hinter der Landtagswahl 2016 zurück. Nur bei den Wahlen von 2001 bis 2011 war die Beteiligung noch geringer.

Fast zwei Drittel der Wählerinnen und Wähler – 65,9 Prozent – machten diesmal von der Briefwahl Gebrauch. Das waren rund doppelt so viele wie bei der Landtagswahl 2016 (30,6 Prozent).

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