Archivierter Artikel vom 17.01.2020, 05:50 Uhr

Landtagsdelegation auf Informationsreise in Westafrika

Der Ältestenrat besucht Burkina Faso und Senegal. In einem Flüchtlingslager zeigen sich die Teilnehmer sehr bewegt. In einem Projekt der Viehwirtschaft kommen kritische Verflechtungen der Handelsbeziehungen zur Sprache.

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Mainz/Ouagadougou (dpa/lrs) – Von Afrika lernen: Eine Delegation aus Rheinland-Pfalz hat sich auf einer Westafrika-Reise über Fluchtursachen, Globalisierung und Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts informiert. Die Gesprächspartner in Burkina Faso betrachteten den Besuch des Ältestenrats des Landtags zudem als wichtiges Zeichen der Solidarität angesichts zunehmender terroristischer Bedrohungen, wie Landtagspräsident Hendrik Hering (SPD) in der burkinischen Hauptstadt Ouagadougou mitteilte.

In mehreren Staaten der Region ist es zuletzt wiederholt zu Angriffen islamistischer Gruppen gekommen. Nach Abgaben der Vereinten Nationen kamen dabei im vergangenen Jahr in Mali, Niger und Burkina Faso rund 4000 Menschen ums Leben.

„Die Bedrohung ist sehr präsent“, sagte Hering vor dem Weiterflug in die senegalesische Hauptstadt Dakar. „Das ist letztlich ein gemeinsames Problem – wenn es dort nicht gelingt, die Terrormiliz Islamischer Staat zurückzudrängen, wird das auch zur Bedrohung bei uns.“

Bei einem Treffen mit Kardinal Philippe Ouédraogo, dem Erzbischof von Ouagadougou, sei die Bedeutung des interreligiösen Dialogs deutlich geworden, sagte Hering. Das Bemühen um aufrichtiges Miteinander habe ihn beeindruckt – „da können wir uns ein Beispiel nehmen in Deutschland“.

Die rund 20 Mitglieder der Delegation besuchten ein Flüchtlingslager mit Menschen, die nach terroristischen Überfällen aus ihren Dörfern vertrieben wurden. „Die Begegnungen dort haben mich bis ins Mark berührt“, sagte Hering. Obwohl in Burkina Faso auch große Armut herrsche, seien Flüchtlinge von privaten Familien in ihren Ein- oder Zweizimmerhütten aufgenommen und mit verpflegt worden. Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Alexander Schweitzer zeigte sich vom Besuch in dem Vertriebenenlager beeindruckt: „In die Augen der kleinen Kinder zu gucken, die ähnlich alt sind wie die eigenen und die so viel geringere Zukunftschancen haben, hat mich sehr berührt.“

Die Delegation aus Rheinland-Pfalz besuchte auch ein landwirtschaftliches Projekt in Tambolo, einem Dorf ganz im Süden des Landes nahe der Grenze zu Ghana. Dort unterstützt das Projekt PASMEP (Plateforme d' Actions à la Sécurisation des Ménages Pastoraux) Angehörige des westafrikanischen Hirtenvolks der Peulh. PASMEP hat in Tambolo eine Kleinmolkerei errichtet, die es der Landbevölkerung unter anderem ermöglicht, die Milch der Kühe zu länger haltbarem Joghurt zu verarbeiten und Erträge für den Familienunterhalt zu erwirtschaften. „Statt wie früher sechs Kinder könnten jetzt 50 Kinder die Schule besuchen.“

In Tambolo wurden die Besucher aber auch mit Kritik an massiven Exporten von Milchpulver aus Europa konfrontiert, die heimische Milchprodukte unter Preisdruck setzen. Künftig müsse in Handelsabkommen mehr als bisher auf solche Folgen von Exporten geachtet werden, sagte Hering im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Internationale Handelsverflechtungen standen auch im zweiten Teil der einwöchigen Reise im Blick, im Senegal informierten sich die Besucher unter anderem über die Fischereiwirtschaft des Landes. Außerdem wollten die Teilnehmer der Reise ein Projekt für Straßenkinder in der Hauptstadt besuchen.

„Spätestens seit 2015/2016 wissen wir, dass die humanitären Probleme Afrikas auch unsere sind oder sein können“, sagte SPD-Fraktionschef Schweitzer. Wenn man in Deutschland über Flucht und Fluchtursachen diskutiere, sei es sehr hilfreich, sich auszukennen. Dazu gehöre auch, sich mit Betroffenen in afrikanischen Staaten auszutauschen. Rheinland-Pfalz habe eine gute Tradition der Entwicklungszusammenarbeit mit Ruanda, sagte Schweitzer. Dort setze die Regierung auch auf die Stärkung der Zivilgesellschaft und des bürgerschaftlichen Engagements. Die Delegation habe in Burkina Faso auch für einen solchen Weg geworben.