Mainz

Landesvorsitzender Frisch: AfD kann von den Grünen lernen

Der rheinland-pfälzische AfD-Chef Michael Frisch hat seine Partei aufgefordert, „unsere differenzierten Positionen mehr nach vorne zu schieben“. „Wir müssen klar machen, dass wir auch für Natur- und Klimaschutz sind, soweit das in der Macht des Menschen steht und technisch umsetzbar ist“, sagte er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. „Damit kämen wir gerade bei Frauen und jungen Leuten deutlich weiter.“

Von dpa/lrs

„E-Autos zum Beispiel setzen ausreichend Strom voraus“, sagte Frisch. „Wir können nicht alles mit Windrädern vollpflastern, die keinen Strom liefern, wenn der Wind nicht weht.“

„Wir müssen mittel- und langfristig von Gas und Kohle wegkommen, müssen aber Alternativen schaffen“, sagte Frisch. „Wir müssen wieder in die Kernforschung investieren und bei der Atomkraft wieder in einen rationalen Diskurs kommen.“

„Wir haben viel Vertrauen bei den Leuten verspielt“, sagte Frisch mit Blick auf die innerparteilichen Streitigkeiten. „Die Partei steht an einem Scheideweg“, sagte Frisch. „Wo es genau hingeht, wird sich beim Bundesparteitag nach der Bundestagswahl entscheiden.“ Dieser ist im Dezember in Wiesbaden geplant.

„Viele finden inhaltlich unsere Positionen gut, aber haben das Vertrauen nicht, das man braucht, um eine Partei zu wählen“, sagte Frisch. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) etwa aber habe mit Vertrauen viele Wahlen gewonnen. „Wir müssen auf das bürgerliche Lager schauen, das uns nahe steht, dem aber manche Töne zu schrill und manche Positionen zu undifferenziert sind“, forderte Frisch. „Wir können am rechten Rand keine Stimmen mehr gewinnen.“

„Wir müssen da von den Grünen lernen. Die haben ein fürchterliches Programm, aber sympathisch und freundlich wirkendes Spitzenpersonal“, sagte Frisch. „Unser Programm ist hervorragend. Aber unser Personal ist zum Teil nicht so, dass die Leute sagen, wir haben volles Vertrauen zur AfD.“

Frisch, der auch Fraktionsvorsitzender im Landtag ist, sieht in Deutschland eine Mehrheit für eine bürgerlich-konservative Regierung. „Es liegt bei der CDU der Nach-Merkel-Ära, dafür langfristig Mehrheiten zu organisieren oder mit den Grünen noch weiter nach links zu rücken.“ Eine große Koalition aus SPD und CDU sei auf Dauer für das Land nicht gut. „Wir brauchen klare politische Profile. Die Wähler wissen überhaupt nicht mehr, was sie kriegen, wenn sie CDU wählen.“

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