Archivierter Artikel vom 22.04.2021, 12:40 Uhr
Darmstadt

Kirchenpräsident kritisiert Flüchtlingspolitik als „inhuman“

Zum Auftakt der Frühjahrssynode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau hat Kirchenpräsident Volker Jung die Flüchtlingspolitik in der EU scharf kritisiert. „Starke EU-Staaten haben das Flüchtlingsproblem an die schwachen Staaten im Süden und Osten der EU ausgelagert“, sagte Jung am Donnerstag bei der digitalen Tagung. Die Lage der Schutzsuchenden werde immer besorgniserregender, sowohl an den europäischen Ausgrenzen als auch hier in Deutschland. Die gegenwärtige Politik setze immer stärker auf Abschottung und Abschreckung. Tausende Flüchtlinge säßen an der Grenze zu Kroatien ebenso wie in den Lagern auf den griechischen Inseln fest. „Abschottung ist hier offenbar wichtiger als Menschenrechte, zu deren Einhaltung sich alle EU-Staaten verpflichtet haben.“

Kirchenpräsident Volker Jung
Volker Jung, Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN).
Foto: Arne Dedert/dpa/Archivbild

Trotz Corona-Pandemie werde weiter abgeschoben, inzwischen auch gut integrierte Menschen. In Hessen und Rheinland-Pfalz gebe es immer noch keine Landesaufnahmeprogramme. „Statt gelungene Integration zu fördern, wird so vermehrt Integration behindert“, kritisierte Jung. In der Pandemie würden Flüchtlinge in den Lagern an den Grenzen und in Erstaufnahme- und Gemeinschaftsunterkünften in Deutschland hohen Risiken ausgesetzt.

Die Synode mit derzeit 140 Sitzen ist das maßgebende Organ der hessen-nassauischen Kirche. Sie erlässt Gesetze, besetzt die Leitungsämter und beschließt den Haushalt. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau mit ihren rund 1,5 Millionen Gläubigen erstreckt sich über Teile von Hessen und Rheinland-Pfalz.

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Mitteilung zur Synode