Mainz

Impfangebot an bis zu eine Million weitere Menschen

Mehr als eine Million Rheinland-Pfälzer können sich von Freitag an für die Corona-Schutzimpfungen in den Impfzentren registrieren lassen. Die geplante Bundes-Notbremse zur Eindämmung der Pandemie trägt die Ampel-Koalition mit.

Von dpa/lrs
Impfung
Eine Flüssigkeit tropft aus der Kanüle einer Spritze.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Illustration

Mainz (dpa/lrs). Die Lehrer an den weiterführenden Schulen in Rheinland-Pfalz sollen in ersten beiden Mai-Wochen gegen das Coronavirus geimpft werden. Sie können sich von diesem Freitag an – wie auch alle anderen Menschen aus der Priorisierungsgruppe 3 – für eine Impfung im Terminpool registrieren lassen. Das seien insgesamt wohl noch einmal deutlich mehr als eine Million Menschen, wie Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (beide SPD) am Dienstag in Mainz ankündigten. Rheinland-Pfalz sei nach dem Saarland das erste Bundesland, das die Priogruppe 3 vollständig öffnen könne. Bis Ende April sollen allein in den 32 Impfzentren des Bundeslandes eine Million der 4,2 Millionen Rheinland-Pfälzer wenigstens eine Spritze bekommen haben.

Das geplante Infektionsschutzgesetz mit der umstrittenen Bundes-Notbremse zur Corona-Bekämpfung trägt die Ampel-Koalition mit. Die zum großen Teil bereits Anfang März in der Ministerpräsidentenkonferenz beschlossenen Maßnahmen würden zu großen Teilen umgesetzt und Rheinland-Pfalz hätte die Bundesregelung daher nicht gebraucht, sagte Dreyer. Im Bundesrat werde dafür aber nur gefragt, ob die Länder Einspruch erheben und den Vermittlungsausschuss angerufen wollten. Rheinland-Pfalz habe seine Kritikpunkte zwar nicht alle durchsetzen können – wie die Testpflicht in Schulen und ein Bußgeld bei Verstößen gegen die Kontaktbeschränkungen in privaten Haushalten. Trotzdem werde die Landesregierung den Vermittlungsausschuss nicht anrufen und das Gesetz damit noch weiter verzögern. Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) bereite gerade mit den Schulen und Kitas die praktische Umsetzung von Notbetrieb in Kitas und Fern-Unterricht ab einer Inzidenz von 165 vor.

Zur Priogruppe 3 gehören auch rund 550 000 Menschen im Alter von 60 bis 69 Jahren. Sie können sich schon länger für eine Impfung registrieren lassen, aber erst 165 000 haben davon Gebrauch gemacht. In den Impfzentren würden jetzt die ersten aus dieser Altersgruppe – regional etwas unterschiedlich – geimpft. Vorrang hätten aber die noch rund 200 000 Menschen der Priogruppe 2. Dazu gehörten neben den 70- bis 79-Jährigen (etwa 60 000) vor allem Kontaktpersonen von Schwangeren und Pflegebedürftigen. Sie sollten alle bis Ende Mai ihre erste Impfung erhalten haben.

Menschen mit Vorerkrankungen wie Herzinsuffizienz, Asthma und HIV gehören auch zur Gruppe 3. Sie sind von Freitag an impfberechtigt ebenso wie jeweils bis zu zwei Kontaktpersonen. Zu der Gruppe gehören laut Bundesimpfverordnung auch alle Menschen, die in Einrichtungen und Diensten der Kinder- und Jugendhilfe und in Schulen arbeiten sowie die, die in Einrichtungen und Unternehmen der „Kritischen Infrastruktur“ tätig sind. Dazu zählten laut Bundesvorgaben etwa der Lebensmitteleinzelhandel, Pharma, Apotheken, Ernährung, Wasser- und Energieversorgung, Transport- und Verkehr sowie Mitglieder von Verfassungsorganen, erklärte die Ministerin.

Die Zahl der Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern und den Intensivstationen steige weiter. Rheinland-Pfalz habe zwar noch mehr Intensivbetten als andere Bundesländer frei und der Höchststand von Ende 2020 sei auch noch nicht wieder ganz erreicht. Das Durchschnittsalter der Patienten sei aber um bis zu 15 Jahre gesunken. „Immer mehr junge Menschen haben schwere Verläufe“, sagte Bätzing-Lichtenthäler. Planbare Operationen würden bereits wieder zurückgestellt und die Belastung für das Personal steige.

Junge Patienten müssten meist länger in der Klinik bleiben, sagte der Vorstandsvorsitzende der Unimedizin Norbert Pfeiffer. „Die Mitarbeiter in den Krankenhäusern sind zunehmend erschöpft.“ Rheinland-Pfalz stehe aber im Vergleich zu anderen Bundesländern gut da, auch wegen seines Netzwerks am Austausch von Betten und wissenschaftlichen Erkenntnissen. Pfeiffer appellierte an die Disziplin der Bürger. „Wir müssen noch drei Monate durchhalten. Dann haben wir wahrscheinlich so viele geimpft, dass das Virus nicht mehr so leicht von Mensch zu Mensch springen kann.“

Die Zahl der Schnellteststellen sei von 300 Anfang März auf inzwischen 1200 gestiegen, und es müssten noch mehr werden, sagte der Präsident des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung, Detlef Placzek. Darunter seien immer mehr private – inzwischen fast drei Viertel. In Rheinland-Pfalz gebe es aber einheitliche Standards für die Zentren. Er gehe davon aus, dass inzwischen etwa sechs Millionen Tests gemacht worden seien – ohne Schulen und Kitas. Die Fehlerquote sei etwas geringer als bei den Selbsttests.

Dreyer appellierte an Menschen, die ihren Termin im Impfzentrum nicht wahrnehmen, diesen abzusagen. Sonst gebe es in den Einrichtungen Leerlauf. Der stellvertretende CDU-Landeschef und Landtagsfraktionschef Christian Baldauf rief dazu auf, die Impfungen der Hausärzte und Impfzentren zu synchronisieren, da es viele Impfwillige gebe, die sich doppelt anmeldeten. „Hier reicht der Appell an die Menschen, in diesem Fall nach erfolgter Impfung die entsprechende zweite Stelle zu informieren, nicht aus“, sagte Baldauf. „Wir brauchen eine zentrale Koordination, die Leerläufe insbesondere in den Impfzentren durch Nicht-Erscheinen von Impflingen verhindert.“

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Registrierung für Corona-Schutzimpfungen