Archivierter Artikel vom 18.05.2020, 15:30 Uhr
Koblenz

Hotels, Campingplätze und Jugendherbergen wieder offen

„Ab heute geht's los“, heißt es auf einem Campingplatz in Koblenz. Auch die Jugendherbergen hoffen auf viele Gäste. Einige Hotels wollen aber erst nach Christi Himmelfahrt oder Pfingsten wieder starten.

dpa/lrsLesezeit: 3 Minuten
«Campingplatz geschlossen» steht auf einem Hinweisschild
«Campingplatz geschlossen» steht auf einem Hinweisschild.
Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Koblenz/Mainz (dpa/lrs) – Rheinland-Pfalz ist wieder Reiseland: Nach zwei Monaten Schließung wegen der Corona-Pandemie sind am Montag Hotels, Jugendherbergen und Campingplätze wieder geöffnet worden. Jeder Betrieb müsse überlegen, wann sich eine Öffnung lohne, sagte der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Rheinland-Pfalz, Gereon Haumann. Viele der rund 4000 Betriebe würden erst am Mittwoch oder Donnerstag zum Christi-Himmelfahrt-Wochenende an den Start gehen – andere noch eine gute Woche später zu Pfingsten.

Auch nach Lockerung der Beschränkungen in der Gastronomie sehen sich viele kleine Betriebe nach Einschätzung der Landtagsabgeordneten Ellen Demuth (CDU) in ihrer Existenz bedroht. Für mittelgroße und große Hoteliers und Gastronomen sei die Umsetzung von Hygiene-Vorkehrungen und Abstandsregeln machbar, sagte die Vorsitzende der Enquete-Kommission Tourismus Rheinland-Pfalz am Montag. Kleinere Betriebe aber hätten dafür oft nicht das Personal und die notwendige Logistik. „Ich fürchte, dass viele Betriebe, die vor einem Generationswechsel stehen, nun gar nicht mehr öffnen, wenn die Liquidität nicht da ist.“

Daher müsse über ein weiteres Hilfsprogramm in der zweiten Jahreshälfte nachgedacht werden, sagte Demuth der Deutschen Presse-Agentur. Gerade kleine Gastwirtschaften oder Familienhotels machten den besonderen Charme von Rheinland-Pfalz als Reiseland aus.

Um mögliche Infektionsketten nachzuvollziehen, müssen Hotels die Kontaktdaten aller Gäste erfassen – also Name, Vorname, Anschrift und Telefonnummer. Gäste müssen vor dem Betreten des Hotels sowie des Restaurants die Hände desinfizieren. Auf den Wegen im Hotel ist ein Mund-Nasen-Schutz Pflicht.

Alle 45 Jugendherbergen in Rheinland-Pfalz und im Saarland können jetzt wieder Gäste aufnehmen, wie der Landesverband am Montag mitteilte. Die Corona-Krise habe die Jugendherbergen schwer getroffen. „Wir kämpfen ums Überleben“, erklärte der Verbandsvorsitzende Jacob Geditz. Die Stornierung aller Klassenfahrten bis zum Ende des Schuljahres habe die Situation verschärft. Jetzt hoffen die Jugendherbergen vor allem auf Übernachtungen von Familien.

„Ab heute geht's los“, sagte der Manager des Knaus-Campingparks Koblenz/Rhein-Mosel, Sven Holzmann. „Der Run ist da, die Vormeldungen sind da.“ Bereits in den ersten Morgenstunden habe der Platz 30 Fahrzeuge aufgenommen.

Rege Nachfrage gibt es auch in der Pfalz – für das Himmelfahrts- und das Pfingstwochenende meldete etwa der Campingplatz Wappenschmiede in St. Martin (Südliche Weinstraße): „Wir sind ausgebucht.“ Die Sanitäranlagen der Plätze dürfen nach Auskunft des Wirtschaftsministeriums zum Teil geöffnet werden: Toiletten ja, Gemeinschaftsduschen nein.

„Wir sind sehr froh, dass wir wieder los können“, sagte in Koblenz der Wohnmobil-Camper Klaus aus Niedersachsen. „Ich war jetzt über sechs Wochen nur zuhause – da ist mir die Decke schon auf den Kopf gefallen.“ Jetzt wieder auf Campingplätze fahren zu können, sei „eine kleine Befreiung“.

In der Zeit der Schließung hätten alle Campingplätze massive Einbrüche erlebt, sagte Holzmann. „Wir werden das nicht aufholen können in diesem Jahr – trotz erhöhter Nachfrage von Gästen, die normalerweise ins Ausland gefahren wären, diesmal aber in Deutschland Urlaub machen.“

Dehoga-Präsident Haumann schätzt das Defizit der Gastronomie zwischen Mitte März und Mitte Mai auf zwei Milliarden Euro. Die knapp vier Milliarden Euro, die im zweiten Halbjahr zuletzt umgesetzt worden seien, könnten bei weitem nicht mehr erreicht werden.

Mehr denn je sei jetzt die Digitalisierung im Tourismus ein großes Thema, sagte die Landtagsabgeordnete Demuth. Auch kleine Betriebe müssten sich auf Themen wie „Change Management“ einlassen, um sich auf neue Anforderungen vorzubereiten. Wenn mehr Menschen in diesem Jahr ihren Urlaub im Inland verbringen wollten, müsse es dafür auch gute Pakete mit attraktiven Angeboten geben. Die Arbeiten an einer neuen Tourismus-Strategie mit einer gemeinsamen Dachmarke für das Bundesland seien nun besonders wichtig, um die Branche gut für die Zeit nach der Krise aufzustellen.