Mainz

Grundschüler in Rheinland-Pfalz müssen weiter zuhause lernen

Vier Tage vor der geplanten Wiederaufnahme des Unterrichts im Klassenraum beschließt das Bildungsministerium die Weiterführung von Fernunterricht. Für die Notbetreuung an weiterführenden Schulen wird die Maskenpflicht enger gefasst.

dpa/lrsLesezeit: 3 Minuten
Stefanie Hubig
Stefanie Hubig (SPD), Bildungsministerin in Rheinland-Pfalz, lächelt.
Foto: Michael Kappeler/dpa/Archivbild

Mainz (dpa/lrs). Nach dem Auftreten von Coronavirus-Mutationen im benachbarten Baden-Württemberg hat das rheinland-pfälzische Bildungsministerium den für Montag geplanten Start des Wechselunterrichts an Grundschulen gestoppt. Die Entscheidung sei in Abstimmung mit Experten der Universitätsmedizin Mainz getroffen worden, teilte das Ministerium am Donnerstag mit.

Die Landesregierung hatte abweichend zu der jüngsten Bund-Länder-Vereinbarung zur Eindämmung der Corona-Pandemie zunächst geplant, ab kommender Woche für die ersten vier Klassen einen Wechselunterricht mit Lernen daheim und in der Schule zu praktizieren. Die Präsenzpflicht sollte weiter ausgesetzt bleiben.

„In einer Situation, die derzeit nicht belastbar bewertet werden kann, wäre es nicht gut, einen weiteren Schritt zur Lockerung zu gehen“, sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) der Deutschen Presse-Agentur. Nach dem Auftreten von Mutationen des Coronavirus in Baden-Württemberg und anderen Nachbarländern von Rheinland-Pfalz sei es die Empfehlung von Wissenschaftlern der Universitätsmedizin Mainz gewesen, den ursprünglich Start in den Wechselunterricht an Grundschulen zu verschieben. „Die Uni-Experten haben gesagt, dass nach den gestrigen Entwicklungen eine weitere Öffnung nur angebracht ist, wenn man das auf sicherer Grundlage macht.“ Sie stehe weiter in engem Kontakt mit dem Virologen Bodo Plachter, dem Hygiene-Experte Wolfgang Kohnen und dem Kinder- und Jugendmediziner Fred Zepp.

Auch habe sie mit der baden-württembergischen Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) telefoniert, sagte Hubig. Die Landesregierung in Stuttgart hat am Mittwoch auf eine landesweite Öffnung von Kindertagesstätten und Grundschulen verzichtet, nachdem in einer Freiburger Kita mutierte Viren festgestellt worden waren.

Die Entscheidung zur Einführung des Wechselunterrichts wurde zunächst verschoben. Es gebe kein Datum, wie lange es nun auch an den Grundschulen weiterhin Fernunterricht geben solle, sagte die Ministerin.

„Viele Kinder, ihre Lehrkräfte und ihre Eltern hätten sich sehr darauf gefreut, dass der Unterricht an den Schulen wieder beginne, erklärte Hubig. „Sie alle können sicher sein, dass wir uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht haben.“ Sie habe aber auch stets betont, dass der Übergang zum Wechselunterricht unter dem Vorbehalt stehe, dass die Infektionslage dies zulasse. Daher werde jetzt wie an den weiterführenden Schulen der Fernunterricht zunächst fortgesetzt. Angeboten wird zudem eine Notbetreuung für Kinder, die nicht zu Hause betreut werden können.

Das Ministerium beschloss auch, für Schülerinnen und Schüler an den weiterführenden Schulen die Maskenpflicht enger zu fassen. Wie im öffentlichen Nahverkehr und in der Schülerbeförderung werden in der Notbetreuung an weiterführenden Schulen sowie beim Unterricht von Abschlussklassen medizinische Masken oder solche mit dem FFP2-Standard vorgeschrieben.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Christian Baldauf bezeichnete die Entscheidung als richtig. Sie sei aber auch „das Eingeständnis des Scheiterns einer Schulpolitik ohne Weitblick“. Hätte die Landesregierung die von der Bund-Länder-Konferenz beschlossene Schulschließung konsequent umgesetzt, wäre Kindern, Eltern und Schulen viel Verunsicherung erspart geblieben. Wo der Zielwert einer Inzidenz von 50 erreicht werde, sei die Rückkehr zum Regelbetrieb möglich, sagte Baldauf. Am Donnerstag lag diese Zahl der Neuinfektionen bezogen auf 100 000 Einwohner in den zurückliegenden sieben Tagen landesweit bei 86,1.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE), in dem vor allem Lehrkräfte an Grundschulen vertreten sind, begrüßte die Entscheidung. „Vehemente Verbandsarbeit zahlt sich aus“, erklärte der Landesvorsitzende Gerhard Bold. Die Gefährlichkeit der Virus-Mutationen dürfe nicht unterschätzt werden. Deren Verbreitung an Schulen und Kitas müsse wenn immer möglich verhindert werden. „Hier muss präventiv gehandelt werden und weiterhin auf den Fernunterricht gesetzt werden.“

Eine Grundschulleiterin in Mainz sagte am Donnerstagmorgen – kurz vor Bekanntgabe der Entscheidung – der Deutschen Presse-Agentur, Wechselunterricht löse in der Schulgemeinschaft gemischte Gefühle und Sorgen aus. Auch bei halbierten Grundschulklassen würden dann doch Menschen aus 13 verschiedenen Haushalten in einem Raum zusammentreffen.

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