Archivierter Artikel vom 01.03.2021, 12:30 Uhr
Mainz

Gezieltes Impfen und Testen muss Lockerungen begleiten

„Gezieltes Impfen und Testen“ müssen nach Auffassung von Ministerpräsidentin Dreyer Lockerungen des Lockdowns begleiten. Dabei könnte auch eine neue mögliche Empfehlung der Stiko zu Astrazeneca helfen.

Von dpa/lrs
Malu Dreyer
Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer bei einer Pressekonferenz.
Foto: Thomas Frey/dpa

Mainz (dpa/lrs). Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) verspricht sich von der Ankündigung der Ständigen Impfkommission (Stiko) zu neuen Empfehlung für den Impfstoff Astrazeneca schnellere Fortschritte beim Impfen älterer Menschen. „Es ist eine gute Nachricht, dass die Ständige Impfkommission prüft, den Impfstoff Astrazeneca bald auch für Menschen über 65 freizugeben“, sagte Dreyer am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. „Die Europäische Arzneimittelagentur hatte dies bereits Ende Januar eigentlich ermöglicht.“ In Deutschland seien aber weitere Tests abgewartet und „offenbar für gut befunden“ worden.

„Sollte dies geschehen, könnten gerade Menschen über 65, die nach wie vor als besonders gefährdete Menschen gelten, früher und schneller geimpft werden“, sagte Dreyer. „Wenn wir diesen Menschen jetzt eine Impfung mit Astrazeneca anbieten können, gewinnen wir sehr viel Zeit und Sicherheit. Wir wissen, dass bereits die erste Impfung einen sehr großen Schutz gegen schwere Krankheitsverläufe darstellt.“ Gezieltes Impfen und Testen müssten die Öffnungen von Einzelhandel, Kultur und Gastronomie begleiten. „Diese Kriterien müssen neben dem Inzidenzwert und der Situation in den Krankenhäusern die Messgrößen sein“, sagte Dreyer vor dem Treffen der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin an diesem Mittwoch.

Der Chef der Stiko, Thomas Mertens, hatte angekündigt, es werde „sehr bald zu einer neuen, aktualisierten Empfehlung kommen“. Die Stiko hatte – anders als die EU-Arzneimittelbehörde EMA – den Impfstoff vorerst nur für Menschen zwischen 18 und 64 Jahren empfohlen, weil Daten zur Wirkung bei Älteren fehlen.

„Ich sehe das total kritisch, jetzt Impfprioritäten zu verschieben“, sagte Dreyer. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte angesichts von Vorbehalten gegen Astrazeneca eine neue Impfpriorisierung angeregt. „In Rheinland-Pfalz haben wir keinen ungenutzten Überschuss an Astrazeneca-Impfstoff“, betonte Dreyer.

Rheinland-Pfalz gehört beim Impfen zur Spitzengruppe in Deutschland und hat derzeit den niedrigsten Inzidenzwert aller Bundesländer – die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. „Jede Dosis des bisher gelieferten Impfstoffs ist mit einer konkreten Planung für die kommenden Wochen belegt.“ Und: „Wir nehmen auch eine große Akzeptanz und Impfbereitschaft gerade auch für Astrazeneca wahr“, sagte die SPD-Politikerin.

„Wenn irgendwann so viel Impfstoff kommt, wie der Bund uns das immer ankündigt, dann können wir uns schon gut vorstellen, dass wir dann auch die Gesamtgruppe der Lehrer mit da reinnehmen“, sagte Dreyer. Seit diesem Montag werden auch Erzieher sowie Grund- und Förderschullehrer in Rheinland-Pfalz gegen das Coronavirus geimpft.

Außer in den 32 Impfzentren des Landes werde auch in Krankenhäusern, den Einrichtungen der Eingliederungshilfe, der Polizei und im Justizvollzug geimpft. „Sollten trotzdem Impfberechtigte ihren Termin nicht wahrnehmen, so gibt es bereits von Anfang an Listen von Nachrückern aus der jeweiligen Prioritätsgruppe.“ Das organisierten die Impfzentren selbstständig und dezentral.

Dreyer bedankte sich bei den Rheinland-Pfälzern für die Einhaltung der Corona-Regeln. „Wir haben als Landesregierung große Anstrengungen unternommen, um die Infektionszahlen zu drücken. Das kann aber nur gelingen, wenn die Bevölkerung mitmacht“, betonte die SPD-Politikerin. Die guten Werte zeigten: „Wir sind ein Zusammenhaltsland.“

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