Archivierter Artikel vom 17.01.2020, 12:00 Uhr

Forscher: Mehr Wohlwollen für Bauern als für Klimaschützer

Mainz/Berlin (dpa/lrs) – Die Bauerndemonstrationen finden nach Einschätzung des Protestforschers Simon Teune in der Gesellschaft mehr Verständnis als die Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“. „Es gibt ein weiter verbreitetes Wohlwollen den Bäuerinnen und Bauern gegenüber – im Vergleich zu den Klimaprotesten“, sagte der Forscher von der Technischen Universität Berlin der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. „Dass es so eine eher romantisierende Vorstellung der Bauern gibt, kommt ihnen zugute.“

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An einem Traktor ist ein Schild mit Aufschrift "Bauernprotest"
An einem Traktor ist ein Schild mit der Aufschrift „Bauernprotest“ angebracht worden.
Foto: Carsten Rehder/dpa

So sei es den Landwirten nicht zum Nachteil ausgelegt worden, als sie mit ihren Trekkern in den Städten den Verkehr verstopften. Als Umweltschützer der Gruppe Extinction Rebellion ein paar Tage eine Kreuzung dicht gemacht hätten, sei dagegen gleich über eine Radikalisierung in der Klimabewegung gesprochen worden.

In der Landwirtschaft gebe es derzeit zwei Protestbewegungen, die von unterschiedlichen Interessen ausgingen, sagte Teune mit Blick auf die Organisation „Land schafft Verbindung“ einerseits und die für Samstag bei der Grünen Woche geplante Demonstration „Wir haben es satt“ andererseits. In Berlin werde dabei – anders als bei „Land schafft Verbindung“ – bereits zum zehnten Mal eine ökologische Agrarwende eingefordert. Daran werde deutlich, dass die Menschen, die in Deutschland Lebensmittel erzeugten an mehreren Fronten zu kämpfen hätten, aus unterschiedlichen Perspektiven nicht zufrieden sein könnten.

Teune sieht aber auch eine Gemeinsamkeit von Bauernprotesten und „Fridays for Future“. Beide Gruppen verträten eine pragmatische Haltung und verträten die Haltung: „Alle sitzen in einem Boot.“

Homepage Simon Teune beim Institut für Protestforschung

Simon Teune TUBerlin