Experte: Erneut Felsstürze im Rhein- und Moseltal möglich

Trotz Mauern, Fangzäunen und Stahlnetzen donnert im Rheinischen Schiefergebirge hin und wieder tonnenschweres Gestein zu Tal. Ein gefährliches Naturereignis. Ein Experte erklärt, wie es dazu kommt.

Felssturz verschüttet Bahnstrecke
Arbeiter inspiziereneinen Felssturz der die linksrheinische Bahntrasse zwischen St. Goarshausen und Kestert verschüttet hat.
Foto: Thomas Frey/dpa/Aktuell

Kestert (dpa/lrs). Ein Felssturz blockiert Europas meistbefahrene Güterzugstrecke unweit des Loreley-Felsens – solche Naturereignisse sind im Mittelrhein- und Moseltal laut Experten immer wieder möglich. „Die Gefahr von Felsstürzen, Steinschlägen, Hangrutschen und Moränenabgängen in diesen Flusstälern ist offensichtlich“, sagte Thomas Dreher vom rheinland-pfälzischen Landesamt für Geologie und Bergbau in Mainz der Deutschen Presse-Agentur.

Unweit des weltberühmten Loreley-Felsens waren am Montag bei Kestert Felsplatten auf die rechtsrheinischen Gleise gerutscht. Sie sind laut Deutscher Bahn Teil von Europas meistbefahrener Güterzugstrecke zwischen Genua und Rotterdam – und bleiben wie die parallele Bundesstraße 42 hier vorerst gesperrt.

Dreher sagte, das Rheinische Schiefergebirge sei „in sich geklüftet und zerrissen“. Auch noch in blattdünne Spalten der rund 400 Millionen Jahre alten Schieferfelsen dringe Regenwasser ein. „Bei Frost erweitern sich die Klüfte und können plötzlich aufreißen“, erklärte der promovierte Geologe. „In den letzten Monaten hatten wir relativ intensiven Frost, das mag zu dem neuen Felssturz im Rheintal beigetragen haben.“

Zudem könnten sich bei Starkregen, der sich im Klimawandel womöglich häufe, an den Rhein- und Moselhängen „eiszeitliche Überlagerungen aus Löss und ältere Terrassenablagerungen lockern, ins Rutschen kommen und zu Tal stürzen“, ergänzte Dreher.

Rhein- und Moselhänge sind oberhalb der Bahnstrecken und Straßen vielerorts mit Mauern, Fangzäunen und Stahlnetzen gesichert. Regelmäßige technische Prüfungen sollen den stabilen Zustand dieser Schutzvorrichtungen stets gewährleisten.

Auch Satellitenbeobachtung soll Felsstürze verhindern. „Dabei versuchen wir bestimmte Muster zu erkennen, die unter anderem darauf hindeuten, wo etwas ins Rutschen geraten könnte“, erläuterte Dreher. All dies soll auch verhindern, dass im Extremfall zum Beispiel kurz nacheinander an beiden Seiten im Oberen Mittelrheintal Felsen herabstürzen und sämtliche wichtigen Verkehrswege im Flusstal blockieren. „Völlig ausgeschlossen ist das nicht“, sagte der Geologe.

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