Archivierter Artikel vom 05.12.2019, 12:30 Uhr
Pirmasens

Eine Treppe voller Kunst: Mosaik macht Pirmasens bunter

Mit Papageien und Haubentauchern aus Keramik und Porzellan verpasst eine südamerikanische Künstlerin einem unspektakulären Nachkriegsbau eine schillernde Verkleidung. Kann aus dem Projekt mehr werden?

dpa/lrsLesezeit: 2 Minuten
Mosaik an Felsentreppe
Eine Fußgängerin geht bei der Präsentation des wohl größten Mosaiks an der Felsentreppe hoch.
Foto: Uwe Anspach/dpa

Pirmasens (dpa/lrs) – Steinpuzzle der Superlative: Das wohl größte Mosaik in Rheinland-Pfalz schmückt künftig eine Freitreppe im Zentrum von Pirmasens. Vertreter der südwestpfälzischen Stadt stellten das Wandbild aus bunten Vögeln und vielen Naturmotiven am Donnerstag vor. „Das Mosaik inspiriert hoffentlich auch andere Städte, Kunst im öffentlichen Raum zu ermöglichen“, sagte die chilenische Künstlerin Isidora Paz López. Unter ihrer Leitung hatten in den vergangenen 15 Monaten mehr als 100 Helfer aus 24 Ländern das Bild zusammengefügt.

Durch die schillernde Verkleidung mit Motiven aus Flora und Fauna präsentiert sich die bisher eher schmucklose sogenannte Felsentreppe in neuem Gewand. „Das Mosaik ist sensationell geworden“, sagte Pirmasens Ex-Oberbürgermeister Bernhard Matheis. „Es ist eine Bereicherung für die Stadt und sollte nicht das letzte Projekt bleiben.“ Da das Wandbild über mehrere Ebenen läuft, ist es auf den ersten Blick wohl nicht gleich als großflächiges Mosaik wahrzunehmen.

In mehr als 10 000 Stunden wurden tausende Keramikfliesen in einem Atelier zu Teilchen zwischen sechs und zwölf Millimetern verarbeitet. Ende September begann dann die Montage der einzelnen Fliesenelemente mithilfe von Zweikomponentenkleber. Die auf einer Fläche von fast 70 Quadratmetern verbauten Stücke wiegen zusammen rund zwei Tonnen.

„Wer das Glück sehen will, sollte sich dieses Mosaik anschauen“, sagte ein Passant aus Waldfischbach. „Wahnsinn“, stimmte seine Frau zu. Mit dem Mosaik will Pirmasens nicht nur das Stadtbild verschönern, sondern auch auf das Artensterben hinweisen. „Immer mehr Vögel schaffen es nicht, sich dem raschen Tempo des Klimawandels anzupassen, wie Forscher herausgefunden haben“, betonen die Organisatoren. Offiziell freigegeben wird die Treppe am 8. Dezember. Die Kosten von 50 000 Euro übernahm die lokale Rheinberger-Stiftung.

„Einige Stellen sind nahezu perfekt, andere könnten besser sein“, sagte Paz López. Sie würde sich freuen, wenn das Wandbild ein Türöffner wäre für weitere Projekte. „Vögel symbolisieren die Freiheit des Geistes. Andere Tiere lassen sich durch Zäune stoppen – Vögel nicht.“ Angst vor Vandalismus hat Paz López nicht. „Meine Erfahrung aus Chile ist: Die Menschen respektieren Mosaikkunst.“

Vogeltreppe