Bad Neuenahr-Ahrweiler

DRK zieht erste Bilanz des Flut-Einsatzes – ADAC berichtet von Hubschraubereinsätzen

In der Katastrophenregion im Ahrtal sind auch zahlreiche Arztpraxen zerstört, für die medizinische Versorgung braucht es mobile Pendants. Eine davon steht in Bad Neuenahr-Ahrweiler und bekommt nun Besuch von der Spitze des Deutschen Roten-Kreuzes. Auch der ADAC ist mit sechs Hubschraubern im Einsatz.

Von dpa/lrs

Nach dem Unwetter in Rheinland-Pfalz
Feuerwehrleute stehen in der Gemeinde Schuld am Tag nach der Hochwasserkatastrophe in Trümmern.
Foto: Thomas Frey/dpa/Archivbild

Nach der Unwetterkatastrophe im Ahrtal wird sich am heutigen Donnerstag die Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) ein Bild von der Lage machen. Gerda Hasselfeldt wird in Bad Neuenahr-Ahrweiler eine ambulante Arztpraxis des DRK besuchen (11.00 Uhr). Sie will zudem ein erstes Fazit des bisherigen Einsatzes ziehen, auf die kommenden Wochen blicken und sich dazu äußern, wie gut Deutschland auf solche Katastrophen vorbereitet ist. Kürzlich hatte Hasselfeldt bereits eine bessere Prävention gefordert und darauf verwiesen, dass Wetterextreme in den nächsten Jahren zunehmen werden.

Die Zahl der Todesopfer der Flut von vergangener Woche stieg im am härtesten getroffenen Kreis Ahrweiler bis Mittwoch auf 125. Zudem wurden 764 Verletzte gezählt, 155 weitere Menschen galten noch immer als vermisst. Insgesamt sind fast 42.000 Menschen von dem Unglück betroffen. Teile der Region haben noch immer weder Wasser noch Strom.

Von Donnerstag bis Montagabend ist die gemeinnützige ADAC Luftrettung mehr als 70 Rettungseinsätze in den Krisengebieten in Rheinland-Pfalz und vereinzelt auch in Nordrhein-Westfalen geflogen, darunter waren 65 Spezial-Windeneinsätze der beiden eigens aus München und Landshut an die Luftrettungsstation in Koblenz am Bundeswehrzentralkrankenhaus verlegten Windenhubschrauber. Bei diesen Einsätzen wurden per Seilwinde sowohl verletzte Personen gerettet und medizinisch versorgt, als auch rund 40 Menschen aus Zwangslagen befreit – also von Dächern oder aus von Wasser eingeschlossen Häusern oder Plätzen gerettet. „Christoph 23 Bravo“ fliegt nach wie vor Einsätze im Katastrophengebiet, direkt vom Flugplatz in Neuenahr Ahrweiler aus. Insgesamt hatte die ADAC Luftrettung sechs Rettungshubschrauber in den Hochwassergebieten im Einsatz.

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Mittlerweile sieht das Technische Hilfswerk (THW) kaum noch Chancen, Überlebende in den Trümmern zu finden. Vizepräsidentin Sabine Lackner sagte am Mittwoch: „Wir suchen aktuell noch nach Vermissten, etwa beim Räumen der Wege oder Auspumpen der Keller.“ Es sei aber inzwischen leider sehr wahrscheinlich, dass man Opfer nur noch bergen könne und nicht mehr retten.

Gleichzeitig warnten die Behörden vor Gefahren im Schlamm: Wegen einer möglichen Verbreitung von Darmbakterien und Viren in Überschwemmungsbieten riet etwa das Gesundheitsamt des Kreises Trier-Saarburg und der Stadt Trier zu besonderen Hygienemaßnahmen.

Stark beschädigt sind in der Region auch viele Kläranlagen, Abwasserkanäle, Anlagen und Leitungen der Wasserversorgung sowie Hochbehälter. Am Donnerstag wird die rheinland-pfälzische Klimaschutzministerin Anne Spiegel (Grüne) sich eine Kläranlage in Sinzig anschauen. Vorab sagte sie: „Die Extremwetterkatastrophe hat unfassbares Leid bei den Menschen in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten hinterlassen.“ Auch hätten die Wassermassen vor Ort dramatische Zerstörungen und Schäden auch an der wasserwirtschaftlichen Infrastruktur verursacht, deren genaues Ausmaß bislang nicht bekannt sei. „Umso wichtiger ist es, dass wir uns sobald als möglich ein klares Bild über die Lage verschaffen.“