Dienstältester Bildungsstaatssekretär nimmt seinen Abschied

„Im Schulbereich kenne ich mich nicht schlecht aus“, sagt Hans Beckmann. Als dienstältester Bildungsstaatssekretär eine starke Untertreibung. Mit Corona-Pandemie und Vorsitz in der Kultusministerkonferenz war das letzte Jahr im Amt intensiv.

Hans Beckmann
Dienstältester Bildungssekretär Hans Beckmann.
Foto: picture alliance /dpa/Archivbild

Mainz (dpa/lrs). Schule als Ort für demokratisches Miteinander und für persönliche Bildungswege – den Auftrag für dieses Engagement gibt Hans Beckmann als dienstältester Staatssekretär in einem deutschen Bildungsministerium in Deutschland jetzt an seine Nachfolgerin Bettina Brück (beide SPD) weiter. Beckmann hat in mehr als neun Jahren mit drei SPD-Bildungsministerinnen zusammengearbeitet. Auf Doris Ahnen, die jetzt Finanzministerin ist, folgte Vera Reiß und 2016 Stefanie Hubig.

„Die Zusammenarbeit mit Stefanie Hubig war am intensivsten“, sagt Beckmann und nennt als Gründe die Corona-Pandemie und den Vorsitz in der Kultusministerkonferenz.

„Mir ist es immer ganz wichtig gewesen, dass wir es Schülerinnen und Schülern ermöglichen, Demokratie zu leben und zu erleben“, sagt Beckmann im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Wir brauchen junge Menschen, die Verantwortung übernehmen für sich und für andere.“

Seiner lange Zeit alleinerziehenden Mutter in der Westpfalz sei der Grundsatz „Aufstieg durch Bildung“ wichtig gewesen, erinnert sich Beckmann. Er habe schon als Junge Englischlehrer werden wollen, aber nach dem Studium in Mainz habe ihn der Pförtner des Bildungsministeriums gefragt: „Warum machen Sie das überhaupt? Sie bekommen ja doch keine Stelle.“

Nach einem Jahr als Arbeiter in einem Fuhrpark kam Beckmann dann aber doch ins Referendariat für den Schuldienst und über einen Vertretungsvertrag erst an eine Integrierte Gesamtschule in Ludwigshafen und danach an ein Gymnasium in Schifferstadt.

Als nach der Wiedervereinigung die Verwaltung in ostdeutschen Ländern aufzubauen war, kam eine Anfrage aus der Schulaufsicht: Beckmann wurde Schulaufsichtsbeamter und war unter anderem am Aufbau zahlreicher Schulen in ganz Rheinland-Pfalz beteiligt.

Nach 19 Jahren in der Schulaufsicht ging es ans Bildungsministerium nach Mainz, erst als Abteilungsleiter, 2012 ins Büro des Staatssekretärs als Nachfolger des jetzigen Mainzer Oberbürgermeisters Michael Ebling.

„Im Schulbereich kenne ich mich nicht schlecht aus“, sagt der 62-Jährige mit der für ihn typischen Untertreibung. Aber jetzt freut er sich, endlich mehr Zeit für die Familie zu haben. „Weder Stefanie Hubig noch ich hatten im letzten Jahr richtig Urlaub und vom 13. März 2020 bis heute kein Wochenende komplett frei.“ Damals gab es die Entscheidung zur ersten Schulschließung in der Pandemie.

Jetzt habe er sich erst mal vorgenommen, mit einem Bekannten Brennholz zu machen im Wald, sagt Beckmann. „Und dann freue ich mich, dass ich nicht nur Vermerke lesen muss, sondern auch mal wieder richtige Bücher lesen kann.“

© dpa-infocom, dpa:210517-99-626335/3