Archivierter Artikel vom 30.03.2020, 15:40 Uhr

Desinfektionsmittel: Firmen ergreifen Initiative

Hygiene ist in der Corona-Pandemie wichtiger denn je – doch was tun, wenn Ärzten Desinfektionsmittel fehlen? Private Firmen gerade aus der Chemiebranche wollen helfen und stellen Teile ihrer Produktion um. Dafür zeigen sie sich die Fachfremden kreativ.

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Blick auf einen Biohochreaktor
Blick von einem Biohochreaktor des Industrieparkbetreibers Infraserv Höchst.
Foto: picture alliance / dpa/Archivbild

Frankfurt/Main (dpa) – Immer mehr Unternehmen entlang von Rhein und Main engagieren sich, um im Kampf gegen die Corona-Pandemie zu helfen. Desinfektionsmittel aus der freien Wirtschaft sollen Ärzte und Kliniken unterstützen, den Mangel im Gesundheitswesen zu lindern und die Ausbreitung der Lungenkrankheit Covid-19 zu verlangsamen.

So hat nun auch der Betreiber des Frankfurter Industrieparks Höchst angekündigt, gratis Desinfektionsmittel für Kliniken in der Umgebung herzustellen. Die Produktion von rund 400 Litern am Tag werde diese Woche fortgesetzt, sagte ein Sprecher von Infraserv Höchst am Montag. Allerdings seien Rohstoffe knapp, was die Herstellung beschränke. Infraserv Höchst hat bereits mit Tochterfirmen mehr als eine Tonne Hand-Desinfektionsmittel hergestellt – auch für den Eigenbedarf. Vier Ausbilder des Fachkräfte-Entwicklers Provadis produzieren nach einer Rezeptur der Weltgesundheitsorganisation.

Zudem haben sich Henkell Freixenet und der Darmstädter Merck-Konzern zusammengeschlossen. Der Wiesbadener Sekthersteller spendet 50 000 Liter hochprozentigen Alkohol für die Produktion von Desinfektionsmitteln. Der Alkohol stammt aus der Entalkoholisierung von Wein für alkoholfreien Sekt und aus der Spirituosenherstellung. Als Partner hat Henkell den Chemiepark-Betreiber Infraserv Wiesbaden, den Apothekenverbund AUMEAS sowie Merck gewonnen. Für die Herstellung funktioniert der Pharma- und Chemiekonzern eine Anlage, in der sonst Produkte für die Halbleiter-Industrie hergestellt werden, um.

Solche Initiativen allein können zwar die große Nachfrage nach Desinfektionsmitteln nicht decken, sind aber im Gesundheitswesen hoch willkommen. „Jede Spende hilft“, sagt Ursula Funke, Präsidentin der Landesapothekerkammer Hessen. Kliniken und Ärzte, aber auch Hebammen und Physiotherapeuten bräuchten dringend Nachschub an Desinfektionsmitteln. „Wenn sie nicht die Hände waschen können, ist es vorbei“, sagte Funke, die selbst in Wiesbaden eine Apotheke betreibt. Auch Apotheker spürten bei der Versorgung Schwierigkeiten.

Auch BASF hat schon die Gratis-Produktion von Desinfektionsmittel angeworfen und verstärkt nun seine Anstrengungen. Nachdem der Dax-Konzern Krankenhäuser mit Intensivbetten in der Rhein-Neckar-Region beliefert hat, konzentriere man sich nun auf Arztpraxen mit Aufgaben der Notfallversorgung, hieß es jüngst.

„Das Interesse ist riesig“, sagte BASF-Vorstand Michael Heinz. Es hätten sich weit über 1000 Kliniken, Praxen und ähnliche Einrichtungen aus ganz Deutschland gemeldet. Da die Produktionskapazitäten am Standort Ludwigshafen auf etwa 35 Tonnen pro Woche begrenzt seien, müsse man Prioritäten setzen. BASF ist kein Hersteller von Desinfektionsmitteln, sondern kauft wesentliche Rohstoffe dafür extern oder disponiert Chemikalien zur Produktion um. „Wir werden allerdings nicht damit beginnen, aggressiv Rohstoffe am Markt zuzukaufen“, betonte Heinz. Das würde die Lage der Firmen verschlechtern, die Desinfektionsmittel im großen Stil herstellen.

Mitteilung Infraserv

Mitteilung von Merck/Freixenet

Mitteilung BASF

Landesapothekerkammer