Archivierter Artikel vom 30.01.2021, 10:10 Uhr

Corona beschert Krematorien mehr Arbeit

Krematorien an der Belastungsgrenze? In Corona-Hotspots in anderen Teilen Deutschlands hat es erschreckende Bilder gegeben. Auch in Rheinland-Pfalz merken Krematorien die Pandemie.

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Krematorium Dachsenhausen
Särge mit der Aufschrift «Corona» warten vor den Öfen des Krematoriums auf die Einäscherung.
Foto: Thomas Frey/dpa/Archivbild

Dachsenhausen/Landau (dpa/lrs) – Übereinander gestapelte Holzsärge, teils nachlässig umwickelt mit Plastikfolie und mit manchmal verwischten Corona-Aufschriften „Covid““ – solche Bilder vom Krematorium im Corona-Hotspot Meißen in Sachsen haben kürzlich die Öffentlichkeit geschockt. Wie sieht es in Rheinland-Pfalz aus? Auch hier melden Krematorien teils deutlich mehr Arbeit – aber keine echte Überlastung.

In dem nach eigenen Angaben größten Krematorium Deutschlands in Dachsenhausen im Taunus tackert ein Mitarbeiter im Kühlraum die Aufschrift „Corona“ auf einen Sarg. Die Beschäftigten müssen sich selbst schützen – von Infizierten geht auch nach ihrem Tod noch eine Ansteckungsgefahr aus. „Im Rhein-Taunus-Krematorium verzeichnen wir aufgrund der Corona-Pandemie wesentlich mehr Einäscherungen“, teilt ein Sprecher des privaten Unternehmens mit. Von Dezember 2019 zu Dezember 2020 beispielsweise sei hier deren Zahl um etwa 20 Prozent auf 4142 gestiegen.

Das kommunale Krematorium in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz spricht von durchschnittlich 240 bis 260 Einäscherungen pro Monat. „Im Dezember 2020 wurden 387 Einäscherungen durchgeführt, was für uns bislang einen neuen Höchstwert darstellt. Auch für den Monat Januar 2021 sind nach aktuellem Stand etwa 300 Einäscherungen zu erwarten“, teilt Geschäftsführer Sebastian Trüb mit. „Jedoch wird die Aussagekraft dieser Zahlen etwas dadurch verfälscht, dass seit vergangenem Jahr zwei neue Bestattungsinstitute ihre Verstorbenen bei uns einäschern lassen. Von daher war grundsätzlich mit einem Anstieg der Einäscherungszahlen zu rechnen.“ Trüb gibt auch zu bedenken, das Krematorium erfahre zwar, „wenn ein Verstorbener positiv auf Covid-19 getestet wurde, ob dies letztendlich jedoch die Todesursache war, ist uns nicht bekannt“. I

Das kommunale Krematorium Ludwigshafen spricht von einer Erhöhung der Todesfälle von Mitte November bis Dezember: „Corona hat dabei einen Anteil von circa 35 Prozent gehabt.“ Absolute Zahlen teilt das Krematorium mit Blick auf sein Konkurrieren am Markt nicht mit.

Auch beim privaten Krematorium Landau ist die Rede von etwa einem Fünftel mehr Einäscherungen. „In früheren Monaten hatten wir 600 bis 700 Einäscherungen pro Monat, jetzt sind es 800 bis 900“, sagt Geschäftsführer Joachim Reber. Im Winter gebe es aber immer mehr Tote als im Sommer, beispielsweise wegen der Grippesaison.

Verdienen Krematorien jetzt mehr wegen der vielen Corona-Toten? Nur kurzfristig, sagt Reber. Langfristig gesehen nicht: „Alle, die jetzt gestorben sind, sterben später nicht mehr.“ Das gleiche sich auf lange Sicht also aus. „Außerdem verlangen wir nicht mehr Geld von unseren Kunden, zahlen aber unseren Mitarbeitern mehr Geld für Sonderschichten“, ergänzt Reber. Todesfälle gibt es nicht nur zu normalen Bürozeiten, sondern auch am Wochenende.

Der Geschäftsführer des bundesweit größten Rhein-Taunus-Krematoriums, Karl-Heinz Könsgen, sagt, dieses habe wegen des derzeit so hohen Arbeitsaufwands bei acht Einäscherungsanlagen und 60 Mitarbeitern im Januar „noch mal vier Aushilfen dazu geholt“. Dennoch laufe der Betrieb ordnungsgemäß und ruhig weiter.

Ein Sprecher seines Krematoriums erklärt mit Blick auf andernorts in Deutschland diskutierte Engpässe, dabei handele es sich meist um lokale Probleme „wie eher behördliche Arbeitszeiten, veraltete Anlagen und fehlende Steuerungsprozesse“, die es auch schon vor Corona gegeben habe.

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