Ludwigshafen

Chemikalie gerät in Rhein: Ermittlungen laufen

Etwa 30 Kilogramm eines Wirkstoffs für Pflanzenschutzmittel ist in Ludwigshafen in den Rhein gelaufen. Es handele sich um das Herbizid Metazachlor, teilte der BASF-Konzern am Donnerstag mit. Aufgrund von Hochrechnungen gehe das Unternehmen von einer Gesamtmenge von etwa 80 bis 90 Kilogramm Metazachlor aus, die am Mittwoch nach 16.00 Uhr aus dem Betrieb in die Kläranlage gelangt seien. „Der Produktaustritt aus dem Betrieb ist bereits gestern gestoppt worden. In der Kläranlage befinden sich noch Mengen an Metazachlor, die stark verdünnt weiterhin in den Rhein austreten“, teilte eine Sprecherin mit. Zu den Ursachen konnte BASF zunächst keine Aussagen machen. „Die behördlichen Untersuchungen laufen noch.“

Von dpa/lrs
Polizei
An der Tür von einem Streifenwagen steht der Schriftzug «Polizei».
Foto: David Inderlied/dpa/Illustration

Dem Unternehmen zufolge ist der Wirkstoff stark wassergefährdend. Nach ersten Berechnungen könne eine lokale Gefährdung von pflanzlichen Wasserorganismen nicht ausgeschlossen werden. Von einer Gefährdung für tierische Wasserorganismen sei nicht auszugehen.

Nach Angaben der Wasserschutzpolizei gab es nach dem Austritt am Mittwoch bei Rheinkilometer 433,2 weder eine optische Verunreinigung im Rhein, noch eine Geruchsbildung. Warum das Herbizid in den Fluss geriet, werde nun ermittelt, sagte ein Sprecher der Abteilung Wasserschutzpolizei im Polizeipräsidium Einsatz, Logistik und Technik in Mainz. „Wir bitten um Verständnis, dass wir zurzeit zu den laufenden Ermittlungen keine weiteren Angaben machen können.“ Man werde alle erforderlichen Maßnahmen treffen, um den Fall aufzuklären.

Der BASF zufolge war im Auslauf der Kläranlage eine erhöhte Konzentration von Metazachlor gemessen worden. Daraufhin sei die Anlage abgestellt worden. Metazachlor kann laut BASF allergische Hautreaktionen verursachen und vermutlich Krebs erzeugen.

Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums hatte ein Mitarbeiter der BASF am Mittwochabend Kontakt aufgenommen. Daraufhin erging eine sogenannte Rheininformation über den Warn- und Alarmdienst der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins.

„Bei Schadstoffeinleitungen infolge von Betriebsstörungen bei BASF erfolgt eine permanente Kontrolle durch die Rheingütestation Worms, die etwa zehn Kilometer unterhalb der BASF-Einleitung liegt und mit der dort vorhandenen linksrheinischen Messleitung die Fahne möglicher Schadstoffeinleitungen durch BASF unmittelbar erfasst“, teilte ein Sprecher des Ministeriums mit. Da von der Rheingütestation im besagten Zeitraum keine Reaktionen der Biotestparameter gemeldet wurde, könne eine schädliche Beeinflussung ausgeschlossen werden.

„In der Rheingütestation Worms werden zusätzlich Gewässerproben entnommen und für gezielte Kontrollmessungen vorgehalten.“ Diese Proben würden untersucht, um die von BASF gemessenen Schadstoffwerte zu prüfen. „Die Ursachen, der Schadensverlauf, die genauen Messdaten, die Verhinderung vergleichbarer Schäden und so weiter werden von der SGD Süd mit BASF umfassend untersucht“, teilte der Sprecher mit.

Die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd bestätigte dies. „Das Landesamt für Umwelt hat bereits Abwasser-Rückstellproben bei der BASF entnommen und wird diese analysieren. Die SGD Süd führt selbst keine Abwasseranalysen durch“, teilte eine Sprecherin mit.

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