Archivierter Artikel vom 07.12.2019, 10:30 Uhr

Bistümer arbeiten Missbrauchsskandal auf: Prävention stärken

Sexueller Missbrauch und Vertuschung über Jahrzehnte haben Kirchen Vertrauen gekostet. Sie wollen zeigen, dass sie Lehren daraus gezogen haben. Bei der Aufarbeitung helfen auch Ermittler und Anwälte.

Lesezeit: 2 Minuten
Dom zu Speyer
Der Speyerer Dom, aufgenommen von einer Brücke.
Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

Mainz/Trier/Speyer (dpa/lrs) – Die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals läuft in den Bistümern in Rheinland-Pfalz auch mit juristischer Unterstützung weiter – auf im Detail verschiedene Weise. Das Bistum Mainz beauftragte im Juni den Regensburger Rechtsanwalt Ulrich Weber mit einem unabhängigen Projekt zur Aufklärung der Missbrauchstaten, wie Sprecher Tobias Blum in der Landeshauptstadt sagte. Das Vorhaben namens „Erfahren. Verstehen. Vorsorgen“ nehme Taten sexuellen Missbrauchs und sexualisierter Gewalt seit 1945 in den Blick und frage, wie im Bistum damit umgegangen wurde.

Aus Speyer hieß es: „Wir geben in Rücksprache mit den Betroffenen weiterhin alle Verdachtsfälle an die Staatsanwaltschaft und stehen mit den Justizbehörden in engem Kontakt.“ 2019 seien sechs Fälle an die Staatsanwaltschaften abgegeben worden, davon seien in fünf Fällen die Ermittlungen eingestellt worden, ein Fall werde weiter verfolgt.

Das Bistum in der Pfalz setze auch auf Prävention und habe dazu einen Runden Tisch gegründet, dem 16 kirchliche Mitarbeiter aus verschiedenen Arbeitsfeldern angehören. „Die Notwendigkeit der Prävention wurde in allen Arbeitsfeldern verstanden“, sagte Generalvikar Andreas Sturm in Speyer. „Jetzt geht es darum, dass die Prävention in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Schutzsuchenden dauerhaft präsent ist.“

Sprecherin Judith Rupp vom Bistum Trier teilte mit: „Mit einer Auftaktveranstaltung am 31. Oktober wurde das Aufarbeitungsprojekt „Gewalt am Bischöflichen Internat Albertinum Gerolstein – Aufarbeitung mit und für Betroffene“ gestartet.“ Die Aufarbeitung des Missbrauchs an diesem Internat diene als Lernfeld für die Aufarbeitung mit und für Betroffene im Bistum insgesamt. Die individuelle Betrachtung von Fällen sowie die Präventionsarbeit würden fortlaufend betrieben.

Sprecher Blum in Mainz sagte, ein großes Anliegen sei auch, bislang verborgenes Wissen über Fälle sexueller Gewalt im Bistum ans Licht zu bringen. Bischof Peter Kohlgraf habe mehrfach aufgerufen, dass Menschen, die von sexueller Gewalt im Bistum Mainz wissen, Kontakt mit Rechtsanwalt Weber aufnehmen sollen. „Am Ende des auf zwei Jahre angelegten, unabhängigen Aufklärungsprojektes wird Herr Weber seine Ergebnisse in einem Untersuchungsbericht veröffentlichen.“ Darüber hinaus habe das Bistum gegenüber den Staatsanwaltschaften in Rheinland-Pfalz und Hessen seine „vollumfängliche Kooperationsbereitschaft“ zum Ausdruck gebracht.

Bischof Kohlgraf habe mehrere Gespräche mit Menschen geführt, die von sexuellem Missbrauch direkt oder indirekt betroffen seien. Weitere Gespräche stehen demnach an. „Gerade aus diesen Gesprächen ist nochmals deutlich geworden, dass die Perspektive der Betroffenen nicht nur Voraussetzung für eine Aufarbeitung ist, sondern leitend für die Wege der Aufarbeitung sein muss“, unterstrich Blum. Eine allein juristische Herangehensweise, wie sie auch im Bistum Mainz bisher vorherrschend gewesen sei, werde es nicht mehr geben.

Bistum Trier

Bistum Speyer

Bistum Mainz