Archivierter Artikel vom 18.01.2020, 09:20 Uhr

Awo in Rheinland-Pfalz: Kaum Auswirkungen des Skandals

Die Affäre bei der Arbeiterwohlfahrt in Frankfurt und Wiesbaden sorgt auch in Rheinland-Pfalz für Aufsehen. Einen möglichen Rufschaden will die Organisation begrenzen.

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Logo der AWO
Das Logo der Arbeiterwohlfahrt (AWO) ist auf einem Papier zu lesen.
Foto: Holger Hollemann/dpa/Archivbild

Koblenz/Neustadt (dpa/lrs) – Trotz des Skandals um zwei hessische Kreisverbände der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Hessen erwartet die Organisation in Rheinland-Pfalz für sich keinen größeren Image-Schaden. „Wir haben keine Kündigungen, die auf diese Fälle zurückzuführen sind“, sagte die Sprecherin der Awo Rheinland, Cathrin Kröll, der Deutschen Presse-Agentur. „Es ist aber auf jeden Fall Thema.“

Die Organisation gehe damit „aber offen um“ und sei bereit zu informieren. „Wir haben nichts zu verbergen“, sagte Kröll. Geschäftsführer Andreas Zels sagte, wegen der Vorkommnisse in Frankfurt und Wiesbaden seien nur einige wenige der 16 000 Mitglieder ausgetreten. „Da kann also nicht von einer Welle gesprochen werden.“

Ähnlich sieht es auch die Arbeiterwohlfahrt Pfalz. Allerdings seien die Mitarbeiter in Sorge, wie der entstehende Rufschaden begrenzt werden kann. Die Awo Pfalz kenne die Vorgänge in Hessen nur aus den Medien. „Danach spricht aber einiges dafür, dass die dort Verantwortlichen nicht nur Maß und Mitte verloren haben, sondern auch den Kompass für richtig oder falsch“, teilte Sprecherin Sandra Magin mit.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hatte Räume der Awo in Frankfurt, Wiesbaden und anderen hessischen Städten durchsucht. In dem Komplex geht es unter anderem um Vorwürfe des Betrugs, ungewöhnlich hohe Gehälter einiger Mitarbeiter, merkwürdige personelle Verflechtungen, Luxus-Dienstwagen und teure Hotelübernachtungen. Die Stadt Frankfurt stellte eine Strafanzeige gegen den Awo-Kreisverband. Die Staatsanwaltschaft sprach von einer möglichen sechsstelligen Schadenssumme. Die Auswertung der sichergestellten Datenträger und Unterlagen soll einige Zeit in Anspruch nehmen.

Verdachtsmomente gegen die Awo gibt es aber auch in Rheinland-Pfalz. Sie liegen allerdings schon länger zurück. Die Staatsanwaltschaft Koblenz ermittelt seit mehreren Jahren gegen neun Beschuldigte, die Mitarbeiter oder Vorstandsmitglieder der beiden Awo-Kreisverbände Altenkirchen und Westerwald waren. Vorwürfe: Verdacht des Betruges durch ungerechtfertigte Abrechnungen von Seminarteilnehmern und der Verdacht des Betruges zum Nachteil von zwei Handwerkern. Diese hätten Aufträge erhalten, es sei aber nicht gezahlt worden. Die Ermittlungen dauern noch an, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Es seien umfangreiche Unterlagen auszuwerten und Zeugen zu vernehmen.

Die Arbeiterwohlfahrt wurde 1919 gegründet und war von Anfang an eng mit der SPD verbunden. Ziel war, Arbeiterfamilien das Leben zu erleichtern und Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Bundesweit sind es mehr als 18 000 Einrichtungen und Dienste mit rund 231 000 hauptamtlichen Mitarbeitern. Hinzu kommen knapp 74 000 ehrenamtliche Helfer. Die Awo, einer von sechs Spitzenverbänden der freien Wohlfahrtspflege, zählt damit zu den größten Arbeitgebern in Deutschland. Sie ist Trägerin unter anderem von Alten- und Pflegeheimen und -tagesstätten, von Kindertagesstätten, Beratungsstellen und ambulanten Diensten.

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