Bornheim

Auf dem Weg nach Süden: 2021 war ein gutes Storchenjahr

Nach einem eher kühlen Sommer in Rheinland-Pfalz haben sich die Störche auf den Weg nach Süden aufgemacht. „Der Zug ist im vollen Gange“, sagte Jessica Lehmann, Leiterin des Rheinland-Pfälzischen Storchenzentrums in Bornheim, der Deutschen Presse-Agentur. Zuerst seien die Jungstörche in wärmere Gefilde geflogen, dann folge der Hauptteil der Alttiere. Zuletzt hätten Beobachter dem Zentrum immer wieder Storchengruppen auf frisch abgeernteten oder gepflügten Feldern gemeldet, erklärte sie. „Sie sammeln sich zum Weiterzug oder zur Nahrungsaufnahme vor dem Abflug.“

Von dpa/lrs
Storch im Flug
Ein Storch fliegt.
Foto: Peter Zschunke/dpa-Zentralbild/dpa

In Rheinland-Pfalz gebe es kaum überwinternde Klapperschnäbel. „Hier handelt es sich um Einzelfälle, die aufgrund verschiedener Faktoren nicht in den Süden ziehen können“, sagte Lehmann. Zwar komme es immer wieder vor, dass Störche bis in den Winter hinein im Bundesland beobachtet werden könnten. „Das lässt jedoch keine Rückschlüsse zu, dass der Storch ein Nichtzieher ist. Bei kalter Witterung oder plötzlicher Kälte können Störche schnell ins Warme fliegen und einige Tage bleiben, um zurückzukehren und nach ihrem Nest zu schauen.“

Einige Tiere flögen Strecken bis in den Senegal – etwa die mit einem Sender ausgestattete „Sissi“, die in Rülzheim brüte und deren Reise per App verfolgt werden könne. „Anderen Tieren reichen einige 100 Kilometer nach Frankreich hinein“, sagte Lehmann. Einen sogenannten nichtziehenden Storch habe es in diesem Jahr im Hunsrück gegeben. „Er sorgte wegen seiner Nähe zum Menschen für Aufsehen. Aber auch in der Südpfalz gibt es einige wenige Störche, die überhaupt nicht ziehen.“

Auch solche Adebare seien aber Wildtiere. „Sie verfügen über einen angeborenen Überlebensinstinkt, der dafür sorgt, dass sie bei Futtermangel andere Nahrungsgründe suchen. Leider erleben wir immer wieder, dass Menschen zufüttern. Davon raten wir dringend ab, da es das Verhalten der Tiere negativ beeinflusst“, unterstrich Lehmann.

An vorläufigen Zahlen lasse sich ablesen, dass die Storchenpopulation in Rheinland-Pfalz 2021 vermutlich wieder gewachsen sei. „Die Wetterbedingungen waren für Störche in diesem Jahr von Vorteil“, sagte Lehmann. Der Storch liebe feuchte Wiesen und finde hier seine Nahrung. „Da es in der Aufzuchtphase feucht, aber nicht kalt war, konnten die Schreitvögel genug Nahrung für ihre Jungen finden.“

Der Storchenbestand in Rheinland-Pfalz galt von 1974 bis 1996 als erloschen. 1997 startete ein Wiederansiedlungsprojekt. Träger des Zentrums in der regionalen „Storchen-Hauptstadt“ Bornheim ist die vor mehr als 20 Jahren ins Leben gerufene Aktion PfalzStorch, die eine zentrale Rolle bei der Wiederansiedlung der Klapperschnäbel spielt.

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