Archivierter Artikel vom 26.05.2021, 05:40 Uhr

Ansturm auf Teststellen nach Öffnung der Außengastronomie

Die Corona-Fallzahlen sinken, Rheinland-Pfalz und das Saarland machen sich locker. Der Schlüssel für Biergärten und Theater sind Schnelltests. Entsprechend groß ist der Andrang bei Teststationen.

Von dpa/lrs
Ein Arzt hält einen Tupfer für einen Abstrich
Ein Arzt hält einen Tupfer, mit dem ein Abstrich für einen Coronatest gemacht wird.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Symbolbild

Mainz/Saarbrücken (dpa/lrs) – Offene Biergärten und Hotels: Die vorsichtigen Lockerungen bei sinkenden Corona-Fallzahlen lösen in Rheinland-Pfalz und im Saarland teils einen Ansturm auf Teststellen aus. „Auch im Kreis Neuwied hat die Außengastronomie wieder aufgemacht, da sind wir am Pfingstwochenende überrannt worden“, sagt etwa Lars Brennecke, Chef der Veranstaltungsfirma Actionlight in Urmitz bei Koblenz, die inzwischen mangels Großevents unter anderem vier Schnelltestzentren betreibt. In einem davon in Neuwied seien am Samstag im Schnitt jede Stunde mehr als 100 Tests gemacht worden.

Ein negatives Ergebnis oder der Nachweis ausreichender Impfungen oder einer Corona-Genesung ist für Gastgewerbe und Kultur in der Regel vorgeschrieben. Manche Gastronomiebetriebe bieten selbst Schnelltests an. Auch das Staatstheater Mainz zum Beispiel nimmt in Kürze mit Maskenpflicht und Mindestabständen wieder seinen Spielbetrieb auf – testen lassen können sich Besucher dann vor Ort.

Bundesweit macht mittlerweile fast jeder dritte Erwachsene laut einer Umfrage mindestens ein- bis zweimal pro Woche einen Corona-Test. Laut einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov ist dieser Schritt am stärksten bei jungen Leuten verbreitet. Der Bund übernimmt seit März die Kosten für mindestens einen Schnelltest von geschultem Personal pro Woche. Auch in Schulen gibt es regelmäßige Schnelltests.

In Trier zum Beispiel wird das von Rotary Clubs eröffnete Testzentrum auf dem Domfreihof nach deren Angaben sehr gut angenommen. Am vergangenen Samstag seien rund 400 Tests gemacht worden – auch sonntags sei die Warteschlange lang gewesen. Mit dem ehrenamtlichen Einsatz unterstützten die Rotarier die Bürger, den Einzelhandel und die Gastronomie. Eine Anmeldung sei nicht vorgeschrieben, eine vorherige Kontakterfassung über eine App (Imnu) beschleunige aber alles. Das Testergebnis gebe es 15 Minuten später aufs Handy.

Das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung Rheinland-Pfalz meldet für das Bundesland mit dem Stand 25. Mai „flächendeckend 1610 Teststellen. Die Rückmeldungen, die uns erreichen, spiegeln uns, dass das Netz der Teststellen in Rheinland-Pfalz gut ausgebaut ist.“ Ein Viertel davon werde von Kommunen und Hilfsorganisationen betrieben. Drei Viertel verteilten sich auf 235 Apotheken, 355 Arztpraxen sowie 599 sonstige kommerzielle Anbieter wie die Firma Actionlight. Es gibt auch Drive-in-Teststellen ohne Aussteigen aus dem Auto und Tests auf dem Wasser wie zum Beispiel in einem umfunktionierten Schiff der Gilles Personenschifffahrt auf dem Rhein in Vallendar bei Koblenz.

Als Bundesland weit vorne beim Testen sieht sich das kleine Saarland mit mehr als 400 Teststationen. „Wir haben daher praktisch die Möglichkeit, vor jeder Haustüre einen Test zu machen“, hatte Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) vergangene Woche betont. Er sprach jüngst von 300.000 Tests pro Woche. Die Test-Infrastruktur war eine Voraussetzung für den Start des Saarland-Modells am 6. April, das auf der Basis von negativen Tests auf Öffnungen setzte.

Actionlight-Chef Brennecke sagt mit Blick auf die Vergütung des Bundes: „Wir konnten mit den Testzentren Mitarbeiter halten.“ Nicht jeder sei geeignet, aber wer auf Menschen zugehen könne, „arbeitet gerne in den Testzentren“. Auch die Reaktion der Kunden sei positiv: „Uns haben auch schon Leute Schokolade zum Dank mitgebracht.“ Nur ganz wenige kritisierten die Testpflicht an sich.

Laut dem Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung Rheinland-Pfalz können Arztpraxen und Apotheken in dem Bundesland eine Vergütung von 15 Euro und sonstige Betreiber 12 Euro pro Test über die Kassenärztliche Vereinigung abrechnen. Zudem würden Sachkosten von maximal sechs Euro pro Testkit übernommen.

Der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Rheinland-Pfalz, Gereon Haumann, sagt, die Mehrheit der Gastronomiebetriebe mit Testangeboten verlange dafür kein Geld. Der Verband ermuntere sie dazu als guten Service für Gäste, zumal sich die Betriebe die Kosten dafür vom Staat auch über Corona-Hilfen ersetzen lassen könnten.

Der Dehoga fordert allerdings angesichts sinkender Corona-Fallzahlen den Verzicht auf die Vorschrift von Testergebnissen und sonstigen Nachweisen für die Außengastronomie. Mit Mindestabständen und Desinfektionsmitteln sind diese Orte im Freien laut Haumann sicherer als wenn sich wie am Pfingstwochenende zahlreiche Ausflügler auf einer Picknickdecke oder Parkbank zusammendrängten.

© dpa-infocom, dpa:210526-99-742119/4

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