Archivierter Artikel vom 19.02.2021, 02:30 Uhr
Koblenz

Anklage fordert 3 Jahre Haft für mutmaßliche IS-Rückkehrerin

Im Prozess gegen die erste mutmaßliche IS-Rückkehrerin aus Rheinland-Pfalz hat die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz am Freitag drei Jahre Haft gefordert. Laut einer Sprecherin des Oberlandesgerichts (OLG) Koblenz könnte am 2. März die Verteidigung plädieren und am 4. März das Urteil verkündet werden.

Von dpa/lrs
Eine Figur der Justitia steht neben einem Holzhammer und Akten
Eine Figur der Justitia steht neben einem Holzhammer und einem Aktenstapel.
Foto: Volker Hartmann/dpa/Symbolbild

Die Anklage wirft der 30-jährigen Mutter Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor. Sie sei von 2014 bis 2019 Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gewesen. Oberstaatsanwalt Christopher do Paço Quesado sagte am Freitag, sie habe zur Ausreise in das vom IS ausgerufene Kalifat aufgefordert und die Bestrafung von Ungläubigen gefordert. Die Deutsche habe auch Propaganda für den IS gemacht und etwa Fotos ihrer Kinder mit Schusswaffen verschickt. Die Angeklagte hatte zugegeben, in einem Online-Post 2015 gegen das Leben in Deutschland und die Demokratie gehetzt und Muslime aufgefordert zu haben, das Land zu verlassen. Inzwischen tue ihr dies leid.

Laut der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz war sie 2014 nach ihrem Übertritt zum Islam schwanger aus Idar-Oberstein über die Türkei nach Syrien ausgereist. Nacheinander soll sie mit vier IS-Kämpfern verheiratet gewesen sein und deren Taten unterstützt haben. Drei seien in Gefechten gestorben. Ihre drei Kinder leben nun in Pflegefamilien. Die 30-Jährige war der Anklage zufolge 2019 von kurdischen Kräften festgesetzt und im Januar 2020 mit ihren Kindern von der Türkei nach Deutschland abgeschoben worden. Am Frankfurter Flughafen wurde sie festgenommen. Sie sitzt in Untersuchungshaft.

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