Archivierter Artikel vom 10.01.2021, 18:10 Uhr
Neuwied

Angeschlagener Zoo Neuwied sieht sich dank Spenden gerettet

Der größte Zoo im Land mit 1800 Tieren für immer geschlossen? Diese Gefahr mitten in der Corona-Seuche schreckt die Bürger auf. Ruckzuck fließen Hunderte Spenden. Reicht das?

dpa/lrsLesezeit: 2 Minuten
Pfau im Zoo Neuwied
Ein Pfau stolziert durch den menschenleeren Biergarten im Zoo Neuwied.
Foto: Thomas Frey/dpa/Archivbild

Neuwied (dpa/lrs). Der wegen Corona schwer finanziell angeschlagene Zoo Neuwied sieht sich nach Spenden und Einnahmen von gut 250 000 Euro vorerst gerettet. „Dass unser Hilferuf vor einer Woche eine derartige Resonanz und gleichzeitig eine regelrechte Spenden-Welle auslöst, hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können“, teilte der Direktor des coronabedingt geschlossenen größten Zoos in Rheinland-Pfalz, Mirko Thiel, am Sonntag mit.

Der Vorsitzende des Zoo-Fördervereins, der Neuwieder Oberbürgermeister Jan Einig (CDU), sprach von „vielen hundert Spendern“. Die Finanzlage habe sich in einem Maße entspannt, dass der Zoo-Förderverein derzeit „keine zusätzliche Sonder-Förderung in Form eines Rettungsschirmes des Landes, wie er seit Tagen im Gespräch ist, in Anspruch nehmen“ wolle.

In einer Mail an Clemens Hoch (SPD), den Leiter der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei in Mainz, erklärte Einig nach eigenen Worten, dass der geplante Runde Tisch als Videokonferenz mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) an diesem Montag (11.1.) nicht mehr nötig sei. Er danke für die Gesprächsbereitschaft des Landes. Ob er später darauf zurückkommen müsse, hänge vom Verlauf der Corona-Pandemie und den bereits beantragten öffentlichen Förderungen ab.

Das Neuwieder Stadtoberhaupt erläuterte: „Die beantragte Überbrückungshilfe für November soll Anfang kommender Woche ausgezahlt werden. Die Dezember- und Januarhilfen sind beantragt und im Verfahren.“ Zudem werde die Futterhilfe des Landes von November 2020 bis Juni 2021 verlängert und für eine Tierhalle eine Landesförderung von 50 000 Euro erwartet. OB Einig, Zoodirektor Thiel, ein Wirtschafts- und ein Steuerberater hatten am Samstag die aktuelle Finanzlage des Tierparks bewertet.

Wegen Corona sind die Zoos und Tiergärten in Rheinland-Pfalz seit Anfang November 2020 geschlossen. Auch im ersten Lockdown im Frühjahr zuvor mussten sie wochenlang zu bleiben. Der Zoo Neuwied geriet wegen fehlender Einnahmen bei zugleich weiterlaufenden Ausgaben in Finanznöte. Mehrere CDU-Politiker forderten deshalb mehr staatliche Unterstützung.

Ministerpräsidentin Dreyer hatte Rathauschef Einig geschrieben, dass die rot-gelb-grüne Landesregierung den Zoo und seine Jobs erhalten wolle. In einer Petition zur Rettung des Zoos hieß es, mehr als 80 Arbeitsplätze und das Wohl von 1800 Tieren stünden auf dem Spiel.

Die CDU Rheinland-Pfalz urteilte am Sonntag: „Die Welle der Hilfsbereitschaft war riesig. Wo die Regierung schläft, sind die Bürgerinnen und Bürger nun zur Tat gestritten.“ Die Partei ergänzte: „Mit einer so großen Spendenbereitschaft und bislang 30 000 Unterschriften konnten auch die Initiatoren der Petition nicht rechnen.“ Diese war von den CDU-Kommunalpolitikern Pascal Badziong und Martin Hahn gestartet worden. Hahn betonte am Sonntag: „Wir sind absolut begeistert und auch etwas stolz darauf, was wir mit unserer Petition für eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst haben.“

Zoo Neuwied