Bad Neuenahr-Ahrweiler

Aktuelles Bild der Lage machen: Bundespräsident spricht mit Flutopfern im Ahrtal

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht am Sonntag mit Betroffenen der Flutkatastrophe. Nach einem Rundgang durch Ahrweiler ist ein Treffen mit Winzern in Mayschoß und mit freiwilligen Helfern in Grafschaft geplant.

Ahrweiler nach der Flutkatastrophe
Völlig zerstört ist diese Brücke über die Ahr in Ahrweiler nach der Flutkatastrophe.
Foto: Boris Roessler/dpa/Archivbild

Bad Neuenahr-Ahrweiler (dpa/lrs) – Rund drei Monate nach der Flutkatastrophe besucht Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an diesem Sonntag das Ahrtal. In Gesprächen mit Bewohnern und Helfern will er sich nach Angaben der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz „ein aktuelles Bild vom Stand des Wiederaufbaus“ machen. Begleitet wird er von der stellvertretenden rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin und Klimaschutzministerin Anne Spiegel (Grüne) sowie von Innenminister Roger Lewentz (SPD).

Erste Station ist die Altstadt von Ahrweiler und die Ahrtorbrücke. Das 1893 errichtete Bauwerk, benannt nach einem der vier historischen Stadttore von Ahrweiler, wurde von den reißenden Fluten der Ahr zerstört. An gleicher Stelle hat das Technische Hilfswerk eine Behelfsbrücke für Fußgänger und Autos angelegt. Von der Brücke aus will Steinmeier über den Marktplatz zum Obertor laufen.

Anschließend ist ein Besuch des Bundespräsidenten bei der Winzergenossenschaft Mayschoß geplant. Dort will Steinmeier auch mit Winzerinnen und Winzern sprechen. Zum Abschluss wird das Staatsoberhaupt im Helfer-Camp in der Gemeinde Grafschaft erwartet. Nach Angaben des Shuttledienst-Gründers Marc Ulrich sind inzwischen noch etwa 400 bis 500 freiwillige Helfer an jedem Werktag im Einsatz, am Wochenende etwas mehr.

Am 1. September hatte Steinmeier am Staatsakt für die Opfer der Hochwasserkatastrophe teilgenommen. Damals sagte er am Nürburgring, es gehe nicht allein um Soforthilfe für den Wiederaufbau. „Sie brauchen unsere Hilfe und unsere Aufmerksamkeit nicht nur jetzt, in der akuten Not, sondern für lange Zeit.“

Privathaushalte im Katastrophengebiet können inzwischen Anträge für Aufbauhilfen stellen, über das digitale „Self Service Portal“ (SSP) der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB). Für Schäden am eigenen Hausrat wird nach Angaben des Innenministeriums in der Regel eine Pauschale gewährt, die sich an den Mitte Juli im Haushalt gemeldeten Personen und dem Anteil des betroffenen Hausrates bemisst – ein Ein-Personen-Haushalt erhält 13.000 Euro, Mehrpersonenhalte erhalten eine gestaffelt höhere Pauschale, nämlich 8500 Euro für die zweite Person und 3500 Euro für jede weitere gemeldete Person.

Reporter der Deutschen Presse-Agentur erhielten vor Ort zuletzt den Eindruck, dass die Unterstützung dadurch erschwert wird, dass viele Betroffene schlecht informiert sind. Als Gründe nannten Bewohner von Ahrtal-Gemeinden persönliche Traumatisierung, zu hohe Belastung bei der Versorgung von Familienmitgliedern, den Spagat zwischen Berufstätigkeit und Haussanierung oder auch den Umzug in andere Regionen.

In Rheinland-Pfalz kamen bei dem Hochwasser nach extremem Starkregen am 14. und 15. Juli 133 Menschen im besonders betroffenen Ahrtal und ein Mensch in der Region Trier ums Leben. Die Landesregierung sieht in der Katastrophe auch eine Auswirkung der fortschreitenden globalen Klimakrise.

© dpa-infocom, dpa:211009-99-539442/3

ISB zu Anträgen für Finanzhilfen