Archivierter Artikel vom 06.08.2020, 07:40 Uhr
Saarbrücken

150 Jahre danach: Gedenken an Spichern-Schlacht

150 Jahre nach der ersten großen Schlacht des Deutsch-Französischen Krieges bei Spichern nahe Saarbrücken haben Vertreter beider Länder der Opfer des Krieges gedacht. Der historische Blick auf die blutigen Kämpfe und die Erinnerung an sie hat sich seither stark gewandelt.

dpa/lrsLesezeit: 2 Minuten
Schlacht bei Spichern
Eine Zeichnung zeigt die Schlacht bei Spichern am 6. August 1870.
Foto: Zeutschel/Landesarchiv Saarland/dpa/Archivbild

Saarbrücken (dpa/lrs) – Genau 150 Jahre nach der ersten großen Schlacht im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 hat der saarländische Landtagspräsident Stephan Toscani (CDU) die Bedeutung der Freundschaft beider Länder betont. „Die deutsch-französische Freundschaft ist für Europa heute wichtiger als je zuvor“, sagte er am Donnerstag bei einer Gedenkfeier für die mehr als 1000 Toten der Schlacht auf den Spicherer Höhen am 6. August 1870.

Ebenso wie die französische Generalkonsulin Catherine Robinet legte Toscani im Ehrental des Deutsch-Französischen Gartens in Saarbrücken einen Kranz für die Gefallenen nieder. Der Sieg auf den Spicherer Höhen wurde nach Kriegsende 1871 als wichtiger Beitrag zum Entstehen eines geeinten Deutschen Reiches gefeiert.

Noch während des Krieges wurde unter Führung von Reichskanzler Otto von Bismarck Anfang 1871 aus dem Norddeutschen Bund das Deutsche Reich. Preußens König Wilhelm wurde am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles zum deutschen Kaiser Wilhelm I. proklamiert.

150 Jahre nach der Schlacht bei Spichern sei es Deutschen und Franzosen wichtig, „der Gefallenen gemeinsam zu gedenken“, sagte Toscani. Heute gelte die deutsch-französische Freundschaft als selbstverständlich. „Unsere Beziehungen waren jedoch nicht immer von Frieden und Verständigung geprägt.“ Es sei „Aufgabe unserer Generation“, die heutigen guten Beziehungen zu den Nachbarn zu pflegen und fortzuentwickeln, mahnte der Landtagspräsident.

Der angesichts deutlicher französischer Überlegenheit überraschende Sieg der deutschen Seite auf den Spicherer Höhen sei anschließend „mystifiziert“ worden, sagte der Historiker und stellvertretende Leiter des saarländischen Landesarchivs, Paul Burgard. Er habe dazu geführt, dass Spichern mit vielen Denkmälern für verschiedene Regimenter zu einer „nationalen Weihestätte“ geworden sei.

Spichern trug laut Burgard auch zu einer „Nationalisierung im deutsch-preußischen Sinn hier in der Region“ bei. Bei vielen gutbürgerlichen Saarländern, die zuvor eher distanziert nach Preußen geschaut hätten, sei das Gefühl entstanden: „Wir haben ganz stark an der Reichseinigung mitgekämpft.“ Der „Nationalisierungsschub nach 1871“ habe „für die Mentalität und die politische Kultur des Saargebiets“ tatsächlich „eine große Rolle gespielt“.

Bei der Schlacht wurden mehr als 9000 Soldaten verwundet. Toscani legte auch einen Kranz in Erinnerung an Katharine Weißgerber nieder, die – bekannt als „Schultze Kathrin“ – nach der Schlacht Verletzte beider Seiten versorgt hatte.

Die Kriegshandlungen endeten am 26. Februar 1871, als Frankreich sich im sogenannten Vorfriedensabkommen von Versailles geschlagen gab und unter anderem der Abtretung weiter Teile Lothringens und des Elsass' zustimmte. Burgard erklärte, in Deutschland scheine der Deutsch-Französische Krieg mittlerweile „abgesunkenes historisches Wissen“ zu sein. In Frankreich spiele die Niederlage von 1871 hingegen noch eine viel größere Rolle.