Archivierter Artikel vom 27.11.2020, 10:51 Uhr
Reichenbach

Enkeltrickbetrüger machen Beute

Eine bislang unbekannte Frau meldete sich am 26.11.2020 telefonisch bei mehreren älteren Menschen im Kreis Birkenfeld und gab sich jeweils als Enkelin aus.

Polizeidirektion Trier (ots)Lesezeit: 3 Minuten

Der Schwerpunkt der Anrufe erfolgte in Idar-Oberstein. Die Anruferin erklärte, in eine Notlage geraten zu sein. Kurzfristig brauche sie Bargeld zur Bereinigung der Situation. In der überwiegenden Zahl der Anrufe blieb es glücklicherweise beim Betrugsversuch, die Angerufenen erkannten die Masche.

Ebenfalls am 26.11.2020 kontaktierte jedoch möglicherweise die gleiche Anruferin gegen 11.30 Uhr eine 81-jährige Frau aus Reichenbach an und erreichte durch eine geschickte Gesprächsführung, dass die Frau annahm, dass es sich bei der Gesprächsteilnehmerin um ihre Enkelin handele, die in eine finanzielle Notlage geraten sei und dringend einen größeren Geldbetrag brauche. Danach meldete sich ein vermeintlicher Notar bei der Frau und „bestätigte“ die Situation der Enkelin.

In der Folge bestellte die Täterseite dem späteren Opfer ein Taxi, um Geld von einer Bank abzuholen. Um 13.40 Uhr kam schließlich eine weibliche Person, ca. 30 Jahre, kräftig, 165 cm groß, mit halblangen, lockigen und braunen Haaren, trug rote Jacke, am Anwesen der älteren Dame vorbei. Sie gab sich als Beauftragte der Enkelin aus und nahm vom Opfer einen fünfstelligen Bargeldbetrag entgegen. Die Frau sprach gut Deutsch, ohne Akzent. Anschließend verließ sie die Wohnanschrift in unbekannte Richtung. Ein Hinweis auf ein Fahrzeug liegt nicht vor.

Bei dieser Masche handelt es sich um den sogenannten Enkeltrick. Dies ist eine besonders hinterhältige Form des Betrugs, der für die Opfer oft existenzielle Folgen haben kann. Einerseits, weil sie dadurch hohe Geldbeträge verlieren können, unter Umständen sogar um ihre Lebensersparnisse gebracht werden. Andererseits sehen sie sich häufig auch noch den Vorwürfen und dem Unverständnis Ihrer Verwandten ausgesetzt. Mit den Worten „Rate mal, wer hier spricht“ oder ähnlichen Formulierungen rufen die Betrüger bei Opfern an, geben sich als Verwandte, Enkel oder auch gute Bekannte aus und bitten kurzfristig um Bargeld. Als Grund wird ein finanzieller Engpass oder eine Notlage vorgetäuscht, beispielsweise ein Unfall, ein Auto- oder Computerkauf. Die Lage wird immer äußerst dringlich dargestellt. Oft werden die Opfer durch wiederholte Anrufe unter Druck gesetzt. Sobald sie sich bereit erklären, wird ein Bote angekündigt, der sich dann mit einem zuvor vereinbarten Kennwort ausweist und das Geld abholt. Auf diese Weise sind von Tätern in der Vergangenheit bereits Beträge von über 300.000 Euro in einem einzelnen Fall erbeutet worden.

Tipps Ihrer Polizei gegen den Enkeltrick: Seien Sie misstrauisch, wenn sich Anrufer am Telefon nicht selber mit Namen melden. Raten Sie nicht, wer anruft, sondern fordern Sie Anrufer grundsätzlich dazu auf, ihren Namen selbst zu nennen.

Seien Sie misstrauisch, wenn sich Personen am Telefon als Verwandte oder Bekannte ausgeben, die Sie als solche nicht erkennen. Erfragen Sie beim Anrufer Dinge, die nur der richtige Verwandte/Bekannte wissen kann.

Geben Sie keine Details zu Ihren familiären und finanziellen Verhältnissen preis.

Lassen Sie sich nicht drängen und unter Druck setzen. Nehmen Sie sich Zeit, um die Angaben des Anrufers zu überprüfen. Rufen Sie die jeweilige Person unter der Ihnen lange bekannten Nummer an und lassen Sie sich den Sachverhalt bestätigen.

Wenn ein Anrufer Geld oder andere Wertsachen von Ihnen fordert: besprechen Sie dies mit Familienangehörigen oder anderen Ihnen nahestehenden Personen.

Übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen wie Schmuck an unbekannte Personen.

Kommt Ihnen ein Anruf verdächtig vor, informieren Sie unverzüglich die Polizei unter der Nummer 110. Wählen Sie die Rufnummer selber, lassen Sie sich nicht verbinden.

Sind Sie bereits Opfer eines Enkeltricks geworden, zeigen Sie die Tat unbedingt bei der Polizei an. Dies kann der Polizei helfen, Zusammenhänge zu erkennen, andere Personen entsprechend zu sensibilisieren und die Täter zu überführen.

Lassen Sie Ihren Vornamen im Telefonbuch abkürzen (aus Herta Schmidt wird beispielsweise H. Schmidt). So können die Täter Sie gar nicht mehr ausfindig machen. Zum Ändern eines Telefonbucheintrags wenden Sie sich an die Telekom.

Bewahren Sie Ihre Wertsachen, z.B. höhere Geldbeträge und andere Wertgegenstände, nach Möglichkeit nicht zuhause auf, sondern auf der Bank oder im Bankschließfach.

Die Kriminalpolizei bittet die Bevölkerung um Mithilfe bei der
Aufklärung der vorliegenden Straftaten. Sachdienliche Hinweise können
an die Kriminalpolizei Idar-Oberstein unter der Telefonnummer
06781/5610 oder an die örtlich zuständigen Polizeiinspektionen
gegeben werden. Insbesondere bittet die Polizei um Hinweise auf
verdächtige Fahrzeuge und Personen in dem betroffenen Bereich.
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Kriminalinspektion Idar-Oberstein
Hauptstraße 236
55743 Idar-Oberstein

Telefon: 06781-5610
www.polizei.rlp.de

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