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    Bendorf: Bewegende Berichte einer KZ-Überlebenden

    "Ich habe eine Aufgabe - der Welt erzählen, was passiert ist", sagt die 80-jährige Jüdin Sara Atzmon, die ins Bendorfer Wilhelm-Remy-Gymnasium gekommen ist, um den Dokumentarfilm "Holocaust light gibt es nicht" zu zeigen und um von ihrem Leben zu berichten.

    Die 80-jährige Sara Atzmon berichtet im Bendorfer Wilhelm-Remy-Gymnasium von ihrem Leben im KZ. Dazu präsentierte sie einen Dokumentarfilm.
    Die 80-jährige Sara Atzmon berichtet im Bendorfer Wilhelm-Remy-Gymnasium von ihrem Leben im KZ. Dazu präsentierte sie einen Dokumentarfilm.
    Foto: Winfried Scholz

    Von unserem Mitarbeiter Winfried Scholz

    Sie ist eine der wenigen noch lebenden Zeitzeugen, die dem Holocaust entkommen sind, dem von deutschen Nationalsozialisten verübten Massenmord an sechs Millionen europäischen Juden während des Zweiten Weltkriegs.

    Sara Atzmon, die heute in einem Dorf bei Tel Aviv in Israel lebt, berichtet: "Es war der Ordnungssinn der Deutschen, der mein Leben gerettet hat." Die kleine, zierliche Frau präsentiert mit ihrem Mann Uri den bewegenden Dokumentarfilm, den sich mehr als 100 Schüler angeschaut haben. Abends sind noch einmal ein paar Dutzend Interessierte in die Schule gekommen. Die Rahmenhandlung des Films schildert, wie Sara Atzmon 2012 mit ihrer damals zwölfjährigen Enkelin, so alt war sie selbst bei Kriegsende, die Orte des Grauens besucht.

    Die in Ungarn lebende Familie Gottdiener, so Saras Mädchenname, wurde mit anderen Juden am 25. Juni 1944 nach Auschwitz deportiert. Dort wurden täglich 20 000 Juden ermordet. Atzmon erzählt: "An diesem Tag war das Lager überbelegt, und unser Transport stand nicht auf den Listen der Deutschen." Adolf Eichmann, Hitlers Cheforganisator des Massenmords, habe entschieden: "Dieser Transport geht nach Westen." Zusammen mit Geschwistern kam Sara ins KZ Bergen-Belsen in der Lüneburger Heide. Sie berichtet weiter: "Auch das war die Hölle. Wir Kinder haben zwischen Bergen von Leichen gespielt. Zu essen gab es Suppe aus Kartoffel- und Rübenschalen. Manchmal war ein Stückchen Fleisch dabei. Später erfuhr ich, das war Menschenfleisch." Als das Lager im April 1945 nach Theresienstadt evakuiert werden sollte, flüchteten die Bewacher mit der Lok und ließen die Waggons bei Magdeburg auf freier Strecke stehen. Sara und zwei Schwestern gelangten über Marseille auf einem Schiff nach Palästina. Dort heiratete sie ihren Mann Uri, dessen Eltern bereits 1924 aus Deutschland eingewandert waren. Das Ehepaar hat sechs Kinder, 20 Enkel und eine ständig wachsende Zahl Urenkel. Als Künstlerin verarbeitet Sara Atzmon ihre Erinnerungen auch in Bildern, von denen einige in der Gedenkstätte Yad Vashem hängen.

    Der Film enthält auch Interviews, zum Beispiel mit einer Mutter um die 30: "Holocaust, habe ich mich noch nie mit befasst. Das Thema hat auch im Elternhaus keine Rolle gespielt. Ich empfinde keine Verantwortung. Irgendwann muss es mal gut sein." Oder mit einer 16-jährigen Realschülerin, die nicht wusste, was Auschwitz ist und wo es liegt.

    Sara Atzmon ist enttäuscht: "In Israel, dem Land der Opfer, gehört der Holocaust und ein Besuch in Auschwitz zum Pflichtprogramm in den Schulen. In Deutschland, dem Land der Täter, ist das nicht so."

    Ermutigend waren zwei Beiträge aus der Diskussion. Eine Frau mittleren Alters entschuldigt sich in bewegten Worten für die Verbrechen der Nazis. Die Muslimin Zeynip Begen, Vorsitzende des MYK-Migrationsbeirats, sagt: "Ich freue mich, eine Jüdin kennengelernt zu haben. Frau Atzmon, machen Sie weiter so."

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