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Westerwaldkreis

Wie "Donum Vitae" Frauen in Not hilft

Stephanie Kühr

Die staatlich anerkannte Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle „Donum Vitae Westerwald/Rhein-Lahn“ ist im 17. Jahr ihres Bestehens gefragter denn je und inzwischen eine feste Institution in der Region. Viele Frauen aus dem Westerwaldkreis finden hier in einer seelischen Notlage diskret Rat und Hilfe. Seit der Gründung des Vereins im Juni 2002 und der Eröffnung der Beratungsstelle in der Montabaurer Wilhelm-Mangels-Straße hat Donum Vitae in 3193 Fällen Frauen aus dem Westerwaldkreis und dem Nachbarkreis beraten, darunter waren 1429 Konfliktberatungen. Im vergangenen Jahr haben die beiden Diplom-Pädagoginnen Heike Hartkorn und Brigitte Kazmarek-Lang 228 Frauen und ihre Partner beraten – knapp die Hälfte davon, 92 Fälle, waren Konfliktberatungen. Das geht aus dem aktuellen Tätigkeitsbericht für das Jahr 2017 hervor, den Donum Vitae jetzt vorgelegt hat.

Heike Hartkorn (links) und Brigitte Kazmarek-Lang sind seit der Gründung von Donum Vitae im Westerwaldkreis im Juni 2002 dabei. Foto: Stephanie Kühr
Heike Hartkorn (links) und Brigitte Kazmarek-Lang sind seit der Gründung von Donum Vitae im Westerwaldkreis im Juni 2002 dabei.
Foto: Stephanie Kühr

„Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt nach wie vor auf der Schwangerschaftskonfliktberatung“, betonen die beiden hauptamtlichen Mitarbeiterinnen gegenüber unserer Zeitung. Am Ende dieser Gespräche werden auf Wunsch Beratungsscheine ausgestellt, die Voraussetzung für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch innerhalb der ersten 12 Schwangerschaftswochen sind. „Wir wissen nicht, wie viele Frauen, die einen Schein erhalten, sich am Ende für das Kind entscheiden“, sagt Heike Hartkorn. Denn die Frauen müssen sich nach der Beratung nicht zurückmelden. Umso schwieriger ist es für die beiden Beraterinnen zu ermessen, ob das Gespräch bei Donum Vitae den Ausschlag gegeben hat, sich für das Baby zu entscheiden, oder nicht.

Der „Erfolg“ der ergebnisoffenen Beratung lässt sich daher schwerlich in Zahlen fassen. Einige Frauen, die sich für ihr Kind entscheiden, kommen zur weiteren Schwangerenberatung zurück. Andere brauchen nur eine einmalige Entscheidungshilfe, bis sie wissen, welchen Weg sie gehen wollen. Im Mittelpunkt der Gespräche aber steht immer die Frau. „Für uns ist eine Beratung gut und erfolgreich, wenn es der Frau nach dem Gespräch besser geht als vor dem Gespräch, wenn sie zur Ruhe kommt, und aus dieser inneren Sicherheit heraus ihre Entscheidung treffen kann“, sagt Brigitte Kazmarek-Lang. „Der Schutz des ungeborenen Lebens ist für uns das oberste Gebot, doch es gibt schwerwiegende Gründe, warum sich eine Frau gegen ihr Kind entscheidet“, sagt Heike Hartkorn. Die Frauen leiden unter der Situation, keine treffe diese schwere Entscheidung leichtfertig, weiß die Beraterin aus Erfahrung.

Die Donum-Vitae-Mitarbeiterinnen haben 2017 darüber hinaus 129 Frauen während der Schwangerschaft und danach begleitet. Sie organisierten eine erste Schwangerschafts- und Babyausstattung, halfen bei der Wohnungssuche oder standen bei alltäglichen Problemen rund um die Schwangerschaft zur Seite. Über die Bundesstiftung Mutter und Kind vermittelten sie finanzielle Hilfen in Höhe von insgesamt rund 14.700 Euro. „Für viele Schwangere ist es ein großes Problem, in der Region bezahlbaren Wohnraum für die neue Familie zu finden“, sagt Hartkorn. Konflikte gibt es auch mit dem Job: Viele haben einen befristeten Arbeitsvertrag, der wegen der Schwangerschaft eventuell nicht verlängert wird. Sie stehen dann vor der Entscheidung: Kind oder Job. Andere sind in der Ausbildung, fürchten um Prüfungen und Berufsabschluss. „Auch das Thema Kinderbetreuung ist nach wie vor problematisch“, betont Kazmarek-Lang. Finanzielle Probleme und Beziehungsprobleme spielen insbesondere bei der Konfliktberatung eine Rolle. „Der Partner ist oft der Grund, warum Frauen ihr Kind nicht bekommen wollen. Entweder es kriselt, oder der Mann droht mit Trennung“, sagt Hartkorn. Die erste Reaktion des Partners sei oft entscheidend für die Frau, so die Beraterin.

Die Beraterinnen, die auf Anfrage ebenfalls Präventionsarbeit an Schulen leisten, helfen seit zehn Jahren auch „online“: So fanden im vergangenen Jahr 79 Erstberatungen über die Internetplattform statt. In zehn Fällen half Donum Vitae zudem Ehepaaren im Rahmen der „Psychosozialen Kinderwunschberatung“. Dieses Angebot gibt es seit 2015. „Die Paare stehen unter einem enormen Leidensdruck. Sie wünschen sich ein Kind, aber es klappt nicht. Darunter kann eine Beziehung leiden, aber auch die psychische Belastung ist groß“, sagt Heike Hartkorn.

Von unserer Redakteurin Stephanie Kühr

Hier gibt es diskrete Hilfe

Die Beratungen von Donum Vitae Westerwald-Rhein-Lahn in der Wilhelm-Mangels-Straße 22 in Montabaur sind kostenlos, unabhängig von Religion und Nationalität und unterliegen der absoluten Schweigepflicht. „Die Termine werden zeitnah vergeben. Innerhalb der Öffnungszeiten sind wir in der Regel persönlich erreichbar“, betonen die beiden Diplom-Sozialpädagoginnen Brigitte Kazmarek-Lang und Heike Hartkorn.

Die Bürozeiten der beiden Beraterinnen sind montags, dienstags und freitags von 9 bis 12 Uhr, mittwochs von 13.30 bis 16.30 Uhr sowie donnerstags von 9 bis 16.30 Uhr; Termine werden nach Vereinbarung vergeben.

Weitere Informationen und Kontakt im Internet unter der Adresse www.montabaur.donumvitae .org; die Online-Beratung ist unter www.donumvitae-onlineberatung.de zu erreichen.

Montabaur Hachenburg
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