40.000
Aus unserem Archiv
Hundsangen

Wegen Sportplatzsanierung: Schlagabtausch in Hundsangen geht weiter

Susanne Willke

Das Ringen um Richtig oder Falsch geht weiter in Hundsangen. Nachdem sich in den vergangenen Wochen Gemeinderat, Verwaltung und auch Sportverein in der Frage um die Sportplatzsanierung positioniert hatten, hat jetzt die Gemeinde Hundsangen mit einer detaillierten Historie im Amtsblatt nachgelegt. Der ehemalige Gemeinderat reagiert mit einer Stellungnahme via Facebook. Der Grund für den Schlagabtausch: Der Gemeinderat hatte wegen ungeplant höherer Kosten einen Landeszuschuss in Höhe von 110.000 Euro zurückgegeben (die WZ berichtete). Nun ist eine Diskussion darüber entbrannt, um wie viel höher die Kosten tatsächlich ausgefallen wären.

Der alte Rasenplatz in Hundsangen wird weiterhin gehegt und gepflegt. Im Sommer steht eine Belüftung gegen die Nässe auf dem Programm.  Foto: Susanne Willke
Der alte Rasenplatz in Hundsangen wird weiterhin gehegt und gepflegt. Im Sommer steht eine Belüftung gegen die Nässe auf dem Programm.
Foto: Susanne Willke

Die Verwaltung spricht von 5100 Euro Mehrkosten, der ehemalige Ortsgemeinderat von 79.317 Euro Mehrkosten. Beide Darstellungen sprechen von einem Zuschuss in Höhe von 121.450 Euro und einer im Haushalt der Gemeinde vorgesehenen Summe von 366.000 Euro, die nicht nur Baukosten, sondern auch die Planungs- und Baunebenkosten enthalten sollte.

Seine Entscheidung, die Sportplatzsanierung zu verschieben, fällte der Gemeinderat auf der Grundlage einer detaillierten Kalkulation des beauftragten Planers mit einer reinen Bausumme von 312.683 Euro. „Das ist die entscheidende Ausgangsgröße“, heißt es in der Stellungnahme des ehemaligen Rates, die von Frank Göbel unterzeichnet ist. Diese Summe sei am 25. Juli 2017 vom Rat als Obergrenze beschlossen worden und damit rechtsverbindlich für das Ausschreibungsverfahren. Der günstigste Bieter legte anschließend ein Angebot vor, nach dem die Sportplatzsanierung 392.000 Euro kosten sollte. Damit lag der Preis um 25,36 Prozent über dem kalkulierten Preis, Planungs- und Baunebenkosten noch nicht inbegriffen. Über diese Kostensteigerung seien Verbandsgemeindeverwaltung und Bürgermeister Klaus Lütkefedder frühzeitig vor der zunächst finalen Entscheidung des Gemeinderates von Ortsbürgermeister Alois Fein per E-Mail informiert worden, heißt es in der Stellungnahme weiter.

Bürgermeister Klaus Lütkefedder, der die nun im Amtsblatt durch die Ortsgemeinde veröffentliche Historie bereits für eine Gemeinderatssitzung im März zusammengestellt hatte, berücksichtigt den vom Ortsgemeinderat beschlossenen Grundpreis von 312.683 Euro nicht, sondern geht pauschal von den im Haushalt eingestellten 366.000 Euro aus. Er benennt auch den günstigsten ursprünglichen Angebotspreis von 392.000 Euro nicht, sondern steigt offenbar mit dem bereits nachverhandelten „ersten Vergabevorschlag“ von 377.500 Euro ein, gefolgt vom Ergebnis eines „weiteren Bietergesprächs“ mit einer Angebotssumme von 336.800 Euro. Beide seien durch die Herausnahme von Leistungen zustande gekommen, was weder Auswirkungen auf die Funktionalität noch auf die Zuschussfähigkeit gehabt hätte, heißt es in der Darstellung der Verwaltung weiter. Zuzüglich der Baunebenkosten kommt Lütkefedder auf eine Gesamtsumme von 371.100 Euro.

Doch eben an diesen Punkten scheiden sich die Geister. Das günstigere, nachverhandelte Angebot sei nur deshalb zustande gekommen, weil Leistungen in „nicht geringem Umfang“ gestrichen worden seien, heißt es in der Stellungnahme des ehemaligen Ortsgemeinderates, der unter anderem eine bestimmte Hybridfläche des Sportplatzes und hochwertiges Flutlicht für unabdingbar hält. Zudem habe die Vergabeberatungsstelle Rheinland-Pfalz die Auskunft erteilt, dass das Nachverhandeln mit dem günstigsten Bieter grob vergaberechtswidrig ist. So hätte dieses Vorgehen dazu führen können, dass das Land den Zuschuss zurückgefordert hätte. Im Zweifelsfall wäre die Gemeinde auf Kosten von mehr als 400.000 Euro sitzen geblieben und hätte nicht einmal annähernd den Sportplatz gehabt, den sie braucht, so die Überlegungen des früheren Gemeinderates. Und so schließt die Stellungnahme, die nicht im Amtsblatt, sondern lediglich auf Facebook veröffentlicht werden kann: „Es ist schon verwunderlich, wenn der VG-Bürgermeister dem Ortsgemeinderat in einer öffentlichen Sitzung Vorwürfe macht, weil dieser richtigerweise ein grob vergaberechtswidriges Angebot nicht beauftragt hat.“

Der ehemalige Gemeinderat fühlt sich zu Unrecht auf die Anklagebank versetzt, heißt es auf Nachfrage. Er sieht die Diskussion um die Sportplatzsanierung längst als Symptom für ein grundsätzliches Problem mit Alois Fein. Die Art der Diskussion belege deutlich die Defizite bei Information, Kommunikation, Transparenz und fachlicher Unterstützung. Klaus Lütkefedder schließt derweil seine Ausführungen mit Blick auf die Arbeitsgruppe für die Sportplatzsanierung und empfiehlt, „über eine zeitnahe Sanierung als Rasenplatz ohne Zuschuss des Landes nachzudenken, auf einen Hybridrasen zu verzichten und die Flutlichtanlage gegebenenfalls als zweiten Bauabschnitt nachzuziehen“.

Von unserer Redakteurin
Susanne Willke

Montabaur Hachenburg
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Online regional
Markus Eschenauer Markus Eschenauer (me)
Online regional
Tel. 02602/160474
E-Mail
epaper-startseite
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Bildergalerien: Fotos unserer Leser
&bdquo;Pfui Spinne&ldquo; mag der ein oder andere beim Anblick dieses Fotos von Volker Horz denken. Und doch hat die Detailaufnahme dieses Festmahls ihren ganz eigenen Reiz. Jedenfalls ist dem Achtbeiner hier ein dicker Fang ins Netz gegangen.&nbsp;Wenn auch Sie ein sch&ouml;nes Bild f&uuml;r unsere Leserfoto-Rubrik haben, dann schicken Sie es an die Adresse <a href="mailto:montabaur@rhein-zeitung.net">montabaur@rhein-zeitung.net</a>. Beachten Sie dabei bitte die erforderliche Mindestaufl&ouml;sung von 2500 mal 1500 Pixel.

Mit der Kamera im Westerwald unterwegs: Hier zeigen wir die schönsten Fotos unserer Leser. Zusenden per E-Mail.