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Westerwald/München

Wahl-Wällerin gab sich als Medizinerin aus: Warum "Frau Professor" jetzt in U-Haft sitzt

Stephanie Kühr

Sie lebte unter einem Pseudonym gut 20 Jahre lang in einem Ort im Westerwaldkreis. Sie trug einen Doktortitel, sogar einen Professoren-Titel. Die Münchenerin hatte im Westerwald zwar nicht ihren ersten Wohnsitz, doch sie war über zwei Jahrzehnte mit einem ehemaligen heimischen Industriellen liiert und lebte mit ihm wochenweise zusammen. Seit gut drei Monaten sitzt die Wahl-Westerwälderin nun in München in Untersuchungshaft.

Seit Mitte August sitzt eine Frau, die über zwei Jahrzehnte im Westerwald lebte, nun schon in München in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen "Frau Professor", die eine Betrügerin und Hochstaplerin sein soll.
Seit Mitte August sitzt eine Frau, die über zwei Jahrzehnte im Westerwald lebte, nun schon in München in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen "Frau Professor", die eine Betrügerin und Hochstaplerin sein soll.
Foto: Symbolbild/dpa

Die Staatsanwaltschaft der bayerischen Landeshauptstadt ermittelt gegen die mutmaßliche Betrügerin und Hochstaplerin. Die „Frau Professor“, wie sie in ihrem Umfeld genannt wurde, soll sich als Ärztin ausgegeben haben, obschon sie offenbar gar kein Medizinstudium absolviert hat. Zudem soll sie auf betrügerische Art und Weise Spendengelder für karitative Zwecke gesammelt und veruntreut haben.

Unklar, ob sie Spenden hinterzog

Auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte die zuständige Oberstaatsanwältin Anne Leiding, dass die Staatsanwaltschaft München I derzeit ein Verfahren gegen die Beschuldigte wegen mehrerer Fälle des Betruges durchführe. „Die Beschuldigte sitzt in dieser Sache seit Mitte August in Untersuchungshaft“, erklärte Leiding weiter. Da die Ermittlungen jedoch noch nicht abgeschlossen sind, wollte die Staatsanwältin aus „ermittlungstaktischen Gründen“ keine weiteren Angaben zu dem Fall machen. Sollte die Staatsanwaltschaft Anklage erheben, dann muss sich die mutmaßliche Hochstaplerin vor einem Gericht in München verantworten, teilte Leiding mit. Damit ist derzeit noch unklar, in wie vielen Fällen sich die Frau des Betruges schuldig gemacht haben könnte, in welcher Höhe sie Spendengelder hinterzog und ob sie sich nicht nur als Ärztin ausgab, sondern eventuell sogar als Ärztin arbeitete.

Wer weitere Informationen für die Ermittler hat, kann sich an die Staatsanwaltschaft München I, Linprunstrasse 25, 80335 München, Telefon 089/559 707, oder per E-Mail an die Adresse poststelle@sta-m1.bayern.de wenden.

Nach vertraulichen Informationen unserer Zeitung tischte die Beschuldigte ihrem Westerwälder Umfeld offenbar höchst abenteuerliche Geschichten auf. So soll sich die Frau gerühmt haben, die erste Medizinerin gewesen zu sein, die einen Fötus im Mutterleib erfolgreich am Herzen operiert habe. Dafür will sie, wie sie immer wieder ausführte, auch in den USA höchste Auszeichnungen erhalten haben und dokumentierte dies mit gefälschten Urkunden. Doch nicht nur das: Die mutmaßliche Hochstaplerin brüstete sich auch damit, im ärztlichen Gefolge des Papstes tätig gewesen und das Oberhaupt der katholischen Kirche auf Auslandsreisen begleitet zu haben.

Sie führte wohl ein Doppelleben

Die Frau führte offenbar ein Doppelleben und nahm vermutlich mehrere betuchte Männer zur gleichen Zeit finanziell aus, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. So soll sie mit Wissen und Billigung ihres Westerwälder Lebensgefährten Schmuck und Wertgegenstände aus dessen Anwesen mitgenommen haben. All dies ist indes nicht strafbar. Dem Vernehmen nach sollen die Ermittler auch den früheren Lebensgefährten der Frau verhört und dessen Villa im Westerwald durchsucht haben.

Unbestätigten Informationen zufolge soll die mutmaßliche Hochstaplerin auch in Kliniken in der Region ein- und ausgegangen sein. Unklar ist, ob die Betrügerin als Ratgeberin gefragt war oder in einem Anstellungsverhältnis stand. Das bestätigten Krankenhäuser auf Anfrage indes nicht.

Von unserer Redakteurin Stephanie Kühr

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