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    Westerburg/Obersayn

    Verfahren gegen Unglücksfahrer von Obersayn eingestellt

    Lag ein Verschulden des belgischen Lkw-Fahrers vor oder handelte es sich um einen naturbedingten Unfall, den der 27-Jährige nicht verhindern konnte? 19 Monate nach einem schweren Verkehrsunfall auf der B 255 in der Nähe von Rothenbach-Obersayn, bei dem ein 47 jahre alter Niederländer ums Leben kam, wurde am Amtsgericht in Westerburg der Prozess gegen den Belgier eingestellt. Das Verschulden des Unglücksfahrers sei, wenn überhaupt davon gesprochen werden könne, nur gering gewesen, so der Tenor der Urteilsbegründung. Die Staatsanwaltschaft hatte dem 27-Jährigen fahrlässige Tötung vorgeworfen.

    Bei einem Verkehrsunfall auf der B 255 in der Nähe von Obersayn kam am 10. März 2010  ein Lkw-Fahrer ums Leben. Ein Verfahren  gegen den belgischen Unfallverursacher am Amtsgericht in Westerburg wurde eingestellt.
    Bei einem Verkehrsunfall auf der B 255 in der Nähe von Obersayn kam am 10. März 2010 ein Lkw-Fahrer ums Leben. Ein Verfahren gegen den belgischen Unfallverursacher am Amtsgericht in Westerburg wurde eingestellt.
    Foto: Sascha Ditscher

    Westerburg/Obersayn - Lag ein Verschulden des belgischen Lkw-Fahrers vor oder handelte es sich um einen naturbedingten Unfall, den der 27-Jährige nicht verhindern konnte? 19 Monate nach einem schweren Verkehrsunfall auf der B 255 in der Nähe von Rothenbach-Obersayn, bei dem ein 47 jahre alter Niederländer ums Leben kam, wurde am Amtsgericht in Westerburg der Prozess gegen den Belgier eingestellt. Das Verschulden des Unglücksfahrers sei, wenn überhaupt davon gesprochen werden könne, nur gering gewesen, so der Tenor der Urteilsbegründung. Die Staatsanwaltschaft hatte dem 27-Jährigen fahrlässige Tötung vorgeworfen.

    Der 47-jährige Lkw-Fahrer aus den Niederlanden war am 10. März vergangenen Jahres um die Mittagszeit mit seinem Autotransporter auf der Bundesstraße 255 bei Rothenbach-Obersayn auf schneeglatter Fahrbahn in eine Senke gefahren. In einem entgegenkommenden Sattelzug verlor dessen belgischer Fahrer wegen einer Windböe die Kontrolle über sein Fahrzeug, kam mit der Zugmaschine ins Schleudern und prallte frontal gegen den Autotransporter. Der niederländische Fahrer starb noch an der Unfallstelle. Er war nicht angeschnallt gewesen. Sein belgischer Kollege kam mit einem Schock ins Krankenhaus. 19 Monate nach dem tragischen Geschehen wurde juristisch in Westerburg ein Schlussstrich unter das Unfallgeschehen gezogen.

    Für die Verhältnisse am Westerburger Amtsgericht war eines der umfangreicheren  Verfahren: Drei Sachverständige wurden gehört, eine Dolmetscherin war angefordert worden, in den Zuhörerreihen saßen Angehörige der Prozessbeteiligten, die Witwe des verunglückten Lkw-Fahrers trat als Nebenklägerin auf.   

    Hätte der Lkw-Fahrer den Unfall verhindern können? Am ersten Verhandlungstag, der im Juli stattfand, ließ sich die zentrale Verfahrensfrage nicht abschließend klären. Fakt war: Sein Fahrzeug hatte keine Mängel, die Reifen waren in Ordnung, er hatte weder die Lenkzeit überschritten noch Alkohol getrunken, und er war mit etwa 50 Stundenkilometer unterwegs. Der Belgier selbst sagte aus, er wisse nicht, warum sein Lkw plötzlich ins Schlingern geraten sei. Eindringlich schilderte er die Situation am Unfalltag, als sein leerer Sattelzug plötzlich auf eisiger Fläche „wie ein Stück Papier“ in Bewegung geriet. „Das war für mich völlig überraschend“, schilderte der 27-Jährige die Situation vom 10. März 2010.  

    Eine wesentliche Rolle für das Unfallgeschehen spielten die Wetterverhältnisse an diesem Tag. Der Wind hatte auf dem Streckenabschnitt bei Rothenbach-Obersayn an vielen Stellen bis zu 15 Zentimeter hohe Schneewehen auf die Fahrbahn getrieben, es traten zum Teil starke Windböen auf. Während der Deutsche Wetterdienst für den fraglichen Zeitraum im oberen Westerwald jedoch keine übermäßigen Windgeschwindigkeiten dokumentierte, eingeräumt wurden 50 km/h, vielleicht ein bis 2 Meter pro Sekunde mehr, lagen Zeugenaussagen über starke Windverhältnisse am Unfallort vor. „Man konnte sich regelrecht in den Wind reinlegen“, schilderte ein Beamter der Polizei Westerburg die Wettersituation am 10. März 2010, dem Tag des Unfalls. Und auch ein technischer Sachverständiger, der zwei Stunden nach dem Unfall, den Ort des Geschehens begutachtete, sprach über Windböen von bis zu geschätzten 100 bis 120 Stundenkilometern.

    Mit Lichtbildern und per 3D-Animation erläuterte ein von der Dekra beauftragter Gutachter das Unfallgeschehen aus technischer Sicht. „Sollte etwas weniger Wind vorgeherrscht haben als 100 oder 120 Stundenkilometer, so bleibt dennoch das Eis auf der Fahrbahn. Res kann den gleichen Effekt haben: Der unbeladene Lkw wird schlagartig von der Straße geschossen“, erläuterte der Sachverständige. Bei einer Fahrgeschwindigkeit von 50 km/h habe der Fahrer lediglich eine Sekunde Zeit gehabt, um auf die Situation zu reagieren und daher keine Chance, den Unfall zu vermeiden. „Wäre er jedoch 20 Stundenkilometer gefahren, hätte er noch Zeit gehabt, um gegenzusteuern. Unter den gegebenen Umständen hatte er keine Chance“, so der Gutachter.

    Das Gericht unter Vorsitz von Richter Hans Helmut Strüder bewertete das Verschulden, falls er überhaupt vorlag, als gering und verhängte eine symbolische Geldbuße von 250 Euro. „Die Tragik dieses Falles ist nicht aus der Welt zu schaffen. Was juristisch zu tun war, wurde gemacht. Mehr geht nicht“, sagte Strüder.

    Unter Tränen richtete der Unglücksfahrer am Ende des Prozesses Worte des Bedauerns an die Witwe des verstorbenen Unfallopfers. „Ich konnte es nicht verhindern. Ich konnte nichts machen“, erklärte er und rang dabei sichtlich um Fassung. Die Frau sagte, dass sie ihm verzeihe

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